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Am Schaalsee laden kleine Bioproduzenten zum Probieren ein : Für Leib und Seele

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Mit 150 Milchschafen sind die Seiteneinsteiger Anja und Andreas Richter mit die größten Schafmilchproduzenten MVs. In diesem Jahr habe er 32 500 Liter gemolken, so Richter. Jetzt geht die Milchsaison zu Ende.

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erstellt am 25.Nov.2011 | 09:06 Uhr

Zarrentin | Mississippi-Fans belegen einen Großteil der Ferienwohnungen am Schaalsee, einem idyllischen Fleckchen Erde zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Es gehe um Fans des Films "Hände weg von Mississippi", präzisiert Ute Rohrbeck, die in Zarrentin am Schaalsee einen Regionalwarenladen führt und Ferienunterkünfte vermarktet. Der Kinderfilm von Detlev Buck wurde am Schaalsee gedreht. "Er ist zum Glück ein Klassiker. Immer wieder bekommen Kinder zu Weihnachten die DVD geschenkt und überreden ihre Eltern, hierher in Urlaub zu fahren", berichtet die Berlinerin, die einst selbst in der Filmbranche zu Hause war.

Doch vor 17 Jahren, erzählt sie, kamen ein Gutshaus in Rögnitz und kleine Kinder über sie. Rohrbeck sattelte um und stellt seitdem Ziegenkäse und Ziegenmilchseife her. Neuerdings verkauft sie ihre Produkte nicht nur im eigenen Hofladen, sondern mit anderen Bio-Erzeugnissen aus dem Biosphärenreservat in Zarrentin. Die meisten Waren eint das Label "Für Leib und Seele". "Wir haben Käse von drei regionalen Käsereien", berichtet sie. Das sei viel für solch eine kleine Region. Neben ihrem Ziegenkäse gehört Käse aus Kuhmilch und aus der Klein Salitzer Milchschäferei zum Angebot. Der Laden lebe im Sommer hauptsächlich von Touristen, doch komme sie im Winter auch mit Stammkundschaft aus der Umgebung über die Runden.

Mit 150 Milchschafen sind die Seiteneinsteiger Anja und Andreas Richter mit die größten Schafmilchproduzenten Mecklenburg-Vorpommerns. In diesem Jahr habe er 32 500 Liter gemolken, so Richter. Die erste Runde von zwei bis drei Stunden beginnt früh um vier Uhr, die zweite zwölf Stunden später. Jetzt geht die Milchsaison zu Ende, mit den neuen Lämmern fängt sie im Januar wieder an.

Seit 2009 EU-Zulassung für die Käserei

Der gelernte Elektriker und die Floristin kamen 2002 aus dem Erzgebirge in den Norden, für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Es verschlug sie an den Schaalsee, wo die beiden Käseliebhaber ein Zuhause fanden und 2003 ihr erstes Schaf, Hannah, kauften. Sie machten selbst Käse. Später konnten sie von der Agrargenossenschaft einen alten Kuhstall pachten, den sie Schritt für Schritt um- und ausbauen. Seit 2009 haben sie die EU-Zulassung für die Käserei. Die Angestellte Dorit Benn und zwei FÖJ-lerinnen unterstützen die Richters, die sich mittlerweile auch um drei Kinder zwischen neun Monaten und fünf Jahren zu kümmern haben.

Ihre handgemachten Käseverkaufen sie im kleinen Hofladen, das Gros der rund 7000 Kilogramm pro Jahr vermarktet jedoch ein Händler. Klein Salitzer Schafskäse ist entlang der Ostseeküste und selbst in Bremen zu haben. "Eigentlich ist unser Angebot viel zu groß", meint Anja Richter. Doch aus Rentabilitätsgründen einschränken wollen sie es auch nicht.

Trotz der rund 20 Bio-Hersteller, deren Produkte im Zarrentiner Regionalwarenladen vertreten sind, ist längst nicht alles "Bio" in der "Biosphäre", wie die Einheimischen das Gebiet kurz nennen. Es habe mit 4,8 Prozent Ökolandbaufläche sogar weniger als der Durchschnitt Mecklenburg-Vorpommerns, rechnet die Umweltorganisation BUND vor. Für deren Agrarreferenten Burkhard Roloff ist das eine vertane Chance: Auf der einen Seite vergebe die EU den Schutzstatus des Biosphärenreservats, andererseits lasse sie zu, dass

"Tiefladerbauern" aus dem Westen und LPG-Nachfolger hier große Flächen konventionell bewirtschaften. Er fordert Rahmenbedingungen, die den Ökolandbau in der Region fördern.

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