zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 03:10 Uhr

Top Azubi 2014 : Frauenpower auf dem Dach

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Miriam Redemund steht im Finale zum „Top Azubi 2014“

von
erstellt am 08.Okt.2014 | 07:45 Uhr

Wenn Miriam Redemund in Rostock unterwegs ist, löst sie bei vielen Hansestädtern Freude aus. Die 20-Jährige macht eine Ausbildung zur Schornsteinfegerin – und ist daher oft in der traditionellen schwarzen Kluft des Berufsstandes zu sehen. „Viele bringen das mit Glück in Verbindung und fassen die Kluft auch an“, erzählt sie. Ob ihre Arbeitskleidung ihr selbst Glück bringt, wird sich heute zeigen. Denn gemeinsam mit elf anderen Auszubildenden aus Mecklenburg-Vorpommern steht Miriam Redemund im Finale des landesweiten Wettbewerbs „Top Azubi 2014“, der von den Handwerkskammern ausgeschrieben wurde. Eine Jury entscheidet heute in Rostock, wer mit dem Lehrlings-Oscar ausgezeichnet wird.

Dabei zählen nicht nur die Leistungen, die die Auszubildenden in der Berufschule erzielen, sondern auch ihr Allgemeinwissen, ihre Kommunikationsfähigkeit sowie schlagfertiges Auftreten. Miriam Redemund stellt sich diesen Herausforderungen gern.

Dass sie einmal einen handwerklichen Beruf lernen wird, war für die aufgeschlossene Wahlrostockerin schon früh klar. „Ich war von klein auf mit dem Handwerk vertraut, mein Vater ist Tischler und meine Mutter Orthopädietechnikerin“, erzählt sie. Von ihnen und ihrem Onkel, der als Schmied arbeitet, konnte sie sich schon als Kind einiges abschauen. Neben der familiären Prägung spielte aber auch ihr Drang nach Bewegung und Abwechslung eine Rolle bei der Berufswahl. „Ich wäre im Büro nicht glücklich, bin eher praktisch veranlagt“, sagt sie. Für sie sei es wichtig, nach getaner Arbeit ein sichtbares Ergebnis vor sich zu haben. Im August 2013 ging sie bei dem Bezirksschornsteinfeger Lars Gerath in die Lehre.

In ihrer Ausbildung lernt Miriam Redemund viele verschiedene Aufgabenbereiche kennen. Denn Schornsteinfeger überprüfen heutzutage unter anderem auch Rauchmelder oder Abzugshauben. Darüber hinaus beraten sie ihre Kunden auch in Energiefragen. „Der Beruf hat sich sehr gewandelt“, sagt Miriam Redemund. Die klassische Aufgabe, das Kehren der Schornsteine, ist trotz aller modernen Entwicklung, ein wichtiger Teil Ausbildung. Dazu muss Miriam Redemund regelmäßig auf die Dächer der Hansestadt klettern – ohne Absicherung. „Da müssen wir uns ganz auf uns selbst verlassen“, sagt sie. Als Auszubildende bewältigt sie diesen Teil ihrer Arbeit stets in Begleitung eines Kollegen. Nach ihrem Abschluss erklimmt sie die Häuser allein. Angst hat sie davor nicht. „Ich bin sehr gern auf den Dächern unterwegs.“

Eines zeichnet den Beruf des Schornsteinfegers ganz besonders aus: der Kontakt zu Menschen. Dass sie bei ihren Wohnungsbesuchen fast jeden Tag in unbekannte Gesichter blickt, war für Miriam Redemund von Anfang an kein Problem. „Ich bin kontaktfreudig und kann auf andere zugehen.“

Auf den Wettbewerb der Handwerkskammern aufmerksam geworden ist sie durch ein Schreiben an ihren Betrieb. „Mein Chef fand, dass wir diese Chance nutzen sollten.“ Dass sie im Finale steht, hat Miriam Redemund erfahren, als sie gerade in der Berufsschule war. „Ich habe mich unglaublich darüber gefreut. Vor allem, weil sich so viele sehr gute Azubis beworben haben“, berichtet sie.

Der Gewinner des Wettbewerbs wird im November bei einer öffentlichen Preisverleihung bekanntgegeben. Er oder sie bekommt einen Pokal, eine Urkunde und 1000 Euro. Der Zweitplatzierte bekommt 750 der Drittplatzierte 500 Euro. Für den Fall, dass sie der Top Azubi 2014 wird, weiß Miriam Redemund auch schon, wie sie das Preisgeld nutzen würde. „Ich fahre gern Fahrrad und würde mir dann ein neues zulegen“, sagt sie. Den Rest würde sie dann allerdings lieber sparen als ausgeben.

Und auch ihre berufliche Zukunft hat die junge Frau schon genau geplant: „Ich will auf jeden Fall meinen Meister machen.“ Mit diesem Ziel vor Augen strengt sich die Auszubildende auch in der Berufsschule besonders an. Denn wer einen hervorragenden Notendurchschnitt vorweisen kann, hat die Chance auf eine Meisterförderung. Bis jetzt ist Miriam Redemund auf dem besten Weg dahin, ihr Notendurchschnitt im ersten Lehrjahr lag bei 1,1. „Wenn man weiß, wo man hinmöchte, bemüht man sich auch“, sagt sie. Mit dieser Einstellung möchte sie ein Vorbild sein. „Mädchen und Frauen sollen sich nicht durch eine vermeintliche Männerdomäne einschüchtern lassen, sondern zeigen, was sie können.“

 

Der Wettbewerb: Betriebe trumpfen mit Nachwuchs auf

Der Wettbewerb um den „Top Azubi“ wird seit 2007 jedes Jahr von den Handwerkskammern Schwerin und Ostmecklenburg-Vorpommern ausgeschrieben. Bewerben können sich alle in den Handwerksrollen der Handwerkskammern aus MV eingetragenen Betriebe, die einen oder mehrere Auszubildende im Betrieb haben, die ihre Ausbildung am Wettbewerbstag noch nicht abgeschlossen haben. Viele  nutzten diese Gelegenheit sofort: In diesem Jahr sind 32 Bewerbungen aus den verschiedensten Bereichen des Handwerks eingegangen. Bei der Vorauswahl konnten sich zwölf Azubis durchsetzen, die heute in Rostock um den ersten Platz des Wettbewerbs kämpfen. Eine prominent besetzte Jury wird alle Kandidaten  bewerten.  Der Sieger wird  am  3. November in der Rostocker Borwin-Schule offiziell gekürt.  Unsere Zeitung ist einer der Medienpartner des Wettbewerbs.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen