Fahrlehrer in MV weisen Vorwürfe zurück : Führerschein nicht zum Billigtarif

<strong>Als Hauptgründe,</strong> dass Prüfungen nicht bestanden werden, nennen Fahrlehrer Uwe Langmaack (links) und sein Fahrlehrer im Praktikum Nico Westedt oberflächliches Einplanen der Ausbildungskosten und unregelmäßige Teilnahme an Schulungsterminen,<foto> Hasz</foto>
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Als Hauptgründe, dass Prüfungen nicht bestanden werden, nennen Fahrlehrer Uwe Langmaack (links) und sein Fahrlehrer im Praktikum Nico Westedt oberflächliches Einplanen der Ausbildungskosten und unregelmäßige Teilnahme an Schulungsterminen, Hasz

Fahrlehrer aus MV zeigen sich empört über den Vorwurf des "Auto Club Europa", Kasse auf dem Rücken von Fahrschülern zu machen. Die Ursachen für das Durchfallen von Schülern seien andere als die genannten.

svz.de von
30. Januar 2013, 11:06 Uhr

Ludwigslust | Die Fahrlehrer im Städteviereck Ludwigslust, Neustadt-Glewe, Grabow und Dömitz sind über die Vorwürfe des "Auto Club Europa" (ACE) empört. Der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, Helmut Bode aus Dömitz, wies gestern im Telefonat mit der SVZ die ACE-Vorwürfe "die Durchfallquoten absichtlich hoch zu halten, um so mehr Geld zu verdienen; und das Fehlen von pädagogischer Qualität" entschieden zurück.

Auch seine Berufskollegen in der Region Ludwigslust sahen keine Begründung, dass der ACE einen derart schweren Vorwurf erhebt. Fahrlehrer Ulf Borchert aus Ludwigslust sprach von einer "schlimmen Stimmungsmache". Sein Kollege aus Grabow, Thomas Gersch kann sich da nur anschließen. "Bei uns wird keine Kasse auf dem Rücken der Fahrschüler gemacht - Unmut allenthalben.

Der Ludwigsluster Uwe Langmaack ist seit 1973 als Fahrlehrer unterwegs. Mittlerweile betreibt er das Unternehmen "Verkehrsinstitut-Fahrschule Uwe Langmaack" in der Schweriner Straße. Auch Langmaack widerspricht dem ACE und kann sich den Vorwurf nur als Unkenntnis über den Fahrschulmarkt erklären. "Nur so kann der Gedanke keimen, dass aufgrund einer nicht bestandenen Prüfung weitere Fahrstunden abgerechnet werden können. Das ist werbetechnisch die falsche Botschaft an den potenziellen Fahrschüler. Das ist eher ein Desaster als wirtschaftlich ein Erfolg", rügt Langmaack. Für den erfahrenen Fahrlehrer ist die Durchfallerquote bei Pkw-Prüfungen zu pauschal dargestellt. Es fehlen ihm solche Grundlagen, wie regionale Strukturen, die Verkehrsdichte, das Alter der Bewerber und auch der Bildungsstand sowie das soziale Umfeld hätten mit einbezogen werden müssen.

Als die drei entscheidendsten Faktoren für die augenscheinliche, jedoch tatsächlich nicht bewiesene Durchfallerrate sind nach Langmaacks Auffassung das oberflächliche Einplanen der Kosten für den Führerschein, die er zwischen 1200 bis 1800 Euro für den Pkw-Führerschein als notwendiger Vorhalt ansieht. Dann die nicht regelmäßige Teilnahme an praktischen wie theoretischen Schulungen und drittens, den demografischen Wandel, der sich seit 2011 deutlich abzeichnet. Bis zu 50 Prozent weniger an Führerscheinbewerbern würden er und seine Kollegen verzeichnen.

Langmaack ist sogar bereit aus dem Fahrschul-Nähkästchen zu plaudern: Für das Jahr 2012 kann der Unternehmer eine Bestehensquote für Pkw-Führerscheinprüflinge von 86,9 in der praktischen und 82,7 Prozent für die theoretische Prüfung vorweisen. "Vereinfacht", so der Fahrlehrer, "sind es zwei Bewerber je Prüfung, die durchfallen."

Die Angaben vom Ludwigsluster Praktiker werden von Zahlen aus der Führerscheinstelle im Landratsamt gestützt: Der Trend seit 2008, wo noch 11 701 Führerscheine ausgestellt wurden, verfestigte sich mit 10 047 in 2009 und 10 019 in 2010. Deutlich sank die Anzahl dann in 2011 auf 9609 und nochmals auf 9156 im vergangenem Jahr.

Ebenso als Unkenntnis über die pädagogische Qualifikation tadelt Fahrlehrer-Praktikant Nico Westedt auch den zweiten ACE-Vorwurf. "Die Ausbildung zum Fahrlehrer umfasst mehrere Prüfungen, darunter befindet sich eben auch das Fach Pädagogik. Allein um als Fahrlehrer für die Klasse B, also den Pkw-Führerschein, schulen zu dürfen, bedarf es einer neunmonatigen Ausbildung. Fahrlehrer müssen zusätzlich vorgeschriebene Fortbildungen bestehen. Freiwillige Weiterbildungen lasse ich mal außen vor." Langmaack und Westedt sind überzeugt, dass Ausbildungsqualität nur durch optimal aus- und fortgebildete Fahrlehrer zu leisten ist.

Diese dauerhafte und immer wieder auf dem staatlichen Prüfstein stehende Qualität gebe es eben nicht zum Billigtarif. "Fahrschulen müssen mehr als Fahrschulfahrzeuge vorhalten und neben den Fahrschülern Platz nehmen. Wir wissen um unsere Verantwortung und beweisen die täglich", hat Langmaack letzte Worte für die ACE-Vorwürfe übrig. Dann trennen sich die Wege der beiden Fachleute wieder: Der eine steigt in den Fahrschulwagen zur nächsten Schulungsfahrt, der andere entschwindet zur theoretischen Ausbildung.

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