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Mecklenburg-Vorpommern : Friedhöfen im Land droht die Schließung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Immer weniger Beisetzungen: Plauer Pastor regt Verzicht auf Gebühren an.

In vielen Dörfern in Mecklenburg-Vorpommern fällt es den Kirchgemeinden inzwischen schwer, die Kosten für die Friedhofspflege aufzubringen. Weil immer weniger Verstorbene bestattet werden, decken die Friedhofsgebühren kaum noch die Ausgaben. Der Plauer Pastor Stephan Poppe fürchtet, dass in 30 Jahren in vielen Dörfern die Friedhöfe geschlossen sein werden. Mit einer ungewöhnlichen Forderung will er deshalb eine Diskussion anstoßen. Statt die Gebühren zu erhöhen, sollten die Kirchgemeinden darauf verzichten.

Friedhöfe seien, so Poppe, mehr als simple Begräbnisstätten im Sinne der „Daseinsvorsorge“, für die per Gesetz eigentlich die Kommunen zuständig sind. Sie sind wichtige Gedächnis-Orte für die Hinterbliebenen, Zeugnisse der Dorfgeschichte und Stätten des christlichen Glaubens. „Das alles nur finanziell zu diskutieren, reicht nicht aus“, so der Plauer Pastor. „Die Kirchgemeinden sollten sich deshalb fragen: Tun wir etwas für andere, ohne dass diese dafür bezahlen?“ Falls sie dies wollen, müssten alternative Geldquellen gesucht werden, etwa Fördervereine oder Kirchenstiftungen. Anderenfalls müssten Kirchgemeinden ihre Friedhöfe an die Kommunen abgeben. Die hätten allerdings auch kaum Geld dafür übrig.

Die Kirchen unterhalten fast 1000 Friedhöfe in MV. Sinkende Einwohnerzahlen und alternative Bestattungsformen führen zu ständig weniger Begräbnissen. Dennoch müssen Bäume beschnitten, Laub geharkt, Grünanlagen gepflegt, die Standfestigkeit von Grabsteinen überprüft und Gebührenbescheide verschickt werden. Der Erhalt alter denkmalgeschützter Grabanlagen ist darin noch gar nicht erhalten. Die Kosten für die Friedhofspflege müssten eigentlich auf immer weniger Gebührenzahler verteilt werden. Vor Erhöhungen aber schrecken viele Gemeinden zurück.

Der Rostocker Propst Wulf Schünemann leitet eine kircheninterne Arbeitsgruppe zur Zukunft der kirchlichen Friedhöfe. Darin will er auch die Thesen von Pastor Poppe zur Diskussion stellen. Schünemann sieht allerdings kaum die Chance, die Friedhofsgebühren abzuschaffen und die Kosten für die Friedhofspflege etwa aus den Kirchensteuern zu begleichen. Das sei rein rechtlich nicht möglich. Vorerst müssten andere Wege eingeschlagen werden. Manche Kirchgemeinden etwa sollten ihre Friedhofssatzung anpassen und (anonyme) Rasenreihengräber oder sogar die Bestattung unter Bäumen gestatten, wie sie anderenorts längst üblich sind. Auch Absprachen mit den Kommunen über eine arbeitsteilige Pflege der Friedhöfe könnten in einigen Dörfern die Kirchenkassen entlasten.

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