Frauenpower kontra FDP-Chef

Christian Ahrendt
Christian Ahrendt

Es drohte, ein langweiliger Parteitag der FDP zu werden. Dann stand eine Delegierte aus Wismar auf, redete Tacheles und stellte sich selbst als Gegenkandidatin zum Landesvorsitzenden Christian Ahrendt auf.

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29. März 2009, 06:49 Uhr

Ludwigslust | Katharina Bernhard ist Rechtsanwältin und Landesvorsitzende der Liberalen Frauen Mecklenburg-Vorpommerns. Die Wismarerin stellte sich für viele überraschend auf dem FDP-Landesparteitag am Wochenende bei der Wahl zum Landesvorsitzenden selbst als Gegenkandidatin zum bisherigen Parteichef Christian Ahrendt auf. Sie sei gegen Kungeleien beim Verteilen von Posten und Pöstchen in der Partei, begründete die Anwältin ihre Kandidatur und erntete vorsichtigen Beifall bei einigen Delegierten. "Ich bin auch gegen Menschen mit Strippenzieher-Mentalitäten", sagte sie weiter in Richtung des Parteichefs Ahrendt. Das Leistungsprinzip sollte nach Meinung von Frau Bernhard wieder im Landesverband Vorrang haben. Wenn Absprachen vor Parteitagsentscheidungen getroffen werden, sollten diese mit Vertretern aller Kreisverbände erfolgen. Bereits am Vorabend auf der erweiterten Parteivorstands-Sitzung hatte sie ihre Gegenkandidatur angekündigt.

Am souveränen Wahlsieg des bisherigen Amtsinhabers änderte der Aufstand allerdings nichts. Für Christian Ahrendt stimmten 145 Delegierte und damit 79,7 Prozent. Bernhard brachte es immerhin auf 34 Stimmen.

Ahrendt war bereits 2007 auf dem Parteitag in Greifswald zum Landesvorsitzenden gewählt worden und konnte damals 88,3 Delegiertenstimmen auf sich vereinigen.

In seiner Rede vor den Delegierten stimmte der 45-Jährige seine Partei auf den Wahlkampf zur Kommunalwahl am 7. Juni ein. Er erinnerte an das Jahr 1998 als die FDP mit 1,9 Prozent bei den Landtagswahlen in die politische Bedeutungslosigkeit gefallen war. Inzwischen liegen die Liberalen im Nordosten in Umfragen bei 11 Prozent. "Wahlerfolge wie die in Hessen haben uns Rückenwind gegeben", sagte der alte und neue Parteivorsitzende.

Er kritisierte weiter Maßnahmen der Bundesregierung zum Ankurbeln der Konjunktur: "Beide Konjunkturpakete sind ein Sammelsurium kleinteiliger Maßnahmen." Dagegen schlug er Steuersenkungen vor: "Das beste Mittel, um ein langes Abgleiten in die Rezession zu verhindern, ist es, den privaten Konsum zu stärken." Dafür gab es reichlich Beifall von den Delegierten.

Erwartungsgemäß wurde von ihnen auch das Kommunalwahlprogramm mit klarer Mehrheit beschlossen und auch mit der Wahl von Ilona Rettig und Gino Leonhard als stellvertretende Landesvorsitzende gab es keine Überraschungen.

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