Fusionsstreit bei den IHK eskaliert

Die IHK in Schwerin. Foto: Klawitter
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Die IHK in Schwerin. Foto: Klawitter

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19. Juni 2012, 07:50 Uhr

Schwerin | Fusionskrach in der Industrie- und Handelskammer Schwerin: Eine Mehrheit der Unternehmer in der 44-köpfigen Vollversammlung fühlt sich in den ohnehin strittigen Verhandlungen über eine engere Zusammenarbeit mit der Kammer Rostock übergangen. Ihre Kritik: Noch bevor die Ergebnisse eines im Frühjahr bei externen Beratern in Auftrag gegebenen Prüfberichtes vorliegen würden, seien ohne Rücksprache mit dem Parlament der Wirtschaft Fusionsdetails bekannt gemacht und von Rostock offenbar mit Wissen der Schweriner Kammerführung eine Fusion präferiert worden. Rostocks Kammerpräsident Wolfgang Hering hatte vor kurzem erklärt, externe Berater prognostizierten ein Ein sparpotenzial von bis zu rund einer Million Euro pro Jahr, das sich vollständig im zehnten Jahr nach der Fusion einstellen würde.

Der Vorstoß sorgt in Schwerin für Aufruhr: Bislang hatte Schwerins Kammerpräsident Hans Thon gegenüber der Vollversammlung stets angekündigt, mit einem "ergebnisoffenen Verfahren" eine Fusion prüfen zu wollen. Mit der derzeitigen Verfahrensweise würden aber am Ehrenamt vorbei bereits Entscheidungen vorweggenommen, heißt es jetzt. "Stillos, die Verfahrensweise ist ein Unding", meinte ein Vollversammlungsmitglied gestern. Das Präsidium in Schwerin führe geheime Verhandlungen und enthalte dem Parlament der Wirtschaft entscheidende Details vor.

Der Streit eskaliert: Noch nicht einmal auf der für heute einberufenen Vollversammlung hat das Präsidium die Fusionsgespräche auf die Tagesordnung gesetzt. Den Parlamentariern reicht es. Auf der heutigen Vollversammlung in Wismar fordern sie eine Klarstellung der Kammerspitze. Teile der Vollversammlung rebellieren inzwischen. Für die Vollversammlungssitzung heute waren bis Montag auffallend wenige Anmeldungen erfolgt. Kritiker bewerten das als Zeichen der Kritik an der Arbeit des Präsidiums. Selbst die eigenen 60 Mitarbeiter lässt die Schweriner Kammerspitze im Unklaren. Auf einer kürzlich einberufenen Belegschaftsversammlung habe das Präsidium nur ausweichend informiert, berichten Mitarbeiter.

Schwerins Kammerführung unter Druck: Es gebe keine Vorentscheidung, übte sich Präsident Thon gestern in Schadensbegrenzung. Rostock habe entgegen der Absprachen Details des "vorläufig, endgültigen Prüfberichtes" veröffentlicht. Thon: "Das war nicht abgestimmt." Die Entscheidung liege bei der Vollversammlung, meinte er. Im August solle über den endgültigen Prüfbericht in einer Denkfabrik auf Schloss Basthorst beraten werden. Im September solle die Vollversammlung dann entscheiden, ob Fusionsverhandlungen aufgenommen werden oder nur die Zusammenarbeit weiter verstärkt werde.

Von der Kritik unbeeindruckt drückt Rostock weiter aufs Tempo und stellt die Schweriner Kammer vor vollendete Tatsachen: Nach den Ergebnisses des derzeit in der Abschlussphase steckenden Prüfberichts laufe alles auf eine Fusion hinaus, sagte Rostocks Kammerpräsident Wolfgang Hering gestern: "Das Fusionsmodell hat den größten Effekt." Es gehe nicht nur um finanzielle Einsparungen. Auch müssten die Kammern ihre Arbeitsprozesse optimieren, die Durchschlagskraft erhöhen und mehr Qualität liefern. Hering: "Wir können uns keine Doppelarbeit mehr erlauben."

Der nächste Streit ist bereits programmiert: Bislang wurde bei den Fusionsverhandlungen die Frage des künftigen Kammersitzes ausgeklammert. Auch in dem Prüfbericht fehlt dazu jedes Wort. Kritiker erkennen indes an dem forschen Verhandlungsstil der Rostocker eine Vorentscheidung für die Hansestadt und bemängeln, Schwerin würde sich die Entscheidung aus der Hand nehmen lassen - nicht hinnehmbar für die Schweriner Unternehmer. Davon kann keine Rede sein, meint Präsident Thon. Der Rostocker Vorstoß sorgt indes auch zwischen den Kammern für Verstimmungen: "Diese Zukunftsentscheidung lassen wir uns nicht aus der Hand nehmen, auch nicht von Präsident Hering", weist der Kammerchef eine Einmischung Rostocks zurück: "Entweder wir verhandeln auf Augenhöhe oder gar nicht", sagt Thon und stellt klar: "Noch hat mich keiner über den Tisch gezogen."

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