Frauenmord vom Tollensesee aufgeklärt

Foto: Bernd Wüstneck dpa/lmv
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28. Juni 2012, 01:26 Uhr

Es war nicht ein Mord in der Rotlichtszene, sondern eine Beziehungstat: Der rätselhafte Frauenmord vom Tollensesee bei Neubrandenburg ist nach sechs Monaten aufgeklärt.

Der mutmaßliche Täter war ein 69 Jahre alter Mann aus Neubrandenburg, wie Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler am Mittwoch in Neubrandenburg sagte. Der Rentner habe seine 68 Jahre alte Ehefrau Ende 2011 getötet, die Leiche zerstückelt und unter anderem in den Tollensesee geworfen. Dort und im Neubrandenburger Mühlenteich waren seit Jahresbeginn immer wieder Leichenteile gefunden worden. Der mutmaßliche Mörder lebt aber nicht mehr: Er nahm sich vor rund einer Woche das Leben, seine Leiche wurde in einem Auto gefunden. Ein DNA-Test bestätigte nach Angaben der Ermittler, dass es sich um den Täter handeln muss.

Der gelernte Maschinenschlosser, der vor der Rente arbeitslos war, habe äußerst zurückgezogen mit seiner Frau in einem Mehrfamilienhaus in der Neubrandenburger Oststadt gewohnt. Letztlich habe vermutlich der Fahndungsdruck durch einen Massengentest den Mann zum Selbstmord getrieben, sagte Zeisler. Die Polizei hatte rund 9000 Neubrandenburger im Alter zwischen 50 und 70 Jahren zur Abgabe einer Speichelprobe geladen. Die Ermittler hatten DNA-Spuren an Plastiktüten gefunden, mit denen die Leichenteile zum See gebracht worden waren. Der jetzt Ermittelte habe eine Einladung zum 12. April bekommen und sei nicht gekommen, sagte Zeisler.

Vor einer Woche fand die Polizei mit Hilfe eines Garagenbesitzers, der Verwesungsgeruch in einer Garagensiedlung bemerkt hatte, den Toten in seinem Wagen. Der Mann hatte alles abgedichtet und sich mit Hilfe der Abgase erstickt. „Wir haben die DNA-Spuren des Mannes mit den DNA-Spuren an den Plastiktüten verglichen und sie stimmen überein“, erläuterte Zeisler.

Das Verschwinden der Frau sei nicht aufgefallen, weil der Rentner in der Nachbarschaft erzählt hatte, seine Frau müsse in Berlin ihre Schwester pflegen. Später hieß es, seine Frau sei zur Kur. „Dann erzählte er, dass er selbst der Frau hinterherfahre“, sagte der Leiter der Mordkommission Frank Taggesell.

Das Motiv sei noch nicht geklärt, auch der genaue Tatort und die eigentliche Todesursache der Frau sind noch unklar. „Die Wohnung war sehr sauber, kaum Spuren“, sagte Taggesell. Man habe aber einen Abschiedsbrief des Mannes gefunden. Darin heiße es: Jeder in Neubrandenburg, der die letzten Monate verfolgt habe, müsse ihn für ein Monster halten, wenn alles herauskomme. Zudem habe seine Frau Schmerzen gehabt und die Einhaltung eines Versprechens von ihm gefordert.

In der Nachbarschaft sei aber nicht bekannt gewesen, inwieweit die Frau wirklich krank war, sagte Taggesell. Auch in der Familie selbst habe es kaum Kontakte gegeben. Für die Polizei ist die Arbeit noch nicht zu Ende: Es werde noch nach Tatwerkzeugen gesucht und auch der Kopf des Opfers ist noch verschwunden. Zuvor waren mehr als 500 Frauen, darunter 374 ausländische Frauen, überprüft worden, weil es den Verdacht gab, dass die Verschwundene aus der Rotlichtszene stammt. Auch ein ominöser Anruf, bei dem von „einem Dicken aus Krakau“ als Täter die Rede war, könnte aufgeklärt sein. „Der Anrufer könnte der Mörder selbst gewesen sein“, meinte Taggesell.

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