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Prostitution in MV : Frauen wie Vieh verkauft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Immer häufiger kommen Prostituierte in MV aus Bulgarien, Rumänien und Ungarn

Die Rotlichtszene in Mecklenburg-Vorpommern befindet sich im Wandel. „Wir haben einen deutlichen Zuwachs von Frauen aus Bulgarien, Rumänien und Ungarn“, sagte Tom Winterfeldt, Ermittler im Dezernat für schwere Kriminalität im Landeskriminalamt (LKA), gestern auf dem Fachtag „Prostitution in MV“ in Güstrow. Viele der Frauen aus Südosteuropa würden der ethnischen Minderheit der Roma und Sinti angehören und in Schwerin, Rostock und Neubrandenburg teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen leben.

Nach Schätzungen des LKA bieten 400 bis 500 Frauen landesweit Sex für Geld an. 75 bis 80 Prozent der Prostituierten kommen aus dem Ausland. Nach Erkenntnissen der Ermittler gibt es 17 Bordelle – unter anderem in Rostock, Schwerin, Wismar und Neubrandenburg. Doch Prostitution findet im Nordosten vor allem in Modellwohnungen statt. „Wir gehen von 116 Objekten mit etwa 200 Wohnungen landesweit aus“, schätzte Winterfeldt ein. Die meisten gibt es in Rostock und Schwerin. Aber auch in Kleinstädten wie Hagenow wird käufliche Liebe in Modellwohnungen angeboten. Auf Internetseiten wie „rotlicht-mv“ machen täglich 200 bis 250 Prostituierte aus dem Nordosten Werbung für sich. Einen Straßenstrich, so wie in Hamburg gebe es dagegen nicht, meinte Winterfeldt.

In einer Kellerwohnung in einem ganz normalen Mietshaus in der Wismarschen Straße in Schwerin wurden vor zwei Jahren bei einer Razzia mehrere bulgarische Frauen in einem völlig verwahrlosten Zustand aufgefunden, berichtete Fahnder Winterfeld. Sieben der zehn Wohnungen im Haus waren Modellwohnungen, in denen die Frauen anschaffen mussten. Eine der Prostituieren war die damals 17-jährige Viara A., die in Bulgarien von der Familie für 300 Euro an ihre Peiniger verkauft worden war. „Wie Vieh“, kommentierte Winterfeldt. In Schwerin wurde sie vergewaltigt und geschlagen, wenn sie nicht gehorchte. Der Ermittler zeigte Fotos vom Rücken und von den Beinen des Mädchens, die voller blauer Flecke waren.

Gegen zwei mutmaßliche Zuhälter, ebenfalls aus Bulgarien, wurden Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels und sexueller Ausbeutung eingeleitet. Es war eines von neun Ermittlungsverfahren, die gegen Frauenhändler in MV im Jahr 2012 geführt wurden. 2013 ermittelte die Polizei in vier Fällen.

Ija M., der Zuhälter von Viara A, kam für vier Monate in U-Haft nach Bützow. Doch als im vergangenen Jahr der Prozess vor dem Amtsgericht Schwerin begann, war die Hauptzeugin Viara A. in ihrer Heimat in Bulgarien spurlos verschwunden. Die richterliche Vorladung zur Gerichtsverhandlung konnte ihr nicht zugestellt werden. Das Verfahren gegen Ija M. stellte das Gericht später ein.

 

 

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erstellt am 10.Apr.2014 | 11:55 Uhr

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