Frühjahr bringt Jobmarkt in Schwung

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01. Mai 2012, 06:11 Uhr

Kiel/Schwerin | Die anhaltend gute Konjunktur und die saisonal steigende Nachfrage nach Arbeitskräften bringen in MV wieder mehr Menschen in Lohn und Brot. "Wir spüren, dass der Tourismus in Schwung kommt. Und der typische Frühjahrsaufschwung in den Außenberufen sorgt für wachsende Nachfrage nach Baufachleuten sowie Mitarbeitern in Gartenbau- und Agrarbetrieben", sagte die Chefin der Arbeitsagentur Nord, Margit Haupt-Koopmann. Heute werden die Arbeitsmarktdaten für April veröffentlicht.

Haupt-Koopmann rechnet fest damit, dass sich der Trend der Vormonate fortsetzt und die Arbeitslosigkeit weiter abnimmt. Ende März waren im Nordosten 114 900 Menschen auf Jobsuche. Die Schwelle von 100 000 werde aller Voraussicht nach im Sommer unterschritten, sagte sie. Auch für den Handel sind laut Haupt-Koopmann positive Signale erkennbar. "Vor allem im Lebensmitteleinzelhandel gibt es offene Stellen", sagte sie. Haupt-Koopmann erwartet, dass bei gleichbleibend guter Wirtschaftsentwicklung künftig auch Menschen, die bislang als schwer vermittelbar gelten, bessere Chancen am Arbeitsmarkt haben werden.

"Die Arbeitgeber erkennen nun doch, dass sie nicht nur unter "Olympioniken" auswählen können, sondern mit dem Potenzial an Arbeitskräften auskommen müssen, das da ist. Für die Unternehmer bedeutet das höhere Kompromissbereitschaft, für uns als Arbeitsagentur noch mehr Anstrengungen im Bereich der beruflichen Qualifikation. Bei geringerem Budget werden wir dort klar den Schwerpunkt setzen", unterstrich die Chefin der Arbeitsagentur Nord.

Sie schloss zudem nicht aus, dass die ständig steigenden Spritkosten direkte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben werden. "Viele Arbeitnehmer pendeln täglich große Strecken zu ihren Firmen. Vor allem in ländlichen Regionen sind sie dabei aufs Auto angewiesen. Da das mitunter gleich mehrere Familienangehörige betrifft und oft zwei oder drei Autos im Einsatz sind, muss neu gerechnet werden, ob der Mehrverdienst in der Ferne durch die hohen Kraftstoffkosten nicht vielleicht aufgefressen wird", erläuterte die Agenturchefin.

Indes können Beschäftigte in MV in den kommenden Jahren auch mit einer besseren Bezahlung rechnen. Wegen des demografisch bedingten Fachkräftemangels werde sich eine Tarifkultur durchsetzen, die dem Wert der Arbeit auf dem Lohnzettel Rechnung trage, sagte DGB-Nord-Vize Ingo Schlüter gestern auf der Mai-Kundgebung des DGB in Schwerin. Im Nordosten sind viele Unternehmen nicht in den Arbeitgeberverbänden organisiert und damit nicht tarifgebunden. Er erwarte ein Comeback der Tarifverträge in MV. Schlüter begrüßte den angestrebten Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, der künftig bei der Vergabe von Landesaufträgen gelten soll. "Das wird auch der privaten Wirtschaft eine Orientierung geben: Wer qualifizierte Arbeitnehmer und Auszubildende für sein Unternehmen sucht, der muss faire Löhne zahlen", zeigte sich der Gewerkschafter überzeugt.

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