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Ausstellung im medienhaus:nord : Fürsorglicher Mutter, liebevolle Partnerin und taffe Kollegin

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Wiedereinstieg für Frauen in den Beruf ist nicht immer leicht. Ausstellung ab 16. Januar in unserem Verlagshaus

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erstellt am 05.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Zehn Jahre ihres Lebens hat Anja Koop auf dem Wasser verbracht. Sie arbeitete als Hausdame auf Kreuzfahrtschiffen und bereiste so die ganze Welt. „Als Souvenir habe ich dann irgendwann meine Tochter mitgebracht“, sagt die lebhafte Frau mit einem Lachen. Als sie bemerkte, dass sie schwanger war, hatte die heute 39-Jährige allerdings wenig Grund dazu.

Als Angestellte auf Kreuzfahrtschiffen hangelte sie sich von Saison zu Saison und hatte den lange gehegten Kinderwunsch eigentlich schon verworfen. Mit der Schwangerschaft endete ihr unabhängiges Leben nun schlagartig. Der Vertrag auf dem Luxusdampfer wurde nicht verlängert und Anja Koop landete – schwanger im fünften Monat – auf dem harten Boden des Festlandes. Für ihr Leben auf den Weltmeeren hatte sie all ihre Besitztümer verkauft und die Wohnung aufgegeben. Nun stand sie vor dem Nichts.

Erster Anlaufpunkt waren natürlich die Eltern – „doch auch ihnen habe ich erst vier Tage vor meiner Ankunft von meiner Lage erzählt“, erklärt die 39-Jährige. Ein halbes Jahr dauerte es, bis sie an Land Fuß gefasst hatte. Die Frage nach einem neuen Job jedoch blieb akut. „Als ich dann nicht mehr weiter wusste, landete ich bei der Imbse“, sagt sie.

Wanderausstellung:

Die Geschichten von sechs Frauen, die den Spagat zwischen fürsorglicher Mutter, liebevoller Partnerin und taffer Kollegin geschafft haben, stellt das Institut noch bis zum Jahresende in einer Wanderausstellung vor – auch Anja Koops Geschichte ist dabei. Die Frauen wurden dabei auf ihrem Weg zurück in den Beruf fotografisch begleitet.

Die Ausstellung ist ab dem 16. Januar 2017 im medienhaus:nord zu sehen. Zur Ausstellungseröffnung ist eine Podiumsdiskussion geplant.

Das Institut für Modelle beruflicher und sozialer Entwicklung (Imbse) hat es sich zur Aufgabe gemacht, „Männern und Frauen, die ihre Berufstätigkeit wegen Pflegeaufgaben oder Elternzeit aufgegeben haben, wieder zurück in eine Beschäftigung zu helfen oder sie dabei zu unterstützen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen“, erklärt Marion Kielniak, die den Standort Schwerin leitet. Auch berufliche Fortbildungen gehören zum Kernangebot. Seit inzwischen 16 Jahren arbeitet sie für das Institut und begleitet das Projekt „Perspektive Wiedereinstieg“ seit dem Beginn im Jahr 2009 – etwa 1000 Personen haben sie und ihr Team seitdem betreut. Der früheren Dozentin für Erwachsenenbildung macht es Spaß, Lösungen für Probleme zu finden. Die Erfolgsquote ihres Projektes ist groß: Zwei Drittel der Frauen, die sich an sie wandten, haben ihren Weg inzwischen gefunden. Sie kämen aus allen sozialen Schichten. „Von der Hartz IV-Empfängerin bis zur Frau Doktor, die als Hausfrau daheim bleibt.“ Aber auch immer mehr Männer würden Hilfe bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf benötigen, erklärt Kielniak. Allein in diesem Jahr seien es vier gewesen. Frauen bilden trotzdem den Löwenanteil der Projektteilnehmer. Die Kosten dafür werden vom Bundesministerium für Arbeit kofinanziert damit der Service für Betroffene kostenlos bleibt. Doch was heißt das genau? Anja Koop benötigte vor allem Hilfe dabei, sich ihrer eigenen Stärken bewusst zu werden. „Ich habe vorher nie wirklich Bewerbungen schreiben müssen“, sagt die 39-Jährige. Sie nutzte Gruppencoachings und Einzelgespräche, um ihr Selbstbewusstsein wieder aufzubauen. Über Online-Kurse frischte sie zudem ihr Wissen über Projektmanagement und BWL auf. Anja Koop gelang der Wiedereinstieg ins Hotelgewerbe als Hausdame bei einem Hotel in Hamburg. Doch ihr Weg war damit leider noch nicht beendet.

Denn das tägliche Pendeln von Schwerin nach Hamburg hatte seine Tücken. „Meine Tochter sah ich höchstens 20 Minuten am Tag“, erklärt sie. Als ihr Kind dann irgendwann die Oma mit „Mama“ ansprach stand fest, es muss ein Beruf her, der sich besser mit ihrer kleinen Familie vereinbaren lässt. Die Beraterinnen der Imbse waren natürlich abermals für die Schwerinerin da und halfen. Im Juni wird die junge Frau hoffentlich eine passende Stelle beginnen.

Geschichten wie die von Anja Koop sind keine Seltenheit für Marion Kielniak und ihre Kolleginnen. „Manchmal dauert es eben länger, bis der richtige Weg gefunden ist“, sagt sie. Doch Problemlösung ist noch immer ihr Steckenpferd.

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