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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 22:47 Uhr

Gadebusch : Für Ortswappen fehlt oft das Geld

vom

Irgendwo, ist sich Andreas Lausen sicher, hat er es noch liegen. Da oben, auf dem Schrank mit den Akten, da ist es, das Wappen, das für Roggendorf bestimmt war, das die Gemeinde aus dem Amt Gadebusch aber nie geziert hat.

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erstellt am 15.Apr.2012 | 06:45 Uhr

Gadebusch | Irgendwo, da ist sich Andreas Lausen sicher, hat er es noch liegen. Da oben, auf dem Schrank mit den Akten, da ist es, das Wappen, das für Roggendorf bestimmt war, das die Gemeinde aus dem Amt Gadebusch aber nie geziert hat. "Ich habe es selber entworfen", sagt der Leiter des Amtes Gadebusch und hebt sein angestaubtes Werk vom Schrank. 1991 hat Lausen ein Stück Holz zugeschnitten und es mit blauer Farbe angestrichen. Im oberen Bereich hat er Papier aufgeklebt und bemalt, um Ähren darzustellen. Sieben an der Zahl. "Das ist die Anzahl der Roggendorfer Ortsteile", sagt der 59-Jährige. Im unteren Teil des Entwurfes hat er rote Pappe aufgebracht, die ein halbes Mühlenrad erkennen lassen. Das, so Lausen, sei das Symbol für Wirtschaft und Gewerbe in diesem Ort. Alles durchdacht, doch letztlich ist dieser Vorschlag nicht anerkannt worden. "Das muss ein Fachmann, ein Heraldiker machen", habe ihm der damalige Innenminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern gesagt. Lausen ist leitender Verwaltungsbeamter und eben kein Heraldiker, kein Experte in Sachen Wappenkunst und Wappenkunde - und so verschwand der Roggendorfer Wappenentwurf auf dem Aktenschrank.

Familien, insbesondere Adelsfamilien, Zünfte, Studentenverbindungen oder Staaten tragen Wappen, aber auch Städte und Gemeinden. Farben und Symbole auf den Wappen haben oftmals geschichtliche Hintergründe. So taucht beispielsweise im Ortswappen der Gemeinde Carlow ein Bär auf, der aus dem Familienwappen der Familie von Karlow stammt, die dem Ort ihren Namen gegeben hat.

Im Gadebuscher Stadtwappen ist neben dem mecklenburgischen Stierkopf auch ein grüner Baum zu sehen. "Das steht wohl für den Busch, der im Namen Gadebusch auftaucht", vermutet Lausen. Genau geklärt sei dies aber nicht.

Wappen, sie stehen einer Gemeinde gut zu Gesicht, können imagefördernd sein und haben einen Wiedererkennungswert. "Doch für uns ist es einfach zu teuer", sagt Wolfgang Reetz, Bürgermeister der Gemeinde Thandorf. Vor über einem Jahr habe man sich informiert, letztlich vor den Entwurf- und Gestaltungskosten von rund 3000 Euro kapituliert und letztlich auf "dieses Luxusgut", so Reetz, verzichtet. Mit dieser Entscheidung steht Thandorf nicht alleine da. "Im Amt Gadebusch hat aus Kostengründen keine Gemeinde außer Gadebusch ein Wappen", weiß Amtsleiter Lausen. Auch wenn der neue Landkreis Nordwestmecklenburg sich nach der Verschmelzung mit Wismar gerade ein neues Wappen gegönnt hat: Im gesamten Kreis hat weniger als die Hälfte der derzeit 81 Gemeinden ein eigenes Wappen. Im gesamten Bundesland MV tragen von über 800 Gemeinden nur etwa 300 ein Wappen.


DIE WAPPEN

Carlow

Ein Bär mit einem Halsband und einer Schlaufe daran prägt das Wappen der Gemeinde Carlow im Amt Rehna. Übernommen wurde der Bär aus dem Wappen der Familie „von Karlow“, die dem Ort ihren Namen gegeben hat. Die Burg von Viktor von Karlow lag in Klocksdorf. Vom Beobachtungshochstand in Klocksdorf am See sind noch die Überreste von Pfählen einer Schlafburg der Ritter von Karlow zu sehen.
Der Rechtsflachwellenpfahl, der links auf dem Wappen zu sehen ist, steht für den Fluss Maurine und das Biosphärenreservat Schaalsee, in dem ein Teil der Gemeinde Carlow liegt.

Rehna

In Gold ein hersehender schwarzer Stierkopf mit goldener Krone, silbernen Hörnern, aufgerissenem Maul, ausgeschlagener roter Zunge und abgerissenem Halsfell, das bogenförmig ausgeschnitten ist und sieben Spitzen zeigt: Das ist die Blasonierung – die fachsprachliche Beschreibung eines Wappens in der Heraldik – zum Wappen der Stadt Rehna. In der Wappenrolle des Landes Mecklenburg-Vorpommern wird es unter der Nummer 125 geführt. Wie schon im Wappen Mecklenburg-Vorpommerns zu sehen ist, sind die am häufigsten auftretenden Symbole in MV der Stier Mecklenburgs und der Greif Pommerns.

Schlagsdorf

Das unter einer goldenen Krone schwebende silberne latainische Kreuz im rechten Bereich des Wappens soll die frühere Zugehörigkeit Schlagsdorf zum Bistum Ratzeburg symbolisieren. Der stilisierte Lindenzweig im linken Bereich stellt einen Bezug zur alten Gerichtslinde her. Unter dieser Linde soll Herzog Magnus von Lauenburg 1518 den Bauern verboten haben, Abgaben an das Kapitel zu zahlen und hielt desweiteren öffentliches Landgericht. Die vier Lindenblätter symbolisieren dabei die vier Schlagsdorfer Ortsteile Schlagsdorf, Schlagbrügge, Schlagresdorf und Heiligeland. Die silbernen Wellenlinien beziehen sich auf die zahlreichen Seen, die den Ort umgeben.


Gadebusch

Das Wappen wurde am 10. April 1858 von Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin festgelegt und unter der Nr. 133 in der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert. Die Blasonierung: In Gold: rechts ein hersehender schwarzer Stierkopf mit goldener Krone, silbernen Hörnern, aufgerissenem Maul, ausgeschlagener roter Zunge, silbernen Zähnen und abgerissenem Halsfell, das bogenförmig ausgeschnitten ist und sieben Spitzen zeigt. Dazu ein lindenartiger grüner Baum. Das Wappen wurde, laut Wikipedia, 1997 von dem Schweriner Heraldiker Heinz Kippnick neu gezeichnet.

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