Video: Tipps gegen die Kälte : Frost gefährdet die Obstbäume im Land

Kälteschutz in der Plantage:  Mit Beregnungsanlagen schützen die Obstbauern ihre Pflanzen vor Frost.
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Kälteschutz in der Plantage: Mit Beregnungsanlagen schützen die Obstbauern ihre Pflanzen vor Frost.

Kerzen, Windräder, Beregnungsanlagen: Bauern in MV schützen ihre Pflanzen vor der Kälte. Schäden sind noch nicht absehbar.

svz.de von
19. April 2017, 20:45 Uhr

Frost zur Baumblüte kommt Obstanbauern und Kleingärtnern höchst ungelegen - es drohen Ertragseinbußen. Das Fehlen von Bienen verschlimmert die Situation laut Imkerverband noch.

In der Nacht zum Mittwoch sanken die Temperaturen an den Standorten größerer Obstanbaubetriebe Mecklenburg-Vorpommerns deutlich unter null Grad, wie der Obstbauberater Rolf Hornig von der LMS Agrarberatung GmbH in Schwerin sagte.

In Boddin und Dodow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) mit großen Apfelplantagen wurden demnach minus 1,1 beziehungsweise minus 2,3 Grad gemessen, in Gnoien (Landkreis Rostock) minus 2,5 Grad. „In Boddin wurde die Frostschutzberegnung eingeschaltet“, sagte Hornig.

Die Apfelknospen seien zwar noch geschlossen, könnten aber schon Schaden nehmen. Sie würden minus 4 Grad 30 Minuten lang schadlos überstehen, aber der Frost halte in den Nächten länger an, sagte der Experte.

Bei Kirschen, Pflaumen und Birnen, wo die Blüten teilweise schon geöffnet sind, sei die Gefahr durch Frost größer. Aber: „Noch ist nichts verloren“, sagte Hornig. Die Obstblüte sei in diesem Jahr gut bis stark. Ein Vollertrag sei bei Kernobst - Äpfeln und Birnen - noch zu erreichen, wenn aus fünf bis zehn Prozent der Blüten Früchte werden. Bei Steinobst wie Kirschen und Pflaumen würden 15 bis 40 Prozent der Blüten gebraucht. Wirtschaftliche Bedeutung haben in Mecklenburg-Vorpommern hauptsächlich Äpfel. Erdbeeren, die jetzt schon blühen, sind Hornig zufolge durch Folien geschützt.

Der Imkerverband des Landes rechnet einer ersten Erhebung zufolge damit, dass im Schnitt 30 Prozent der Honigbienen den Winter nicht überlebt haben. Dabei seien in Mecklenburg deutlich mehr Völker verendet als in Vorpommern. Grund sei die Varroamilbe. Zum Zeitpunkt ihrer Bekämpfung mit Ameisensäure im vergangenen Sommer sei das Wetter dafür nicht optimal gewesen, sagte der Vorsitzende des Landes-Inkerverbands, Torsten Ellmann.

Hinzu komme das geringe Nahrungsangebot. Nach der Rapsblüte hätten es die Bienen schwer, ausreichend Blüten zu finden. Wiesen würden zu häufig gemäht, 2000 Hektar Blühstreifen in der Landwirtschaft reichten nicht aus. Derzeit würden die Bienen wegen der Kälte nicht fliegen, obwohl schon Obstbäume blühen. „Sie haben damit zu tun, die Brut zu wärmen“, sagte Ellmann.

In Mecklenburg-Vorpommern wächst Obst auf fast 2900 Hektar. Mehr als die Hälfte der Fläche, gut 1500 Hektar, nehmen Äpfel ein. Erdbeeren wuchsen im vergangenen Jahr auf knapp 800 Hektar.

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