zur Navigation springen

Friedhofsgärtner bekämpfen die Eiszeit mit "Lagerfeuer" und Presslufthammer

vom

svz.de von
erstellt am 25.Jan.2010 | 08:07 Uhr

Schwerin | Inmitten einer schneebedeckten Fläche auf dem Schweriner Waldfriedhof steht Fred Blumberg und richtet einen großen Bunsenbrenner auf die Erde vor seinen Füßen. Damit der Friedhofsgärtner an dieser Stelle ein Grab ausheben kann, muss er den nach wochenlangen Minustemperaturen gefrorenen Boden erst auftauen. "Für ein kleines Urnengrab mit 80 Zentimeter Tiefe brauche ich zurzeit ungefähr eineinhalb Stunden", sagt Blumberg. Noch länger dauere es bei einer Erdbestattung. Allein für das Auftauen eines großen Grabes benötigten die Friedhofsmitarbeiter bei solchen Temperaturen mehrere Stunden.

"Auf die normalen Gräber stellen wir Metallkörbe mit glühender Kohle drin", sagt Blumberg. Nach ungefähr vier Stunden sei die Erde dann soweit aufgetaut, dass er und seine Kollegen mit dem Graben anfangen könnten. Einen Meter breit, 2,20 Meter lang und 1,80 Meter tief, das ist der Standard.

Derzeit ist der Boden bis in 15 Zentimeter Tiefe gefroren, aber Blumberg hat schon weitaus kältere Winter erlebt. "Im Winter 1995/1996 war der Boden 1,20 Meter tief eingefroren", erinnert er sich. "Dagegen ist das ja gar nichts dieses Jahr".


Brenner seit DDR-Zeiten nicht mehr eingesetzt

Nach ein paar Minuten legt Blumberg den Bunsenbrenner zur Seite und stößt eine Pike mit voller Kraft immer wieder in die dampfende Erde. Ohne die spitze Stange käme man im Winter keinen Millimeter weit, schnauft er. Ist die Erde gelockert, hebt sein Kollege mit einem Spaten ein paar Brocken Erde aus dem Grab, dann beginnt das Prozedere von neuem.

Fünf Löcher müssen die Männer heute auf dem Urnengemeinschaftsfeld graben, drei sind schon fertig. Urnengräber seien immer beliebter, vermutlich weil sie billiger sind, sagt er. Eine Urnenstelle auf dem anonymen Grabfeld kostet derzeit 612,50 Euro, eine Erdstelle über 3000 Euro.

In Rostock werden Bunsenbrenner und Kohleöfen "schon seit DDR-Zeiten" nicht mehr eingesetzt, sagt der Abteilungsleiter für Friedhofswesen, Uwe Karsch. In der Hansestadt komme dagegen ein hydraulischer Presslufthammer zum Einsatz, wenn der Boden gefroren sei.

Auch die Mitarbeiter auf dem Wismarer Friedhof arbeiten damit - nicht nur bei Frost, auch bei extremer Trockenheit, sagt die Leiterin der Friedhofsverwalterin Grit Schaller-Uhl. Denn auch dann sei es kaum möglich, mit einem Bagger die Gräber auszuheben. Die Methoden ihrer Schweriner Kollegen sind ihr neu. Sie habe zwar schon davon gehört, dass es früher einmal "Lagerfeuer" auf den Friedhöfen gegeben habe, gesehen habe sie das aber noch nie. In Greifswald haben die Mitarbeiter vorgesorgt: Schon vor dem Winter haben sie jene Stellen, an denen für die Wintermonate Gräber geplant waren, mit Laub und Zweigen bedeckt. "Das schützt den Boden vor Frost", sagt die Leiterin der Friedhofsverwaltung, Ruth Buchheim. Sonst müssten auch sie einen Presslufthammer einsetzen, was aber einen Frostzuschlag auf die normalen Bestattungsgebühren bedeuten würde. "Das wollen wir den Angehörigen ersparen", sagt sie. Auch auf dem Stralsunder Zentralfriedhof haben sich die Friedhofsgärtner frühzeitig vorbereitet und schon vor dem ersten Frost Urnengräber "auf Vorrat" ausgehoben, sagt Betriebsleiterin Eva Schubert. Wenn die Temperaturen weiterhin so eisig blieben, müsse aber auch sie sich Gedanken darüber machen, "schweres Gerät" anzuschaffen, falls die Gräber nicht ausreichten, sagt sie.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen