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Mecklenburg-Vorpommern

16. Dezember 2017 | 06:28 Uhr

Serie: Jung in MV : Funktional und haltbar

vom
Aus der Onlineredaktion

Schweriner Jungunternehmer nähen in einer Hinterhof-Werkstatt wetterfeste Taschen und Rucksäcke

Ende der 1980er-Jahre war der Norden der DDR das Gebiet mit der jüngsten Bevölkerung. Seit der Wende aber hat sich diese Statistik komplett umgekehrt. In MV leben nun die nahezu ältesten Menschen Deutschlands. In unserer Serie wollen wir zeigen, dass es junge Menschen gibt, die sich bewusst für den Nordosten entscheiden. Die hier Chancen sehen, die andere nicht gesehen haben.

Der Weg in die Schweriner Taschenmanufaktur ist nicht leicht zu finden. In einem alten Industriebau führt eine schmale Tür zur Red Rebane GmbH. Noch gibt es nur einen einzigen Raum, in dem Dutzende Textilballen bis unter die Decke gestapelt sind. Computer und Telefon in der Ecke sind das Büro, Schneid- und Nähmaschinen auf einem Tisch die Werkstatt.

Christian Karius, studierter Hotelmanager, machte sich 2013 mit einer Ein-Mann-Näherei selbstständig. Für die Taschenproduktion nutzte er anfangs eine einfache Haushaltsnähmaschine, die aber bald kaputt ging. Stärkere Technik musste her. Im Juli 2016 wurde die GmbH gegründet. Mitgesellschafter ist Stephan Porth, gelernter Kaufmann. Zwei Frauen und ein junger Mann aus Syrien gehören mittlerweile zum Team.

Die Kunst der Taschenschneider spricht sich herum, erste Großaufträge trudeln ein, wie Geschäftsführer Karius sagt. So entwarfen die Kreativen für eine Internetagentur einen speziell designten Laptop-Rucksack, eine Art mobiles Office. Unter dem Label „Red Rebane“, das nach einem estnischen Wort „Roter Rotfuchs“ bedeutet, steppen die Jungunternehmer pro Monat etwa 50 Fahrrad-, Gürtel- und Umhängetaschen sowie Rucksäcke zusammen. Wetter- und abriebfestes Textil aus Nylon, das ursprünglich fürs Militär entwickelt worden war, werde verwendet, erklärt Karius. Verarbeitet würden regensichere Reißverschlüsse, magnetische Schnallen, Karabiner, Reflektoren. Ziel sei es, funktionale wie auch lange haltbare Tragehilfen statt billiger Beutel herzustellen.

„Wir orientieren uns am Bergsport“, sagt Karius. Der 33-jährige Schweriner fährt in der Freizeit Rennrad und klettert im Gebirge. Dabei teste er seine Produkte stets selbst auf Herz und Nieren. Prototypen gebe es bereits von neuartigen Satteltaschen für Wertsachen und erstmals auch für Outdoor-Kleidung – superleichte Windjacken. Dank der vielen Ideen der jungen Handwerker platzt die Manufaktur inzwischen sprichwörtlich aus allen Nähten. Deshalb wird nun angebaut. An einem Bestellkatalog werde gearbeitet, der etwa 20 Serien-Erzeugnisse enthält. „Wir müssen optimieren, in der Herstellung wie auch bei der Produktpalette“, sagt Porth.

Selbstgemachtes, Individuelles, Regionales liege im Trend, sagt die Sprecherin der Handwerkskammer Schwerin, Petra Gansen. In Westmecklenburg gebe es aktuell 16 aktive Sattler und Täschner, jeder Betrieb arbeite mit einem anderen Schwerpunkt. Zwei Rostocker etwa entwerfen und schneidern Jacken und Taschen für Radfahrer.

Mehr Kunden für Manufakturen sucht derzeit auch die „Arbeitsgemeinschaft Kreative MV“, wie Sprecherin Corinna Hesse sagt. Mit Fördergeld des Wirtschaftsraums „Metropolregion Hamburg“ werde eine Handwerker-Erlebnisroute „ManufakTour“ mittels Internet-Plattform, GPS-App für Smartphones und Audioguide entwickelt. 40 Betriebe seien dabei.

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