Schloss Ludwigslust : Fürstliche Pracht im neuen Glanz

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Foto: Josefine Rosse

Der Ostflügel des Schlosses Ludwigslust wurde restauriert – Ein Rundgang durch die neuen Räume

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05. März 2016, 08:00 Uhr

„Ein Fürst muss seinem Volk das sein, was ein Vater seinen Kindern ist.“ Die Stimme hallt durch den „Goldenen Saal“. Die imposanten Kronleuchter flackern auf, durchfluten den Raum mit einem weichen Licht. Einst veranstaltete Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin hier, im Schloss Ludwigslust, Konzertabende. Auch jetzt spielt eine Kapelle Barockmusik. „Oft hat der Herzog selber mitgespielt. Von Kindestagen an spielte er Klavier“, erzählt der heutige Schlossdirektor Jörg-Peter Krohn. „Herzog Friedrich war sehr gläubig. Er war davon überzeugt, dass geistliche Musik die Menschen zum Guten erzieht. Dagegen verbot er die Schauspielerei, weil diese vom Wesentlichen ablenke.“

Voller Enthusiasmus schreitet Krohn durch die fürstliche Residenz. In den vergangenen vier Jahren wurde hier der Ostflügel saniert – für 13 Millionen Euro. Ab Morgen wird er für Besucher in seiner alten Schönheit wieder zu besichtigen sein. „Ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk. Und ich habe erst im Oktober Geburtstag“, freut sich Krohn. Über einen eindrucksvollen roten Teppich, der die Treppe bedeckt, gelangt er in die Beletage. Dort befindet sich das Vorzimmer zur fürstlichen Audienz. Die Wand verzieren imposante Löwen-Gemälde des bekannten Tiermalers Jean Baptiste Oudry. Von diesem französischen Meister sind weitere Werke der Menagerie-Serie zu sehen. „Ausstattungsräume mit historischer Wandgestaltung und wertvollen Möbeln wechseln sich ab mit musealen Ausstellungsräumen, die thematisch gestaltet sind“, erklärt Krohn.

Herzog Friedrich Franz (1717-1785), der 1772 dem Hofbaumeisters Johann Joachim Busch den Auftrag für die neue Residenz in Ludwigslust erteilte, nahm das Schloss im französischen Versailles zum Vorbild. Der Fürst liebte goldgerahmte Spiegel, Holzfußböden mit wertvollen Intarsien und auch schwere Seidendamasttapeten in satten Farben. Nachdem die Grundsanierung der 18 Räume abgeschlossen war, bot sich den Restauratoren so manche Überraschung. Bauforscher fanden zum Beispiel Reste originaler Wandverkleidungen. Neben wertvoller französischer Seide kamen üppig verzierte, teils goldgeprägte Velours-Papiertapeten aus dem frühen 19. Jahrhundert zum Vorschein. Diese wurden originalgetreu nachgearbeitet. Die Wände und Decken strotzen vor Reliefs und gol-denen Verzierungen. Doch nicht alles ist hier Gold, was golden glänzt. Im Schloss kam ein Material zum Einsatz, das noch heute viele Rätsel aufgibt. Das witterungsbeständige Papier-maché nach einer Rezeptur des Johann Georg Bachmann trotzte sogar Regen und Schnee.

Bachmanns Idee war nicht neu. So wurden seit dem 16. Jahrhundert Andachtsbildchen und Fastnachtsrequisiten aus Papiermaché gefertigt. Doch die Ausgestaltung ganzer Räume war ein aufwendiges und bis dato einmaliges Unterfangen.

„Die Restaurierung war spannend wie ein Krimi. Wir fanden zum Beispiel ein Steuerheft aus dem 18. Jahrhundert“, so Museumschef Krohn. „Die Bauarbeiter haben neue Zeitkapseln versenkt, darunter auch folierte Berichte aus der Schweriner Volkszeitung.“

Während der Arbeiten im Ostflügel sei stets darauf geachtet worden, die Gebrauchsspuren der Jahrhunderte sichtbar zu lassen. „Das ganz Authentische gibt es fast nie“, sagt Kunsthandwerks-Expertin Dr. Karin Annette Möller, die an der musealen Gestaltung des Schlosses mitgewirkt hat. „Die Ausstellung soll das Leben von damals spürbar machen. Wir wissen nie, wie es damals wirklich war und es gibt nur wenige Quellen.“ Mit Hörspielen, in denen unter anderem Briefzitate verlesen werden, schaffen die Kuratoren eine Zeitreise in das späte 18. Jahrhundert.

In der Gemäldegalerie verweist Peter Krohn, der seit 1987 im Schloss Ludwigslust arbeitet, auf die etwa 100 kostbaren Gemälde hin, darunter auch einige „Canalettos“, die in sogenannter barocker Hängung die Wand g bedecken. „Die Gemäldegalerie ist erstmals seit 150 Jahren wieder erlebbar“, sagt Krohn. Von Oudrys berühmtem Nashorn schuf der Hofmaler Johann Findorff eine Kopie, die hier zu bestaunen ist. In den Vitrinen werden Korkmodelle vorgestellt.

Im zweiten Obergeschoss befinden sich die Gästeappartements, die einst unterschiedlich ausgestattet waren und den damaligen Besuchern je nach Rang und Namen Komfort boten. Hier sind diverse Sammlungen zu sehen, Jagdwaffen, Uhren, Münzen, Elfenbeinschnitzereien und Houdon-Büsten.

Nach der Neugestaltung des Ostflügels wird nun der Westflügel des Ludwigsluster Schlosses saniert. Dort lebten einst die Damen des Hofes. Die eindrucksvollen Appartements der Herzogin und die im klassistisch geprägte Wohnung der einstigen Prinzessin Alexandrine von Preußen sollen bis 2020 herausgeputzt werden.

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