Harsche Kritik aus Schwerin an Ausschreibungsverfahren : Fusionspläne mischen Kammern auf

Die Industrie- und Handelskammer in Schwerin. Foto: Archiv
Die Industrie- und Handelskammer in Schwerin. Foto: Archiv

Interner Fusionsstress bei den Industrie- und Handelskammern Schwerin und Rostock: Gegen die von beiden Kammern geplante Fusion regt sich Widerstand in den eigenen Reihen.

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11. Oktober 2011, 08:03 Uhr

Interner Fusionsstress bei den Industrie- und Handelskammern Schwerin und Rostock: Gegen die von beiden Kammern geplante Fusion regt sich Widerstand in den eigenen Reihen. Schwerins IHK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Unger hegt in einem unserer Redaktion vorliegenden internen Schreiben an die Vollversammlung „erhebliche rechtliche Bedenken“ gegen ein von den beiden ehrenamtlichen IHK-Kooperationsausschüssen aufgestelltes Konzept für eine Fusionsberatung durch externe Dienstleister. Die Vergabe sei „mit den Grundsätzen einer öffentlichen Ausschreibung nur schwerlich vereinbar“, schreibt Unger. Auch sieht er einen „Verstoß gegen die sog. Transparenzregelung“, da ein Beratungsunternehmen im Vorfeld bevorteilt worden sei. Zudem kritisiert er, dass bei der Auftragsvergabe und für Folgeaufträge (Gesamtvolumen: 200 000 Euro) „kein Bieter aus MV einbezogen“ wurde.

Die Kritik aus Schwerin treibt die Kammerspitzen auf die Palme: Im August hatten Rostock und Schwerin vereinbart, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit oder auch einer Fusion zu prüfen. Jetzt gerät das Verfahren noch vor dem Beginn ins Stocken. Die Kammer Rostock hüllte sich gestern gleich ganz in Schweigen und wollte keinerlei Stellung nehmen. Kammerinsider sehen dafür einen guten Grund: Das Verfahren mutet derzeit eher einer Übernahme als gleichberechtigten Fusionsgesprächen an, heißt es. Bei einem Krisentreffen der Rostocker Kammerspitze sollen gestern alle rechtlichen Bedenken ausgeräumt worden seien.

Entsetzen bei Schwerins Kammer-Präsident Hans Thon: „Alles nicht wahr“, wehrt er die Kritik seines eigenen Hauptgeschäftsführers ab. Er sei angetreten, die Kammerarbeit effizienter und kostengünstiger zu organisieren: „Dabei bleibt es.“ Eine Ausschreibung für den Beraterauftrag sei nicht notwendig. Auch an der Auswahl von fünf Beraterfirmen aus den alten Ländern gebe es nichts zu kritteln.

Pikant: Beim Bau des umstrittenen IHK-Neubaus in Schwerin musste die damalige Kammerführung seinerzeit heftige Kritik an der Vergabe der Architektenleistungen an ein Hamburger Büro einstecken – ausgerechnet von den damaligen IHK-Kritikern um Hans Thon. Der rechtfertigt sich heute: Für einen derartigen Beratungsauftrag gebe es im Kammerbereich keine Firma mit der entsprechenden Erfahrung. Zur Erinnerung: Die Argumentation hatte damals auch die alte Kammerführung bemüht.

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