Serie: Meister im Handwerk : Funkelndes für Individualisten

Goldschmiedemeister Dirk Zachey in seiner Werkstatt in Grevesmühlen
Foto:
1 von 2
Goldschmiedemeister Dirk Zachey in seiner Werkstatt in Grevesmühlen

Das Handwerk des Goldschmiedes durchläuft einen Wandel und Meister Dirk Zachey aus Grevesmühlen geht mit dem Zeitgeist

svz.de von
14. Mai 2017, 08:40 Uhr

Auf Dirk Zacheys Werkbank lag schon Metall, das noch vor kurzem in einem Menschen steckte. Die grauen Klammern sahen ihren Verwandten aus dem Tacker ziemlich ähnlich. Doch diese Stücke stammten nicht vom Schreibtisch, sondern aus einem OP-Saal. Sein Kunde wollte nach einer schweren Operation die Metallklammern in einem Ring verewigt sehen. Goldschmied Zachey aus Grevesmühlen setzte den Auftrag um.

Den Ring mit den OP-Klammern präsentiert Zachey heute in einem Fotoband. Mehrere Bücher voll mit Spezialanfertigungen für seine Kundschaft liegen auf seinem Schreibtisch. Der Ring steht für den Wandel in der Zunft der Gold- und Silberschmiede. Das Handwerk gilt als eine Königsdisziplin. Doch die Goldschmiede kreieren heutzutage kaum noch eigene Stücke in ihren Werkstätten. Die Kunden haben neue Interessen. Gefragt sind individuelle Anfertigungen, Umarbeitungen und Reparaturen alter Stücke.

Aus Kundenwünschen wird Schmuck
Foto: Zachey
Aus Kundenwünschen wird Schmuck
 

Die Kundschaft ist wählerisch geworden. Oft bringen sie eigene Zeichnungen mit, wenn sie Dirk Zacheys in seinem Geschäft besuchen. Eheringe, die zusammen ein Herz ergeben, ein Ring mit einem Golfball aus Edelsteinen oder kleine Jagdtrophäen als Anhänger. Selbst Logos von Musikgruppen verewigte er schon auf dem Edelmetall. „Der Vorstellungskraft sind kaum Grenzen gesetzt“, so Zachey.

Dirk Zachey passte sich dem Trend der Sonderwünsche an. Er ist nicht nur Meister der Goldschmiedekunst, sondern auch gelernter Juwelenfasser. Nach seiner Lehre 1993 absolvierte er in Münster den Meisterkursus. Durch die Doppel-Qualifikationen, Goldschmied und Fasser, kann er heute fast alle Aufträge umsetzen.

Die Kundenwünsche sind eine Herausforderung, auch für den gestandenen Handwerker. Wie die OP-Klammern, die in einen Ring eingearbeitet werden sollten. Die unterschiedlichen Metalle ließen sich nicht einfach miteinander verbinden. Der Goldschmied musste die Formen der Klammern in den Ring gravieren, um sie danach einsetzen zu können.

„Früher antwortete der typische Kunde auf die Frage, was für einen Ring er möchte: Rund. Heute sehen die Menschen im Internet das weltweite Angebot. Sie lassen sich davon inspirieren und entwickeln eigene Ideen. Und damit kommen sie zu mir.“

Der Einsatz von Technik hilft, die Kosten gering zuhalten, Computer spielen eine wesentliche Rolle. Am Monitor können Goldschmiede ihre Stücke planen. Eine Fräse überträgt automatisch die digitale Konstruktion auf einen speziellen Wachs. Darin wird das Metall zu Schmuck gegossen. Besonders bei komplizierten Formen spart der Computer Zeit und Geld.

In Dirk Zacheys Werkstattdrängen sich Tische und Geräte dicht aneinander. Schmelzbereich, Amboss, Poliermaschine, Walze und die Werkbank liegen kaum mehr als zwei Schritte auseinander. „Für einen Lehrling habe ich hier leider kaum Platz“, fügt er hinzu. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es keine Berufsschulklasse für Goldschmiede mehr. Dirk Zachey gehörte zum letzten Jahrgang im Land. Heute müssen Lehrlinge nach Arnstadt in Thüringen fahren, um die Klasse zu besuchen.

Der Beruf des Goldschmieds ist etwas für ausgeglichene Menschen. Bis zu sechs Stunden am Stück sitzt Zachey an seinem Platz und feilt an dem Schmuck. Eine Tasse Kaffee zu viel kann ihm zum Verhängnis werden. Etwa wenn er an seinem Mikroskop arbeitet. Will er mehrere Steine nebeneinander auf einen Ring setzen, dürfen diese nicht wie eine Diskokugel beliebig glitzern. Mit ruhiger Hand muss er sie in Reih und Glied bringen, so dass die Juwelen gleichmäßig funkeln. „Für diesen Beruf muss man Ruhe und Geduld mitbringen. Ich komme damit zurecht, aber suche auch den körperlichen Ausgleich. In die Natur gehen oder Holzhacken hilft.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen