Interview Sozialministerin : Für jedes Frauenhaus eine dritte Personalstelle

Sozialministerin Stefanie Drese will Bedingungen für Frauen in Not verbessern

von
14. Juni 2017, 12:00 Uhr

Für die finanzielle Unterstützung der Frauenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern sind im Doppelhaushalt 2016/17 jährlich 702 200 Euro eingestellt. Das sei bei weitem nicht genug, sagen die Träger. Was Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) dazu meint, erfragte Karin Koslik.

Aus den Frauenhäusern kommt die Klage, dass die Landesförderung für das Personal schon seit Jahren nicht mehr erhöht wurde. Können Sie Abhilfe schaffen?

Drese: Da der Landeszuschuss seit einiger Zeit nicht erhöht wurde, ist es ein Schwerpunktthema von mir, die Beratung und Betreuung in den Frauenhäusern zu verbessern. Konkret habe ich mich im Rahmen der regierungsseitigen Verhandlungen über den neuen Landeshaushalt 2018/2019 mit Erfolg dafür eingesetzt, die Personalsituation zu verbessern. Vorbehaltlich der parlamentarischen Beratungen wird das Land ab 2018 seinen Zuschuss um etwa 140 000 Euro jährlich erhöhen. Damit soll in den Frauenhäusern, in denen der Betrieb mit unter drei Vollzeitstellen erfolgt, vom Land eine Unterstützung für eine 3. bzw. in einem Fall bis zur 3. Vollzeitstelle gewährt werden.

Ist ein Netz von neun Frauenhäusern in einem Flächenland nicht viel zu grobmaschig – zumal der Öffentliche Personennahverkehr nicht gerade üppig ist?
Die überwiegende Anzahl der Frauenhäuser ist im städtischen Raum gelegen und daher gut erreichbar. Im Übrigen werden die von Gewalt betroffene Frau und ihre Kinder direkt nach einem Vorfall von häuslicher Gewalt in der Regel von der Polizei in ein Frauenhaus gebracht. Insofern spielt der Aspekt einer guten Erreichbarkeit mit Öffentlichen Nahverkehrsmitteln eine eher untergeordnete Rolle.
Wichtig ist mir, die Hilfeeinrichtung Frauenhaus nicht isoliert zu betrachten, sondern immer im Zusammenhang mit den 22 anderen Beratungs- und Hilfeeinrichtungen des Netzes für Betroffene von häuslicher und sexualisierter Gewalt zu sehen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern verfügt insofern über ein flächendeckend ausdifferenziertes Beratungs- und Hilfesystem für von Gewalt betroffene Frauen, Kinder und Männer.

Nur in Rostock werden im Frauenhaus Mitarbeiterinnen beschäftigt, die sich speziell um die dort untergebrachten Kinder kümmern. Wie kann sichergestellt werden, dass diese wichtige Aufgabe auch an den anderen Standorten im Land wahrgenommen werden kann?
Im Hinblick auf die Betreuung und Begleitung von in einem Frauenhaus untergebrachten Kindern teile ich die Auffassung, dass die Beschäftigung einer Mitarbeiterin begrüßenswert wäre. Mit den zusätzlichen Personalstellen verbessert sich aber auch die Situation der dort untergebrachten Kinder. Insgesamt sieht die Landesregierung hier jedoch vor allem die Träger der Jugendhilfe in der Finanzierungsverantwortung. In der Vergangenheit ist das Land deshalb an die kreisfreien Städte und Landkreise mit der Bitte um Prüfung einer Unterstützungsmöglichkeit herangetreten.
Zunehmend suchen Migrantinnen in den Frauenhäusern Schutz. Deren Trägern entstehen - insbesondere wegen der benötigten Sprachmittler - zusätzliche Kosten. Wer erstattet sie ihnen?

Kosten für Sprachmittler und Sprachmittlerinnen sind zunächst grundsätzlich aus der sogenannten Sachkostenpauschale für die Träger mit zu finanzieren. Von unserer Integrationsbeauftragten Dagmar Kaselitz weiß ich aber, dass durch die besonderen Umstände seit Anfang 2016 die Bedarfe gestiegen sind. Frauenhäuser können sich deshalb an die mit Unterstützung des Landes auf- und ausgebauten regionalen Sprachmittlerpools in Rostock, Schwerin oder Neubrandenburg wenden, die kostengünstig ihre Leistungen zur Verfügung stellen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen