Serie: Hier produziert, hier gekauft : Für jeden Fuß den richtigen Schuh

Andreas Dibbert arbeitet schon seit 1983 bei „Gesundschuh“.
Andreas Dibbert arbeitet schon seit 1983 bei „Gesundschuh“.

Warnemünder Orthopädie-Firma fertigt Schuhe, die gesund und schick sind

svz.de von
25. April 2017, 12:00 Uhr

Es sind hunderte Rollen: Leder in allen Farben lagert in der Werkstatt der Firma „Gesundschuh“ in Warnemünde. Denn hier entstehen handgefertigte Schuhe, hauptsächlich für Menschen, die Probleme mit ihren Füßen haben. Orthopädische Schuhe – das mag nach klobigen, unattraktiven Modellen klingen. Doch die Zeiten ändern sich, weiß Geschäftsführer Andreas Dibbert: „Viele unserer Kunden sind ältere Menschen, oft Diabetespatienten. Und immer mehr von ihnen sind aktiv, reisen viel und wünschen sich schicke Schuhe – auch wenn sie orthopädisch geformt sein müssen.“

Und es werden auch mehr jüngere Kunden, manche brauchen orthopädische Schuhe nach Unfällen oder durch Fehlbelastungen. „Die ganz schweren Fälle, bei denen es ausschließlich um Funktionalität geht, werden weniger“, sagt der Orthopädie-Schuhmachermeister.

„Der Arzt verordnet solche Schuhe mit einem bestimmten Therapieziel, und das wird nur erreicht, wenn der Patient die Schuhe auch trägt.“ Die Firmenphilosophie bei „Gesundschuh“ lautet: Das erste Paar ist das entscheidende – es muss funktionieren und gefallen, denn nur dann bleiben die Kunden treu. Die Handwerker bieten sogar an, dass ein neuer Kunde seinen Lieblingsschuh mitbringen kann, und sie bauen ihn möglichst ähnlich nach – eben nach den orthopädischen Notwendigkeiten.

Gegründet wurde das Unternehmen schon 1958 – als PGH „Hans Sachs“. Nach der Wende wurde es eine der ersten GmbHs in Rostock. Damals arbeiteten knapp 30 Leute hier, heute sind es gut 70. In jeder der acht Filialen ist ein Meister des Orthopädie-Schuhmacher-Handwerks präsent. Neben den drei Rostocker Niederlassungen ist „Gesundschuh“ in Bad Doberan, Güstrow, Stralsund, Anklam und Bergen auf Rügen vertreten.

In der „Gläsernen Manufaktur“ in Rostock-Lütten Klein gibt es sogar eine Webcam. „Der Kunde kann also theoretisch dabei zuschauen, wie seine Schuhe gebaut werden“, sagt Dibbert. Außerdem werden Führungen für Selbsthilfe-Gruppen oder Schulklassen angeboten. „Wir haben diese klassische Trennung aufgehoben, dass der Meister vorn im Laden sitzt, und hinten arbeiten die Gesellen.“ Außerdem gibt es Lauf-Analysen des gesamten Körpers per Video, um herauszufinden, welche Bewegungen welche Probleme auslösen – und wie sie zu beheben sind. Manchmal kommen auch Privatkunden, die sich maßgefertigte Schuhe wünschen. „Wir arbeiten dann mit alten Handwerkstechniken, verwenden vielleicht keinen Klebstoff, sondern nähen die Teile des Schuhs zusammen, damit er atmet“, erklärt Dibbert. „So ein Paar kostet schnell 1500 bis 2000 Euro. Aber davon hat man mutmaßlich ein Leben lang etwas. So was kann und will sich nur ein kleiner Kreis leisten, aber er wird größer. Qualität und Nachhaltigkeit sind auch bei uns ein Trend.“

Bei bestimmten Berufsgruppen sind Sicherheitsschuhe vorgeschrieben, etwa bei Bauarbeitern, Landschaftsgärtnern oder Köchen. Wenn dort jemand Probleme mit den Füßen hat, können Dibberts Maßanfertigungen ebenfalls Abhilfe schaffen. Ein solch spezialisiertes Unternehmen ist selten in der Branche. „Wir bieten eben keine Rollstühle, Bandagen oder Stützen an – nur maßgefertigte Schuhe und Einlagen.“

Seit etwa zehn Jahren hat die Firma ihren Hauptsitz im Technologiezentrum Warnemünde. Unter den Mitarbeitern scheint die Zufriedenheit groß zu sein, es gibt kaum Fluktuation. Der Chef selbst ist das beste Beispiel: Dibbert begann 1983 seine Lehre zum Orthopädie-Schuhmacher, wurde später Meister und ist heute Geschäftsführer. „Ich kenne alle Mitarbeiter persönlich. Und wir haben für die Ausbildung bei uns nach wie vor mehr Bewerbungen als Plätze.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen