Kehrmonopol fällt zu Jahresbeginn : Freie Wahl beim Mann in Schwarz

Mit dem Jahreswechsel läuft das Kehrmonopol aus. Ab heute können die Hauseigentümer selbst entscheiden, welcher Schornsteinfeger den Kamin kehren, die Abgaswege prüfen oder die Emissionswerte der Heizanlage messen soll.

svz.de von
01. Januar 2013, 07:54 Uhr

Schwerin | Mehr Wettbewerb auf dem Dach: Mit dem Jahreswechsel läuft das in Deutschland geltende Kehrmonopol endgültig aus. Ab Januar kann jeder Hauseigentümer selbst entscheiden, welcher Schornsteinfeger den Kamin kehren, die Abgaswege prüfen oder die Emissionswerte der Heizungsanlage messen soll. Auch die 168 Bezirksschornsteinfegermeister in Mecklenburg-Vorpommern müssen sich auf zusätzliche Konkurrenz einstellen.

Die schwarze Zunft sieht der neuen Zeit jedoch relativ gelassen entgegen. "Ich glaube nicht, dass viele Hauseigentümer wechseln wollen", sagt Ingo Ziola, Obermeister der Schornsteinfegerinnung MV. Schließlich müsse der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger, wie der Bezirksschornsteinfegermeister künftig heißt, für hoheitliche Aufgaben wie die Feuerstättenschau auch in Zukunft ins Haus kommen. Für Kunden, die mit ihrem Schornsteinfeger nicht klarkommen, sei der Wechsel aber eine Option.

Das Ende des Kehrmonopols beschert jedoch den Haus- und Wohnungseigentümern auch eine größere Verantwortung. Kam der Mann in Schwarz bislang von sich aus pünktlich zu den vorgeschriebenen Terminen ins Haus, muss jetzt der Eigentümer aktiv werden. Wann welche Arbeiten zu erledigen sind, kann er dem Feuerstättenbescheid entnehmen, den jeder Eigentümer von seinem Bezirksschornsteinfegermeister bekommen haben müsste. Wird ein fremder Schornsteinfeger beauftragt, muss dieser auf einem Formular bescheinigen, dass er die Arbeiten erledigt hat. "Das Formblatt muss der Eigentümer zusammen mit dem Messprotokoll an den Bezirksbevollmächtigten schicken", erklärt Ingo Ziola. Diese Pflicht entfalle natürlich, wenn der Bevollmächtigte selbst die Arbeiten ausführt. Werden die geforderten Arbeiten nicht nachgewiesen, wird die zuständige Ordnungsbehörde informiert.

"Wer einen Fremdbetrieb beauftragen will, muss kontrollieren, dass dieser mit dem Schornsteinfegerhandwerk in die Handwerksrolle eingetragen ist", betont Ziola. Auch Heizungsbaumeister kommen in Frage - sofern sie eine entsprechende Zusatzqualifikation erworben haben.

Obwohl die Preise für die freien Schornsteinfegertätigkeiten künftig frei verhandelt werden können, wird es für die meisten wohl kaum billiger. "Luft nach unten sehe ich nicht wirklich, weil die bisherigen Gebühren für die Fahrt von Haus zu Haus kalkuliert waren und nicht für Einzelfahrten ", sagt Ingo Ziola.

Das Führen des Kehrbuches, die Abnahme von neuen oder veränderten Feuerungsanlagen und die Feuerstättenschau bleiben als hoheitliche Aufgaben auch weiterhin Sache des bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegers. Alle sieben Jahre werden die Kehrbezirke neu ausgeschrieben.

Übrigens: Nicht nur der Kunde kann seinen Schornsteinfeger frei wählen. Auch der Schornsteinfeger hat die Wahl und könnte Kunden ablehnen - wegen schlechter Zahlungsmoral etwa.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen