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Mecklenburg-Vorpommern

15. Dezember 2017 | 11:07 Uhr

"Frisch auf, ihr Jäger, frei und flink"

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erstellt am 23.Aug.2013 | 09:23 Uhr

Schwerin | Laute Schüsse knallen. Pferde wiehern, die Rufe von Soldaten hallen über die Lichtung. Die Artillerie geht in Stellung, Kanonen werden in Position gebracht und die Infanterie macht sich bereit zum Sturm. Auf einen knappen Befehl hin stürzen sich schwarz gewandete Soldaten schreiend in das Gefecht. Mitten unter ihnen: Theodor Körner, deutscher Dichter und Freiheitskämpfer bei den Lützowschen Freicorps - den "Schwarzen Jägern". Ihre Gegner: die französischen Besatzer unter Napoleon.

Theodor Körner wird, mit nur 22 Jahren, in diesem Gefecht im Rosenower Forst tödlich getroffen und in Wöbbelin zwischen Schwerin und Ludwigslust unter einer Eiche beigesetzt. Am Montag jährt sich Körners Todestag zum 200. Mal. Am Wochenende finden in der Region zwischen Gadebusch und Parchim Gedenkfeiern, ein Sportfest und sogar eine Theaterpremiere zu Ehren des Dichters statt.

Theodor Körner - ein Dichter und Freiheitskämpfer

Geboren wurde Carl Theodor Körner am 23. September 1791 in Dresden. Er wuchs in einem Haus am Dresdner Neumarkt auf und lernte durch seine Eltern viele bekannte Persönlichkeiten kennen. Unter ihnen Goethe, Schiller, Kleist und die Brüder Schlegel. Bereits 1810 erschien Körners erster Gedichtband, in der folgenden Zeit etablierte er sich als Dichter und Dramatiker, schrieb Schauspiele für das Wiener Burgtheater. Doch auch Geschichte und Philosophie interessierten den jungen Mann: Zunächst studierte Körner in Leipzig, in Berlin und Wien. Er genoss sein Studentenleben in vollen Zügen, feierte, duellierte sich und galt es, gegen den Adel zu wettern, war er dabei. Trotz allem schien seiner Karriere als Theaterdichter nichts im Wege zu stehen.

Doch im März 1813 rief Preußen das Volk im Kampf gegen Napoleon zu den Waffen. Körner kündigte sofort seine Stelle als Hoftheaterdichter und schloss sich dem Lützowschen Freicorps an, das sich zu dieser Zeit in Breslau formierte. Angeführt wurde das Freikorps von Major Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow, nach dem es auch benannt ist. Eintreten durften nur "Fremdländer", also Menschen, die keine Preußen waren. Somit wurde das Freicorps zum Sammelbecken für Leute, die bereit waren, für ihre politischen Ideale zu kämpfen, aber nicht der preußischen Armee beitreten konnten oder wollten. Aufgrund ihrer berühmten Mitglieder, wie Theodor Körner, "Turnvater" Jahn und des Dichters Joseph von Eichendorff, ihrer schwarzen Uniformen und der riskanten Unternehmungen wurden die "Schwarzen Jäger" bald schon zu einem Mythos. Bei ihnen sammelten sich Individualisten, Denker und Studenten aber auch Bürger, Bauern und Jäger. Gemeinsam kämpften sie einen Befreiungskrieg gegen die französische Herrschaft.

"Das Lützowsche Freicorps sollte im Rücken der Franzosen arbeiten", erklärt Wolfgang Sarkander, derzeitiger Chef aller Interessengemeinschaften Lützower Freicorps in Deutschland und zudem Mitbegründer der einzigen Interessengemeinschaft in Mecklenburg-Vorpommern. "Das Freicorps sollte Informationen sammeln, Kuriere abfangen und zum Volksaufstand gegen die Franzosen aufrufen", sagt Sarkander. Und dies gelang: Zwar wies das Freicorps keine bedeutenden militärischen Leistungen auf, doch durch seine berühmten Mitglieder und Körners bekannte Gedichte wie "Frisch auf, ihr Jäger, frei und flink" oder das Lied "Lützows wilde verwegene Jagd" schürten sie die Stimmung der Bevölkerung auf besondere Weise. Viele folgten ihrem Aufruf nach Spenden oder Unterstützung im Krieg.

"Nur mit einer solchen Wortwahl war es überhaupt möglich, die Menschen aufzurütteln und ihren Nerv zu treffen", glaubt Wolfgang Sarkander. Dennoch sei Körners Poesie unbedingt differenziert zu betrachten: "Seine Gedichte und Lieder sind oft von der jeweiligen Politik missbraucht worden", glaubt er. So rief beispielsweise Joseph Goebbels bei seiner Sportpalastrede 1943 den Massen entgegen: "Nun Volk steh auf und Sturm brich los" und auch heute noch werden Zeilen Körners von Neonazis missbraucht. Dennoch stehen Theodor Körner und das Lützower Freicorps für Wolfgang Sarkander und die 23 Mitglieder des Rosenberger Corps für etwas Besonderes: "Wir möchten an die Zeit des Lützower Freicorps erinnern. Es war vielleicht der einzige Krieg, der je halbwegs gerecht war, weil es um die Befreiung der deutschen Länder von einer Besatzermacht ging", sagt Sarkander.

Die deutschen Teilstaaten waren zu dieser Zeit von den Truppen Napoleons besetzt - ein einheitliches Deutschland existierte noch nicht. In Mecklenburg-Vorpommern war General Davoust mit seinen Soldaten unterwegs und erpresste die Bevölkerung, Zwangsabgaben zur Versorgung seiner Truppen zu liefern.

Die Bevölkerung musste Zwangsabgaben leisten

Die Mitglieder des Lützowschen Freicorps machten es sich zur Aufgabe, an der Befreiung der Bevölkerung teilzunehmen. Und dies vehement: Als Major von Lützow am 9. Juni von dem Waffenstillstand zwischen den Alliierten und Napoleon erfuhr, zog er mit seinen "Schwarzen Jägern" nach Norden, anstatt sich in das neutrale Böhmen zurückzuziehen.

Am 17. Juni 1813 bezogen die Lützower zunächst ihr Lager in Kitzen bei Leipzig. Ein überraschender Angriff französischer Truppen traf die Kavallerie unvorbereitet. Im Kampf erhielt Theodor Körner einen Säbelhieb über den Kopf. Schwer verletzt musste der Dichter gepflegt werden. Doch sobald sich Körner wieder von seiner Wunde erholt hatte, machte er sich auf die Suche nach seinem Freicorps und fand ihn in Norddeutschland. Auf dem Rittergut zu Gottesgabe verbrachten Körner und seine Streifschar eine Nacht.

Am Morgen des 26. August 1813 wurde ein feindlicher Transporttrupp gemeldet. Major von Lützow befahl seinen Soldaten, diesen Zug anzufallen. Trotz eines schnellen Angriffs konnten jedoch einige Wagen ein nahe gelegenes Gehölz noch erreichen. Lützows Truppen verfolgten diese, Körner setzte sich an ihre Spitze. Dann traf ihn ein Schuss in den Unterleib und verletzte sein Rückgrat. Er tötete ihn sofort. Theodor Körner wurde am 27. August in Wöbbelin beigesetzt. Das Denkmal wurde kürzlich restauriert und steht nun auf seinem alten Platz in der Mahn- und Gedenkstätte. Morgen wird es feierlich eingeweiht.

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