Lehrer werden in MV? : Freilich die richtige Entscheidung

1 von 2

Lehrer werden in MV? Larissa und Steffen Busch haben sich bewusst dafür entschieden und sind aus Bayern in den hohen Norden gezogen

von
19. September 2017, 12:00 Uhr

Ein kleines Wort verrät Larissa Busch – wenn ihre Schüler ihr eine Frage stellen und sie darauf nicht mit „Ja“ sondern mit „Freilich“ antwortet. Die Mädchen und Jungen fänden das „ganz klasse“, erzählt die junge Frau, und sie würden das „Freilich“ sogar in den eigenen Sprachgebrauch adaptieren. Schließlich verstehe jeder, was damit gemeint ist. Bei anderen sprachlichen Unterschieden zwischen ihrer alten und der neuen Heimat sei das schon schwieriger: „Im Süden sagt man zum Beispiel zur Klassenarbeit Schulaufgabe.“

Larissa Busch  hat nach den Sommerferien eine 5. Klasse übernommen und testet, was aus dem letzten Schuljahr hängen geblieben ist. „Gar nicht so wenig“, meint sie anerkennend.
Larissa Busch hat nach den Sommerferien eine 5. Klasse übernommen und testet, was aus dem letzten Schuljahr hängen geblieben ist. „Gar nicht so wenig“, meint sie anerkennend.
 

Es ist mittlerweile das vierte Schuljahr, in dem Larissa Busch an der Regionalen Schule mit Grundschule Lützow unterrichtet – und längst weiß sie solche Klippen zu umschiffen. Auch, dass sie zwar aus Bayern stammt, aber kein Bayern-München-Fan ist, haben ihre Schüler inzwischen akzeptiert.

Die Entscheidung, zusammen mit ihrem Mann aus Bayern in den hohen Norden umzuziehen, hat die 31-Jährige noch nicht einen Moment bereut – obwohl sie beiden seinerzeit nicht leicht fiel. Larissa und Steffen Busch stammen aus Nordbayern, genauer aus der Nähe von Bamberg. Dort haben beide auch Lehramt für Realschulen studiert – sie in den Fächern Deutsch, Religion und Kunst, er für Deutsch, Religion und Informatik. In Bayern machten sie dann ihr Referendariat – und hatten anschließend die Chance, in den Staatsdienst übernommen zu werden.

„Zu der Zeit – wir haben unser Referendariat 2013 beendet – war das so, wie buchstäblich die Nadel im Heuhaufen zu finden“, erklärt Steffen Busch. Denn auch Bayern verbeamte zwar Lehrer – aber nur die wirklich Jahrgangsbesten. „Von den rund 1300 Absolventen unseres Jahrgangs haben vielleicht 80 eine Beamtenstelle bekommen“, so der 33-Jährige. Er und seine Frau hätten dazugehören und sogar nach München gehen können – doch nach gründlichem Überlegen sagten beide ab. „So schön die Stadt ist, wenn man als Besucher dorthinkommt: Leben und vielleicht auch einmal Kinder haben wollten wir in München nicht“, meint Steffen Busch.

Die entsprechende Absage hätte bedeutet, auch nirgendwo anders in Bayern im Staatsdienst unterzukommen. „Dort ist es üblich, dass man sich für eine Beamtenstelle beim Freistaat bewirbt, der entscheidet dann, wohin man gegebenenfalls geschickt wird“, erklärt Steffen Busch. „Und wenn man nichts hört, dann heißt das, dass man abgelehnt ist“, fügt er hinzu. In Mecklenburg-Vorpommern sei das ganz anders gelaufen. „Hier bewirbt man sich über ein Internetportal ganz gezielt auf eine freie Stelle an einer ganz bestimmten Schule“, erklärt Larissa Busch. Sie war es, die seinerzeit in Bayern in einer großen überregionalen Zeitung eine Anzeige entdeckt hatte, in der MV um Lehrer warb. „,Packen Sie schon mal die Badehose ein: Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen‘ – das provozierte zum Weiterlesen“, erinnert sich die junge Frau. Über die Internetseite www.lehrer-in-mv.de konnten beide sich schon aus der Ferne mit potenziellen Einsatzschulen vertraut machen, und sie konnten auch gleich online ihre Bewerbungen absenden. Rückmeldungen gab es prompt, erinnern sich Buschs – und ein großes Entgegenkommen, wenn es darum ging, Termine für das Bewerbungsgespräch der Bayern zu finden.

Ein erster Anlauf allerdings schlug fehl. Steffen Busch hatte in Wolgast eine Schule gefunden, in der er sofort hätte anfangen können zu arbeiten - doch eine passende freie Stelle für seine Frau gab es erst eine gute Fahrstunde entfernt. Beim zweiten Anlauf passte es besser: Larissa Busch wurde in Lützow, ihr Mann an der Regionalen Schule mit Grundschule „Fritz Reuter“ in Zarrentin eingestellt – als Beamte. „Wir waren uns von Anfang an zu 99,9 Prozent sicher, dass wir hier bleiben wollen – schließlich hatten wir uns ja nicht aus dem Bauch heraus entschieden“, begründen sie das.

Beziehungen zum Norden hatten beide bereits: Steffen Busch hat einst in einem Sommerlehrgang auf Gut Grambow seinen Jagdschein gemacht. Larissa Busch kennt unter anderem Redefin von Reiterferien.

Steffen Busch erläutert im „kreidefreien Klassenzimmer “ an der Realschule in Zarrentin an einem Active-Board ein Tabellenkalkulationsprogramm.  Fotos: privat
Steffen Busch erläutert im „kreidefreien Klassenzimmer “ an der Realschule in Zarrentin an einem Active-Board ein Tabellenkalkulationsprogramm. Fotos: privat
 

Natürlich sei hier vieles anders, erzählen sie: Die geliebten Berge, in denen zu klettern beide lieben, sind jetzt erst nach vielen Stunden Fahrt zu erreichen. Spontan bei der Familie zum Kaffeetrinken vorbeizuschauen, ginge nicht mehr. Und auch Freunde ließen beide zurück – nicht wenige kopfschüttelnd, weil sie nicht verstehen konnten, dass Larissa und Steffen Busch einen so radikalen Schnitt in ihrem Leben machten.

„Aber wir würden das immer wieder so machen“, betont Larissa Busch. Denn solche Arbeitsbedingungen wie hier hätte man längst nicht überall. Larissa Busch zum Beispiel arbeitete vor dem Umzug in den Norden an einer Schule mit 40 Klassen. „Da kannte man zum Ende des Schuljahres immer noch nicht alle Kollegen – und erst recht nicht alle Schüler“, erzählt sie. In Lützow gehe es dagegen regelrecht familiär zu – aber nicht provinziell, betont Larissa Busch, die gerade eine 5. Klasse übernommen hat. Ihr Mann ist in seiner Schule mittlerweile zum Personalratsvorsitzenden gewählt worden – und er bildet in diesem Schuljahr zum ersten Mal selbst eine Referendarin aus. „Das ist spannend, erst recht, wenn man vor gar nicht so langer Zeit noch selbst in der ,Mühle Referendariat‘ drin war“, meint er. Vor allem aber sei es ein immenser Vertrauensbeweis, genauso wie der Umstand, dass er bereits am Stundenplan mitarbeiten darf. „Wir werden hier gefordert, aber auch gefördert – das ist toll“, meint er.

Inzwischen haben Buschs in Zarrentin ein eigenes Haus gebaut. Und einer Freundin aus Bayern haben sie so viel vom Leben und Arbeiten in Mecklenburg-Vorpommern vorgeschwärmt, dass die nun ebenfalls „nach oben “ gezogen ist – als Lehrerin in MV.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen