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Klimawandel : Frühere Blüte und längere Sommer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Internetplattform „Norddeutscher Klimamonitor“ verdeutlicht Erderwärmung im Norden und ihre Folgen: Temperatur steigt im Jahresdurchschnitt um 1,2 Grad Celsius

svz.de von
erstellt am 12.Jun.2014 | 11:45 Uhr

Flüsse treten öfter über ihre Ufer als früher und im Sommer machen wiederholt starke Hitzewellen Menschen und Tieren zu schaffen. Im Herbst schlagen immer heftigere Orkane Schneisen in die Wälder und im Winter lässt der Schnee immer länger auf sich warten: Das Wetter ist im Wandel. So empfinden es viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und vermuten dahinter Folgen der Erderwärmung. Da haben sie nicht ganz unrecht. Das bestätigen der Deutsche Wetterdienst und das Helmholtz-Institut Geesthacht. Wetterdaten beider Unternehmen aus 60 Jahren belegen: „Zwischen 1951 und 2010 beträgt die Erwärmung im Jahresdurchschnitt etwa 1,2 Grad Celsius“, sagt Insa Meinke, Leiterin des Norddeutschen Klimabüros am Helmholtz-Zentrum in Geesthacht. Diese und weitere Erkenntnisse erfahren Interessenten auf der neuen Internetseite der beiden Dienstleister unter www.norddeutscher-klimamonitor.de, die öffentlich zugänglich ist.

Die Webseite zeigt den aktuellen Stand der Klimaforschung im Norden. Dafür wurden unter anderem die Daten der Wetterstationen aus allen norddeutschen Bundesländern untersucht und in interaktiven Diagrammen veranschaulicht. Präsentiert werden die Entwicklungen der vergangenen 60 Jahre zu Temperatur, Niederschlag, Wind, Bewölkung und Vegetation.

Zudem setzen die Experten die bisherigen Veränderungen in Relation zu möglichen künftigen Klimaszenarien. So könne der Nutzer sich einen Eindruck davon verschaffen, ob der Klimawandel einen natürlichen Ursprung hat oder durch Menschen verursacht wurde. „Wir erkennen, dass das Tempo der bisherigen Erwärmung der Temperaturentwicklung entspricht, die wir bis Ende des Jahrhunderts aufgrund unserer Treibhausgas-Emission in Norddeutschland zu erwarten haben“, sagt Meinke. „Auf der anderen Seite müssen wir aber auch sehen, dass menschliche Treibhausgas-Emissionen nicht jede Entwicklung des komplexen Klimageschehens erklären können.“

Die messbare Erwärmung habe Folgen. So erwache die Natur früher als noch vor 60 Jahren. Bei zahlreichen Pflanzenarten setze die Frühjahrsblüte heute deutlich eher ein, berichtet Meinke. Allerdings trete der letzte Frosttag immer noch vergleichsweise spät auf, so dass sich insgesamt das Spätfrostrisiko für Frühblüher verstärkt habe. „Zudem müssen Allergiker mit zusätzlichen Belastungen rechnen“, erklärt die Wissenschaftlerin. Der Pollenflug beginne sehr viel zeitiger – bei der Haselnuss beispielsweise drei Wochen früher als in den 1950er Jahren.

Zudem dauere der Sommer im Schnitt zwei Wochen länger. In Waren gebe es beispielsweise 19 Hitzetage mehr als noch Anfang der 1960er. Auch die Sonnenscheindauer habe zugenommen – um durchschnittlich mehr als 80 Stunden im Jahr. Spitzenreiter in MV sei Greifswald mit jährlich 137,2 Sonnenstunden mehr als früher. Die meiste Sonne im Norden genießen die Anwohner in Arkona auf Rügen mit rund 1880 Stunden.

Die zusätzlichen Sonnentage freue besonders Urlauber. Städte und Gemeinden hingegen machen sich zunehmend Sorgen, ob sie den veränderten Klimabedingungen gewachsen sind, so Meinke. „In Städten denkt man über Hitzewarnsysteme nach, über Notfallpläne für Krankenhäuser und Kaltluftschneisen in der Stadtplanung“, erläutert sie.

Auch deshalb hat der Deutsche Wetterdienst zusammen mit dem Helmholtz-Institut die Internetplattform entwickelt. Sie soll dazu dienen, Kenntnisse über regionale Verwundbarkeiten auf Länderebene zu erlangen. Denn nur so kann sich auch Mecklenburg-Vorpommern auf kommende Hochwasser, Hitzewellen oder bevorstehende Orkane vorbereiten.

Die Sommer werden heißer

Bezogen auf den Zeitraum 1981 bis 2010 liegt die mittlere Jahrestemperatur in Mecklenburg-Vorpommern den Angaben des Klimamonitors zufolge  bei 8,7 Grad Celsius. Das sind 1,2 Grad Celsius  mehr als in den 1950er Jahren. Mit jeweils 1,7 Grad Celsius ist die Erwärmung in Warnemünde und Waren am stärksten. Im Schnitt gibt es heute rund 13 Hitzetage mehr (27) und rund 16 Tage  Frosttage  weniger (76)  . Der letzte Frosttag wird im Schnitt am 101.  Tag des Jahres erwartet – rund neun Tage früher als vor 60  Jahren. Setzt sich der Trend seit 1981 fort, rechnen die Experten des Deutschen Wetterdienstes und des Helmholtz-Instituts am Ende des 21. Jahrhunderts mit einem Anstieg der durchschnittlichen Jahrestemperatur um 2,8 Grad Celsius.

Die Sonne scheint öfter

Legt man die Ergebnisse des Klimamonitors aus dem Zeitraum 1981 bis 2010 zugrunde, beträgt die jährliche Sonnenscheindauer in Mecklenburg-Vorpommern im Schnitt 1972,1 Stunden.  Damit scheint die Sonne heute mehr als 80 Stunden länger als noch vor 60 Jahren, in Greifswald sind es sogar  rund 137 Stunden. Geht man davon aus, dass die Entwicklung seit 1981 anhält, ist bis zum Ende des 21. Jahrhunderts mit einem Anstieg der mittleren jährlichen Sonnenscheindauer  um rund 217 Stunden zu rechnen.

Die Stürme frischen auf

Die mittlere Windgeschwindigkeit im Jahr liegt in Mecklenburg-Vorpommern bei rund 4,6 Meter die Sekunde, die Sturmintensität bei knapp 10,7 Meter die Sekunde. Im Schnitt gibt es im Land rund 24 Sturmtage (1981 bis 2010). Den Daten des Klimamonitors zufolge (1950 bis 2010) hat die  mittlere Geschwindigkeit um etwa fünf Prozent zugenommen und die Anzahl der Sturmtage sich um fast zehn   Tage erhöht.

Die Natur erwacht früher

Die Vegetation in Mecklenburg-Vorpommern beginnt im Schnitt am 70. Tag des Jahres und dauert rund 244 Tage an (Zeitraum 1981 bis 2010). Die Natur erwacht damit mehr als 20 Tage früher als in den 1960er Jahren. Zudem hat sich die Vegetationsperiode um mehr als 21 Tage verlängert.

Trockenperioden dauern länger

Die mittlere Niederschlagssumme  pro Jahr beträgt in MV rund 611 Millimeter (Zeitraum 1981 bis 2010) – 5,7 Millimeter mehr als noch sechs Jahrzehnte zuvor.  Besonders im Winter hat die Niederschlagsmenge zugenommen (+18,8 Millimeter). Dagegen sind die Sommer trockener (-33,3 Millimeter). Die längste Trockenperiode dauert im Schnitt 23 Tage. Anfang der 1960er waren es noch zwei Tage weniger.

Quelle: www.norddeutscher-klimamonitor.de

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