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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 19:53 Uhr

Frauenhäuser ohne Barrieren

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svz.de von
erstellt am 25.Jun.2013 | 10:26 Uhr

Schwerin | Der Weg in ein Frauenhaus ist für viele Betroffene eine Überwindung und schwer. In Mecklenburg-Vorpommern ist dieser teilweise noch schwerer, da es nicht ein Frauenhaus oder eine Beratungs- sowie Interventionsstelle gibt, die barrierefrei ist. Frauen mit einer Behinderung seien in der Regel zwei bis drei Mal häufiger von Gewalt betroffen als nicht behinderte Frauen, berichtet die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Karen Stramm. Dieses Problem wurde durch eine Anfrage der Fraktion die Linke des Landtages MV an das Sozialministerium erkannt.

"Frauenhäuser sowie Beratungs- und Interventionsstellen sind eine Pflichtaufgabe des Landes. Sie sollen den Betroffenen Rat und Hilfe gewähren und notfalls auch Schutz geben. Die Aufnahme muss bei Tag und Nacht möglich sein", erklärt Stramm. So erhielten laut der Landeskoordinierungsstelle Cora im Jahr 2012 in 3855 Fällen Erwachsene Schutz und Hilfe durch die Beratungs- und Hilfeeinrichtungen. Jedoch gelte dies offenbar nicht für Menschen mit Behinderung. Da alle Frauenhäuser und Beratungs- sowie Interventionsstellen in MV nicht barrierefrei sind. Ein Skandal, so Claudia Schreyer, Pressesprecherin der Fraktion Die Linke im Landtag.

Bekannt ist das Problem Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) bereits seit einer Untersuchung im Jahr 2010: "Die Herstellung von Barrierefreiheit im Beratungs- und Hilfenetz für die Opfer von häuslicher und sexualisierter Gewalt ist mir ein wichtiges Anliegen. Mein Augenmerk liegt besonders auf den Frauenhäusern." Schließlich hielten sich dort Frauen gemeinsam mit ihren Kindern manchmal für eine erhebliche Dauer auf.

Allerdings sei die Umsetzung der Forderung nach Barrierefreiheit nicht ganz so einfach machbar, wie gewünscht. "Die Frauenhäuser werden von privaten Trägern betrieben, die gemeinnützig sind, also nicht gewinnorientiert arbeiten. Deshalb können die Räume nicht so einfach barrierefrei umgebaut werden", berichtet Claudia Ring von der Leitstelle für Frauen und Gleichstellung. Zudem sei es nicht einfach nur damit getan, eine Rampe aufzubauen, sondern auch z.B. die Küchen und Aufenthaltsräume in den Häusern mit Blindenschrift auszustatten oder Lichtsignale als Klingel anzubringen, so Ring weiter.

Deshalb befindet sich das Sozialministerium mit einem der privaten Träger in Verhandlungen: "Seit Anfang des Jahres stehen wir im Kontakt mit einem unserer Träger, der mehrere Beratungs- und Hilfeeinrichtungen betreibt. Gemeinsam entwickeln wir eine Strategie, wie wir das erste barrierefreie Frauenhaus realisieren können", berichtet Sozialministerin Schwesig. Dieses erste barrierefreie Frauenhaus soll es dann in Schwerin geben.

Dies ist aber nur eines der neun Häuser, in denen Frauen in Not Zuflucht finden. Weitere befinden sich in Rostock, Wismar, Ludwigslust, Greifswald, Neubrandenburg, Güstrow, Stralsund und Ribnitz-Damgarten. "Wir wollen die gesamte Fläche unseres Bundeslandes ausnutzen, um den Frauen genügend Schutz zu bieten", sagt Claudia Ring. Darüber hinaus gebe es weitverbreitete Beratungsstellen für häusliche und sexualisierte Gewalt sowie Männerberatungsstellen. "Der Anteil von Männern, die Opfer häuslicher Gewalt sind, ist im Verhältnis zu den betroffenen Frauen sehr gering. Männer werden aber natürlich ebenso in unseren Fachberatungsstellen betreut und beraten", so Ring.

Für die Fraktion die Linke ist es nicht hinnehmbar, dass Frauenhäuser sowie Beratungs- und Interventionsstellen nicht in den Geltungsbereich des Landesbehindertengleichstellungsgesetzes fallen und damit nicht entsprechend kontrolliert werden. Jedoch könne, laut Claudia Ring, nicht einfach in die Bereiche der privaten Träger eingegriffen werden. Die meisten Häuser, in denen sich eine Beratungs- oder Interventionsstelle bzw. ein Frauenhaus befindet, sind Altbauten, in denen nicht einfach renoviert werden könne. Aus diesem Grund müsse mit den Trägern der Plan der Umbauten erarbeitet werden. "Wir sind auf einem guten Weg", erklärt Ring.

Die Linke geht jedoch noch weiter und empfiehlt eine externe Kontrolle der Frauenhäuser und Beratungs- sowie Interventionsstellen in MV. Die Landesregierung sei in der Pflicht, die Träger der Häuser angemessen finanziell auszustatten, damit diese die Einrichtungen barrierefrei gestalten können. Nur so könne der Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe für alle Bürger am gesellschaftlichen Leben umgesetzt werden (Inklusion), fordert die Fraktion.

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