zur Navigation springen

Klützer Kleinbahn : Freie Fahrt für „Kaffeebrenner“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vor Jahren stillgelegt und der Schienen beraubt, rollt die Klützer Kleinbahn am 21. Juni wieder / Sechs-Kilometer-Strecke für Fans

Roter Klatschmohn blüht am Bahndamm, ein Feldhase hoppelt die Schienen entlang. Lokführer Thomas Stache tutet kräftig, und Meister Lampe schlägt sich in die Büsche. Wirkliche Gefahr drohte ihm wohl kaum, denn die neue Kleinbahn im mecklenburgischen Klützer Winkel bringt es auf ihrer gerade einmal sechs Kilometer langen Strecke nur auf gemütliche 20 Stundenkilometer. Für Stache, der bislang Normalspur fuhr, wird die Tour im Nirgendwo zwischen Klütz und Reppenhagen aber nicht langweilig. „Ist schon schnuckelig, mit so einer kleinen Lok durch die idyllische Landschaft zu gondeln“, sagt er.

Die lütte Bahn nahe der Wismarbucht hat eine bewegte Geschichte. Am 6. Juni 1905 als „Großherzoglich-Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn“ eröffnet, diente der Zug zunächst dem Transport von Getreide zu den Mühlen, die das Korn auch zu Malzkaffee verarbeiteten. Bald wurde die Bahn im Volksmund „Kaffeebrenner“ genannt. Ab den 1920-ern nutzten Ausflügler die Verbindung im Hinterland der Ostsee. 1995 stellte die Deutsche Bahn AG die Strecke ein. Auch als privater Touristenzug auf der Regelspur hatte es der „Kaffeebrenner“ auf den ursprünglichen 16 Kilometern zwischen Klütz und Grevesmühlen schwer. 2005 standen alle Signale auf Rot. Die verschlissenen Schienen wurden abgerissen, eine Erneuerung konnte niemand bezahlen. Eisenbahnfreak Ludger Guttwein, alleiniger Vorstand der Stiftung Deutsche Kleinbahnen und Chef der Deutschen Privatbahn GmbH, investierte rund zwei Millionen Euro in die Wiederbelebung der Teilstrecke. Aus Kostengründen konnten auf der früheren Normalspur-Trasse aber nur noch 600 Millimeter breite Schmalspur-Schienen verlegt werden, wie er erklärt. Die aus China per Schiff nach Mecklenburg geholten Gleise kamen letzten Sommer in ihr neues Bett. Zugleich wurden der historische Bahnhof, der Lokschuppen sowie die seltene Segmentdrehscheibe, ein technisches Denkmal, restauriert. Deren Zahnrad-Mechanismus gestattet es dem Rangierer, tonnenschwere Diesel- und Dampfloks per Muskelkraft zu verschwenken, wie Mitarbeiterin Eva Eckert erläutert.

Vor allem zum Vergnügen der Touristen und Einheimischen soll „De lütt Kaffeebrenner“ vom 21. Juni an wieder auf Fahrt gehen und in der Saison bis Oktober werktags stündlich zwischen Klütz und Reppenhagen pendeln. Guttwein sieht früheren Worten zufolge gute Chancen für eine Renaissance der Strecke als Touristenmagnet. Rund 10 000 Fahrgäste jährlich würden reichen, damit sich der Bahnbetrieb rechne, meint er. Neugierige bestaunen bereits vor der Eröffnung den runderneuerten „Kaffeebrenner“. Ein Düsseldorfer Radfahrer meint, er habe an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns bereits den „Rasenden Roland“ auf Rügen und den „Molli“ in Bad Doberan getestet. Unbedingt möchte er nun mit der Klützer Schmalspurbahn auf Reisen gehen. „Just for fun, einfach nur mal mitfahren, ohne Zeitdruck und Ziel.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen