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Trägervereine in MV schlagen Alarm : Frauenhäuser sind in Not

vom
Aus der Onlineredaktion

Zuschüsse stagnieren seit mehr als zehn Jahren

von
erstellt am 15.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Frauenhäuser und Beratungsstellen gegen häusliche und sexualisierte Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern sind in schwierige Fahrwasser geraten. Grund: „Die Landeszuschüsse sind seit 2005 eingefroren. Es wird immer schwerer, Mitarbeiter für Schutzeinrichtungen und Beratungsstellen zu finden“, sagte gestern Reinhard Marschner, Geschäftsführer des Vereins Quo Vadis, der in Neubrandenburg das Frauenhaus betreibt und Gewaltopfer berät. Etwa 70 Mitarbeiter in den landesweit 32 Einrichtungen würden wegen der eingefrorenen Zuschüsse bis zu 48 Prozent unter Tarif arbeiten. Freie Stellen blieben monatelang unbesetzt, weil die Gehälter zu niedrig seien. Von den ursprünglich 17 Frauenhäusern im Land gibt es inzwischen nur noch neun.

Ulrike Bartel, Geschäftsführerin von Frauen helfen Frauen in Rostock, wirft der Landesregierung vor: „Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat tarifliche Entlohnung der Menschen in unserem Bundesland eingefordert, das spiegelt sich nicht im Regierungshandeln wider.“ So verdiene etwa eine Sozialpädagogin mit Hochschulabschluss im öffentlichen Dienst in der Endstufe bis zu 4500 Euro brutto im Monat. In Frauenhäusern erhalten Mitarbeiter in vergleichbaren Positionen noch wie vor 12 Jahren 3000 Euro.

 

Die Inflationsrate sei von 2005 bis 2017 um 18,5 Prozent gestiegen. Viele Kollegen nähmen seit Jahren real einen Lohnverzicht in Kauf. Die Bezüge der Landtagsabgeordneten seien hingegen seit 2006 um 27,3 Prozent gestiegen.

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) äußerte Verständnis. „Ich kann verstehen, dass es Enttäuschung darüber gibt, dass die Personalkostenförderung im Beratungsbereich noch nicht gestiegen ist“, sagte sie. Dieses Thema bleibe auf ihrer politischen Agenda. Die Ministerin verweist darauf, dass ab 2018 der Landeszuschuss für zusätzliche Stellen um 140 000 Euro erhöht werde. Die Träger der Frauenhäuser entgegneten, dass die zusätzlichen Stellen wegen der niedrigen Löhne nicht besetzt werden könnten. Die Linke im Landtag forderte eine tarifliche Bezahlung in Frauenhäusern.

 

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