zur Navigation springen

Trauer in MV : Frühere Kultusministerin Regine Marquardt gestorben

vom

Mecklenburg-Vorpommern trauert um SPD-Politikerin. Die 66-Jährige war eine der prägenden Persönlichkeiten der Wendezeit.

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2016 | 15:44 Uhr

Die frühere Kultusministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Regine Marquardt, ist tot. Die SPD-Politikerin starb am Mittwoch im Alter von 66 Jahren nach schwerer Krankheit, wie die Staatskanzlei am Donnerstag in Schwerin mitteilte.

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) würdigte Marquardt als eine der prägenden Persönlichkeiten der Wendezeit im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Als Mitglied des Neuen Forums und als Herausgeberin und Chefredakteurin der Ende 1989 ins Leben gerufenen Zeitung „Mecklenburger Aufbruch“ habe sie die friedliche Revolution und den Übergang in eine neue Zeit aktiv mitgestaltet. „Mit viel Idealismus, großer Energie und tiefer Überzeugung hat sie sich erfolgreich für den Wandel eingesetzt“, sagte Sellering.

Von 1994 bis 1998 war Marquardt Kultusministerin. Später wirkte sie als Direktorin der Landeszentrale für Politische Bildung und als Geschäftsführerin der Stiftung Mecklenburg.

Ein Nachruf von Chefredakteur Michael Seidel: Der Freiheit eine Zeitung

Nur wenige Zeitungs-Neugründungen der Wendezeit hielten sich so lange  wie der „Mecklenburger Aufbruch“. Seine Gründerin, Herausgeberin und Chefredakteurin Regine Marquardt  ist am Mittwoch nach  schwerer Krankheit gestorben. Sie wurde nur 66 Jahre alt.

Es war der  Winterabend des 31. Dezember 1989, als die erste Ausgabe des „Aufbruchs“  mit 80 000 Exemplaren fast noch illegal durch den Zoll am Grenzübergang Selmsdorf über spiegelglatte Straßen nach Schwerin kam. Der schleswig-holsteinische Zeitungsverlag sh:z (deren Schwesterverlag unsere Zeitung seit 2006 ist) finanzierte zunächst spontan, dann aber  doch über längere Zeit den Druck und unterstützte auch die Redaktion. Begründung des damaligen Geschäftsführers Klaus May: „Ich schenke der Freiheit eine Zeitung.“

Viele wollten damals Zeitungen  gründen. Regine Marquardt tat es. Der Journalismus war nicht ihr Beruf. Aber sie hat Theologie studiert, konnte  predigen und hatte Witz. Für Leitartikel nicht die schlechteste Voraussetzung, wie bei ihr nachzulesen ist: Ihr ging es um Haltung und Selbstbewusstsein, darum rang sie, dazu ermahnte sie ihre Leserschaft in einer Zeit des Umbruchs, schrieb 1992 „Die Zeit“.

In der DDR nicht sonderlich politisiert, engagierte sich die Pfarrerstochter und Katechetin im Herbst ’89 im Neuen Forum, verließ es aber später. SPD-Patriarch Harald Ringstorff holte die Parteilose ins Kabinett der ersten Großen Koalition.  Als Kultusministerin blieb sie vor allem mit dem solidarisch gemeinten, später ungeliebten und viel kritisierten Lehrerpersonalkonzept in Erinnerung.  Sie   konterte: „Jede Zeit braucht eigene Antworten, die nur in dieser Zeit gegeben werden können.“

Nach ihrem Ausscheiden 1998 wurde Marquardt Direktorin der Landeszen-trale für politische Bildung (LpB), dann Vorsitzende der Ernst-Barlach-Stiftung und der Stiftung Mecklenburg. Diese Posten waren für sie abseits aller Versorgungsmentalität, beteuerte sie:  „Das ergab sich einfach aus dem, was ich zu allen Zeiten getan habe: Von sozio-kultureller Bildungsarbeit bis zu nahezu ständiger Beschäftigung mit Kultur und Bildung.“  Einer überregionalen Zeitung vertraute sie 1992 an, wie sehr sie bei aller Begeisterung mit dem neuen Deutschland auch haderte: „Ich meine  das satte Leben, bei dem ganz viele außen vor bleiben. ... Seit 1989 sind wir zu Ossis mutiert. Im Vergleich dazu waren wir vorher mündige Bürger.“

Im Sommer 2015 verriet sie  in einem Porträt unserer Zeitung  einen großen Wunsch  für den gerade angetretenen Ruhestand: Mit ihrem Mann wollte sie noch viele Reisen nachholen. Das war ihr nicht mehr vergönnt. 

Die SPD bekundet ihre Trauer im Netz:

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen