Sofortprogramm gegen Schweinepest : Frischlinge unter Beschuss

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MV legt Zwei-Millionen-Sofortprogramm gegen die Schweinepest auf: Land zahlt Jägern Abschussprämien

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08. November 2017, 05:00 Uhr

Feuer frei auf Mecklenburg-Vorpommerns Wildschweine: Das Land will mit einem millionenteuren Abschussprogramm für Schwarzwild die sich in Europa ausbreitende gefährliche Afrikanische Schweinepest eindämmen. 25 Euro Prämie für je einen erlegten Frischling bis 25 Kilogramm, eine ältere nicht führende Bache oder den Fund eines kranken oder verendeten Wildschweins:

Mit dem ab 1. Dezember geltenden Sofortprogramm solle die Strecke um 20 Prozent auf jährlich 80 000 Stücke Schwarzwild erhöht und der in einigen Regionen stark wachsende Bestand eingedämmt werden, forderte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern in Schwerin. Im Jagdjahr 2016 /17 wurden in MV etwa 59 000 Wildschweine erlegt. Zudem erhalten Hundehalter für den Einsatz von Jagdhunden bei revierübergreifenden Jagden pro Tag 25 Euro. Außerdem werde das ab 11. Januar geltende Drückjagdverbot für drei Jahre aufgehoben, die Zahl der Jagden erhöht, auch in Schutzgebieten, und Jägern in den Forstämtern Standgebühren und Jagdbetriebskosten erlassen.

Die Pest geht um: Noch konzentriert sich die Viruserkrankung auf Osteuropa. Grafik: Friedrich-Loeffler-Institut
Die Pest geht um: Noch konzentriert sich die Viruserkrankung auf Osteuropa. Grafik: Friedrich-Loeffler-Institut
Der Zwei-Millionen-Fonds solle aus dem landwirtschaftliches Sondervermögen bereitgestellt werden, sagte die SPD-Agrarexpertin und Chefin des Landtags-AgrarAusschusses, Elisabeth Aßmann: Das Sofortprogramm sei aber kein „Freifahrtsschein“: Trotz der Erleichterungen würden „die waidmännischen Grundsätze weiter gelten“. MV zählt etwa 12 000 Jäger mit 3000 Jagdhunden.

Die Pest rückt näher: Die Situation sei „dramatisch“, meinte Backhaus – und gefährlicher als beim Ausbruch der Klassischen Schweinepest vor Jahren. Es gehe nicht um Panikmache, „aber ich habe Angst.“ Im Gegensatz zur Klassischen Schweinepest (KSP) ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) noch nie in Deutschland ausgebrochen. Es gebe bislang kein Mittel gegen die Viruserkrankung, sagte Backhaus – „außer töten“. Ein Ausbruch würde alles, was MV nach der Vogelgrippe oder der Europäischen Schweinepest erfahren musste „in den Schatten stellen“. Allein in diesem Jahr seien in Europa 2643 Pestausbrüche registriert worden. Noch konzentriere sich die Krankheit in den baltischen Staaten, Polen, Tschechien und der Ukraine. Internationale Transporte erhöhten aber die Einschleppungsgefahr. Ein Übergreifen auf deutsche Bestände hätte verheerende Folgen:

Gerade erst hatte sich die Zahl der Schweine in MV 2016 auf den dritthöchsten Stand seit mehr als zehn Jahren entwickelt – auf 828 600 Tiere. Handelsrestriktionen, Keulen der Bestände, Preisverfall am Markt: Experten schätzten den jährlichen Schaden in MV nach einem Pestausbruch auf 980 Millionen Euro, sagte Backhaus: „Dann bricht die Schweinehaltung zusammen.“ Im Land sei inzwischen ein Krisenstab eingerichtet worden. Der letzte große Pestzug hatte in den 90er-Jahren in Deutschland zu großen Schäden geführt. In mehr als 60 Fällen war damals in MV die Klassische Schweinepest ausgebrochen. Mehr als 230 000 Tiere mussten zwischen 1992 und 1998 allein in MV gekeult werden. Die Agrarexpertin der CDU-Landtagsfraktion appellierte an die Naturschutzorganisationen, die Bekämpfungsmaßnahmen zu unterstützen: „Ich erwarte, dass die Naturschützer die Kröte schlucken und nicht versuchen, die Kröte zu retten.“

Mit dem millionenteuren Abschussprogramm müssen die Steuerzahler indes dafür zahlen, dass Landwirte und Jäger vor Jahren abgeschlossene Verträge nicht ausreichend eingehalten haben. Vor Jahren bereits hatten Weidleute und Bauern vereinbart, die Jagd auf Schwarzwild zu effektivieren. Dennoch würden mancherorts Absprachen über Fruchtfolgen nicht eingehalten, weiter große, bei den Schweinen beliebte Maisfelder zum Teil bis an die Waldkante angelegt und vereinbarte Jagdschneisen nicht eingerichtet. Backhaus: „Der Vertrag wird in Teilen von der Landwirtschaft nicht eingehalten“, forderte er von den Bauern mehr Engagement.

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