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Mecklenburg-Vorpommern

15. Dezember 2017 | 11:16 Uhr

Freizeit auf dem Sofa

vom

svz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 10:21 Uhr

Berlin | Amerikaner gehen mehr raus, Skandinavier stehen auf neue Medien, Südeuropäer lieben die Familie und Benelux-Bewohner die Kultur - und was tun die Deutschen in ihrer Freizeit am liebsten? Sie machen es sich daheim auf dem Sofa nett. Fernsehen, Telefonieren und Ausruhen bleiben ihre Freizeitbeschäftigungen der Wahl. "Der Hang zu regenerativen Tätigkeiten hat bei uns weiter zugenommen", bestätigte Prof. Ulrich Reinhardt gestern in Berlin. "Die Vorlieben sind international ganz unterschiedlich."Der Freizeit-Monitor 2013 der Stiftung für Zukunftsfragen zeigt einmal mehr - die meisten bleiben am Feierabend zu Hause. Unter den Top 17 Freizeitbeschäftigungen ist keine einzige, die dezidiert draußen spielt - es sei denn, man unterstellt beim Telefonieren via Handy (Platz 7) einen Aufenthalt im Freien.
Doch ein zweiter Blick auf die Ergebnisse der repräsentativen Befragung vom Juni zeigt durchaus Unterschiede: Nicht nur die zu erwartenden zwischen den Geschlechtern - Frauen lesen fast doppelt so oft Bücher wie Männer (45 zu 25 Prozent), nehmen sich mehr Zeit für die Körperpflege und zum Shoppen, während Männer öfter heimwerken, zu Sportevents oder in die Kneipe gehen. Sondern auch zwischen Osten und Westen: So treiben Westdeutsche mehr Sport (37 zu 25 Prozent), nutzen häufiger Social-Media-Angebote und treffen sich öfter mit Freunden. Ostdeutsche beschäftigen sich öfter im Garten (40 zu 34 Prozent), heimwerken lieber und gönnen sich häufiger eine Kaffeepause am Nachmittag. Insgesamt gilt: Kontakte werden vorzugsweise via Telefon, Mail oder - je jünger desto intensiver - auch über Soziale Netzwerke gepflegt. "Das hat sich verstärkt, aber viele erkennen mittlerweile auch, dass der virtuelle Kontakt keine echte Alternative zum persönlichen Treffen ist", betont Reinhardt.
Tatsächlich stagniert die Zuwachsrate bei der Internetnutzung und nur wenige der Befragten gaben an, in Zukunft noch mehr telefonieren oder im Web surfen zu wollen. Denn alles ist auch eine Frage des Gesamtzeitbudgets: Mit kaum vier Stunden steht den Deutschen im Durchschnitt eine Viertelstunde weniger freie Zeit pro Werktag zur Verfügung als noch vor drei Jahren. Fast alle - mit Ausnahme der Ruheständler - beklagen Freizeitmangel. Am stärksten ist dies bei Familien. Aber auch immer mehr Jugendliche stöhnen. Bei ihnen ist die freie Zeit seit 2010 besonders drastisch zusammengeschnurrt: Um fast eine Stunde. Vorrangige Gründe dafür sind verkürzte Schulzeit, Ganztagsunterricht und mehr Leistungsdruck - auch durch die Eltern, die das Beste für ihren Sprössling wollen. Trotz Arbeitszeitverkürzung und höherer Lebenserwartung sagt Reinhardt vo raus: "Die wirklich freie Zeit wird in Zukunft nicht wesentlich zunehmen." Dafür werde der Graubereich zwischen Arbeit und echter Freizeit wachsen.
Und nicht zuletzt macht auch das Geld einen Unterschied bei der Freizeitgestaltung. Das zeigt nicht nur der Freizeit-Monitor, sondern auch bereits der Datenreport 2011. Mit steigendem monatlichen Einkommen erhöhen sich die Ausgaben für Freizeit und Kultur von acht auf zwölf Prozent des Konsumbudgets.

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