Fachkräfte aus dem Ausland : Für den Job von Mallorca nach MV

Auf in eine neue Zukunft: Diese jungen Spanier wollen in Westmecklenburg ins Berufsleben starten.  Fotos: Lisa Kleinpeter
Auf in eine neue Zukunft: Diese jungen Spanier wollen in Westmecklenburg ins Berufsleben starten. Fotos: Lisa Kleinpeter

Jugendliche aus dem Ausland sollen Arbeitskräftebedarf in Mecklenburg-Vorpommern sichern. Aber viele beenden die Ausbildung nicht

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29. Juli 2015, 21:00 Uhr

Heutzutage muss man flexibel sein, um gute Arbeit zu finden. Dazu gehört es auch, sich außerhalb seiner Heimat zu bewerben. In Margarita Almagro Ruiz-Berdejos Fall bedeutete das, ihr Land zu verlassen, eine neue Sprache zu lernen und in über 2000 Kilometer Entfernung ein neues Leben zu beginnen. Die 21-jährige Mallorquinerin gehört zu 170 Jugendlichen aus Spanien, Kroatien und Polen, die im vergangenem Jahr über das Mobilitätsprojekt Europa, kurz „MobiPro“, eine Ausbildung in Westmecklenburg begannen.

Auch in diesem Jahr starten 135 ausländische Jugendliche über das Förderprogramm hier ihre Ausbildung. Gestern wurden sie in der Industrie und Handelskammer (IHK) in Schwerin willkommen geheißen. „Ich habe auf Mallorca nach meiner Ausbildung keine Arbeit gefunden. Die Unternehmen wollten Berufserfahrung, die ich nicht hatte“, erzählt Margarita. Wie ihr damals geht es vielen jungen Spaniern. Dort und auch in Kroatien liege die Jugendarbeitslosigkeit bei fast 50 Prozent, weiß Hans Thon, Präsident der IHK Schwerin. In MV ist genau das Gegenteil der Fall. Hier gebe es mehr Ausbildungsplätze als Schulabgänger, sagt Margit Haupt-Koopmann von der Bundesagentur für Arbeit. „Vor zehn Jahren hatten wir noch 60 Prozent mehr Schulabgänger. Außerdem werden demnächst viele der Fachkräfte in den Ruhestand gehen.“ Hier der Fachkräftemangel, dort die hohe Arbeitslosenquote. MobiPro sei da eine logische Konsequenz. Dennoch scheint das Programm noch wenig bekannt. „Ich habe erst durch Freunde von dem Projekt erfahren“, erzählt Margarita.

Bis zum Ausbildungsbeginn absolvieren die Jugendlichen derzeit Praktika in ihren Ausbildungsbetrieben. Viele würden eine Lehre zum Koch, Kfz-Mechatroniker, Altenpfleger, aber auch zum Bäcker oder Zahntechniker beginnen. Typische Mangelberufe in Deutschland. Josef Zimmermann bildet derzeit vier Jugendliche aus Spanien, Kroatien und Polen in seinem Autohaus in Ludwigslust zu Kfz-Mechatronikern aus. Im September fängt ein weiterer Kroate bei ihm an. Ja, anfangs sei er skeptisch gewesen, gibt Zimmermann zu. Ausländische Auszubildende in seinem Unternehmen – wie wird das mit der Verständigung? Inzwischen sind die Bedenken wie weggeblasen: „Das sind Lehrlinge, wie man sie sich vorstellt. Sie haben gute Zensuren, sind aufmerksam und wissbegierig.“ Lehrlinge aus der Region sind Zimmermann oftmals zu unbeweglich.

Doch nicht alle Azubis halten die drei bzw. dreieinhalb Jahre durch. Vom vergangenen Ausbildungsstart sind nur noch 70 Prozent dabei. Vom Vorjahr 2013 sogar nur 60 Prozent, sagt Edgar Macke. „Die Jugendlichen gehen meistens aus persönlichen Gründen und nicht, weil sie mit der Ausbildung unzufrieden sind“, meint der Verbund-Geschäftsstellenleiter der Bundesagentur für Arbeit. In diesem Fall würde das meistens eine Rückkehr ins jeweilige Heimatland bedeuten. Doch auch in Deutschland gebe es viele Abbrecher. Jeder Vierte beendet die Lehre nicht.

Margarita will vorerst in Deutschland bleiben „Ich hoffe, dass mich meine Firma übernimmt.“ Irgendwann vielleicht, will sie zurück nach Mallorca. Aber nicht jetzt: „Dort gibt es keine Arbeit für mich.“

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