Polizisten sollen 35-Jährigen geschlagen haben : Freund und Helfer im Zwielicht

Zwei Polizisten sitzen seit Donnerstag auf der Anklagebank im Rostocker Amtsgericht. Körperverletzung im Dienst wird ihnen vorgeworfen. „Ich habe nur meine Arbeit gemacht“, sagt der heute 41-jährige Beamte.

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31. Mai 2012, 08:09 Uhr

Rostock | Zwei Polizisten sitzen seit gestern auf der Anklagebank im Rostocker Amtsgericht. Körperverletzung im Dienst wird ihnen vorgeworfen. „Ich habe nur meine Arbeit gemacht“, sagt der heute 41-jährige Beamte. „Er hat mich bedroht und Nazibulle genannt“, sagt sein 50-jähriger Kollege. „Ich weiß bis heute nicht, warum ich verhaftet wurde. Ich bin geschockt“, sagt der 35-Jährige, den beide Polizisten bei der Festnahme geschlagen und getreten haben sollen. „Das war wie im Film“, sagt die Zeugin, die das Geschehen beobachtet hat.

Der Vorfall, der sich in der Rostocker Kröpeliner-Tor-Vorstadt abspielte, liegt vier Jahre zurück. Doch die heute 39-Jährige erinnert sich genau. Die Kellnerin hat gerade Feierabend und raucht vor dem Restaurant eine Zigarette. Ihr Blick fällt auf einen Mann, der mitten auf der Straße steht und Videoaufnahmen macht. Vielleicht will er ja auswandern und festhalten, wo er mal gewohnt hat, denkt sie sich. Sie nimmt auch das Polizeiauto wahr, das die Straße entlangkommt. Dann sei alles sehr schnell gegangen: Das Auto stoppt, ein Polizist steigt aus, ruft "Kamera weg!" und dreht dem Mann auch schon "brutal" den Arm auf den Rücken. Der ruft laut nach Hilfe, während er ins Auto bugsiert wird, so unsanft, dass er sich den Kopf stößt. Sie wollte ihm zu Hilfe eilen, traute sich das aber nicht.

Krach, Passanten kommen, einer versucht, mit dem "Gefangenen" zu sprechen. Eine Frau - die Ehefrau des Abgeführten, wie sich herausstellt - steht aufgelöst vor dem Wagen und ruft nach der Polizei. Was die Kellnerin merkwürdig fand, schließlich war die Polizei ja schon da. Aber dann tauchen noch mehr Polizeiautos auf - die Richterin spricht von fünf bis sechs Fahrzeugen. Offenbar von den beiden Beamten zu Hilfe gerufen, die nicht abfahren konnten, weil die Ehefrau den Weg blockierte. "Bestimmt ein gesuchter Verbrecher", denkt die Kellnerin noch. Heute weiß sie, dass der Mann, der so spektakulär abgeführt wurde, kein Verbrecher ist. Sondern selbständiger Fuhrunternehmer, der sich über die seiner Meinung nach ungerechte Knöllchenverteilung in seiner Straße ärgerte. Er habe immer Strafzettel bekommen, andere nie. Das habe er mit der Kamera dokumentieren wollen, sagt er. Am Ende saß er eine ganze Nacht in Zentralgewahrsam. Und auch schon vor Gericht - wegen Widerstandes gegen die beiden Polizisten. Das Verfahren wurde gegen Arbeitsauflagen eingestellt. Wie auch das Verfahren gegen seine Frau, die damals kaum deutsch sprach und einfach nur wissen wollte, warum ihr Mann abgeführt wird.


Der Kleinunternehmer ist noch heute aufgebracht. Was er hier filme, sei er gefragt worden und habe dann "gleich eine gedonnert" gekriegt. Der eine Beamte habe ihn bei der Festnahme in die Kniekehle getreten und im Auto mit dem Fuß in den Sitz gedrückt. Gefesselt sei er gewesen, aber nicht angeschnallt. Und beschimpft habe er niemanden.

Ein Polizist sagt dagegen: "Der Bürger war aggressiv und hat um sich geschlagen". Beide glaubten, er würde sie filmen, das wollten sie unterbinden. Der ältere Polizist kannte den Mann wegen der Falschparkerei und war offenbar genervt. Er ist es aber, der einer Einstellung des Verfahrens zustimmt. Dafür muss er 1000 Euro an den "Bürger" zahlen. Sein jüngerer Kollege beharrt: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen". Er will das Verfahren durchziehen, auch wenn ihm eine Freiheitsstrafe und disziplinarrechtliche Konsequenzen drohen. Das Gericht hat noch Termine bis Ende Juni geplant.

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