Flüchtlinge in MV : Fußball kann Welten verbinden

Gerd Rummel (M.) vom FC Vorwärts Drögeheide bei der Auszeichnung im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund zwischen Nationalspieler Ilkay Gündogan (l.) und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff
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Gerd Rummel (M.) vom FC Vorwärts Drögeheide bei der Auszeichnung im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund zwischen Nationalspieler Ilkay Gündogan (l.) und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff

Im kleinen vorpommerschen Drögeheide hat ein Verein viele Flüchtlinge integriert – dafür wurde der FC Vorwärts jetzt ausgezeichnet

svz.de von
16. März 2016, 08:00 Uhr

Der Fußballclub Vorwärts Drögeheide will nach der Ehrung mit dem Integrationspreis des Deutschen Fußballbundes (DFB) seine Flüchtlingsarbeit noch ausbauen. „Wir werden zu Saisonbeginn 2016/17 eine Flüchtlings-Männermannschaft anmelden“, sagte Vereinsvorsitzender Rene Samuel gestern. Mit dem gewonnenen Kleinbus im Wert von mehr als 50 000 Euro sollen aber vor allem Kinder und Jugendliche zu Spielen gefahren werden. „Wir hatten mit dem ersten Preis bei den vielen Bewerbern gar nicht gerechnet und sind völlig überrascht“, freute sich der 42-jährige Clubvorsitzende. Der mit 70 Mitgliedern eher kleine Verein hat seine Plätze wenige hundert Meter von einer größeren Flüchtlingsunterkunft entfernt und engagiert sich seit 2013 intensiv bei der Integration der Zuwanderer. Es ist sein erstes Vereinsfahrzeug.

Drögeheide ist ein kleiner Ortsteil von Torgelow (Kreis Vorpommern-Greifswald), der von der Armee geprägt war. Nach der Wende verließen viele ehemalige Armeeangehörige und junge Leute mangels Perspektive die Region, die zu den wirtschaftlich schwächeren Gebieten gezählt wird. In den zu großen Teilen leerstehenden Plattenbauten wurden ab 2013 Asylbewerber untergebracht. Das hatte im Vorfeld zu großen Debatten und auch Aufzügen rechtsextremer Gruppen geführt. „Es herrschte große Unruhe“, erinnerte sich der Torgelower SPD-Landtagsabgeordnete Patrick Dahlemann. Der 27-Jährige wurde damals über Nacht zum Medienstar, weil er sich auf einer NPD-Veranstaltung das Mikrofon gegriffen und den Rechten öffentlich Paroli geboten hatte. Davon tauchte später ein Video im Internet auf, das tausendfach angeklickt wurde. Im Nachhinein besuchten viele prominente Politiker Torgelow, auch SPD-Parteichef Sigmar Gabriel.

„Wir waren unsicher, wie gehen wir mit der Situation um“, sagte Samuel. Mehr als 200 Flüchtlinge zahlreicher Nationen wohnen inzwischen in Drögeheide. Samuel ging auf die Flüchtlinge und Helfer zu und bot die Hilfe des Vereins an. „Ich habe keine negativen Erfahrungen gemacht“, sagte er. Jetzt hat der FC Vorwärts fünf Mannschaften von Kindern und Jugendlichen ab sieben Jahren, darunter viele Flüchtlingskinder. Zweimal pro Woche gebe es offenes Training, im Winter in Torgelow und ansonsten in Drögeheide. Flüchtlinge helfen manchmal auch, Bänke zu streichen oder auf andere Weise den Platz zu pflegen.

„Manche Eltern lassen ihre Kinder bei Dunkelheit nicht mehr allein zum Training gehen, das können wir jetzt mit dem Kleinbus absichern“, freute sich der Vereinschef. Einige junge Leute aus Eritrea, die auch zum Training kämen, hätten einen Ausbildungsplatz oder ein Praktikum in der nahen Gießerei oder bei anderen Firmen erhalten.

Der Preis ist für Samuel aber auch eine große Verpflichtung. „Wir haben als kleiner Verein – je nach Spendenzahl – nur ein Budget von 3000 bis 4000 Euro im Jahr“, sagte er. Davon müssten nun auch die laufenden Kosten für den Kleinbus bestritten werden.

„Das Engagement des Vereins ist ein Meilenstein für die Integration hier“, sagte Dahlemann. Die Politik könne Rahmenbedingungen schaffen. „Aber wenn keiner ein wirklich herzliches Klima schafft, würde kein Zuwanderer bereit sein, auch zu bleiben.“

Der Integrationspreis von DFB und Mercedes-Benz wird seit 2007 für herausragendes Engagement verliehen. In diesem Jahr hatten sich 170 Projekte beworben.

Vereinsvorsitzender Rene Samuel kam am Dienstag noch per Bahn nach Hause. Der Transporter soll in Kürze offiziell in Torgelow-Drögeheide übergeben werden.

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