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Lange Schulwege : Früh mehr als eine Stunde im Schulbus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kritik der Grünen: Kinder vom Land benachteiligt

svz.de von
erstellt am 09.Apr.2016 | 07:25 Uhr

Ein Siebenjähriger, der für zehn Kilometer bis zur Grundschule morgens 65 Minuten benötigt: Nach zwei gestern vorgestellten Studien des Lehrstuhls für Regionale Geografie der Universität Greifswald ist das hierzulande kein Einzelfall. Die Untersuchungen im Auftrag der Grünen-Landtagsfraktion ergaben, dass die Richtzeiten von 40 Minuten für den einfachen Schulweg eines Grundschülers und von 60 Minuten für Kinder und Jugendliche, die weiterführende Schulen besuchen, vielfach überschritten werden. Allein im Landkreis Vorpommern-Rügen gelte für 135 Gemeinden, dass die örtlich zuständige Grundschule mit Schulbussen nicht binnen 40 Minuten erreichbar ist, so Studienautor Dr. Torsten Wierschin. Dafür könnten die Kinder aus 32 dieser Gemeinden aber eine örtlich nicht zuständige Schule durchaus innerhalb dieses Zeitkorridors erreichen.

Für Ulrike Berger, bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, muss deshalb eine Konsequenz aus d en Studien sein, ungünstige Schuleinzugsbereiche neu zu überarbeiten und parallel dazu die Schülermindestzahlen für Standorte im ländlichen Raum herabzusetzen. Außerdem forderte sie, dass das Land die Kosten für den Besuch einer freien Schule übernimmt, wenn diese für ein Kind die nächstgelegene ist.

Seit 1991, so Berger, seien im Land mehr als 400 Schulstandorte geschlossen worden – fast jeder zweite. Die Auswirkungen auf die Wegezeiten habe die Landesregierung bislang nicht prüfen lassen. Dabei hätten Fahrzeiten von zum Teil über zwei Stunden am Tag nicht nur Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit der Schüler, sondern auch auf ihre Gesundheit und ihre Lebensqualität. Zudem zeige sich, dass Kinder auf dem Land eindeutig benachteiligt sind, kritisierte Berger. So hätten Siebtklässler aus Umlandgemeinden pro Woche 20 Stunden mehr Wegezeiten als Gleichaltrige aus der Stadt, an der das Gymnasium seinen Sitz hat. Denn hier in MV habe ein Gymnasium eine durchschnittliche Versorgungsfläche von 280 Quadratkilometern. In Schleswig-Hollstein sind es nur 125 Quadratkilometer.

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