Diskussion im Landtag : Frauen verdienen ein Fünftel weniger

<karikatur>Christiane Pfohlmann/toonpool</karikatur>
Christiane Pfohlmann/toonpool

Frauen in MV verdienen im Durchschnitt deutlich weniger als Männer. Im Landtag stritten gestern die Parteien, ob die Lohn-Lücke per Gesetz, mit Fördergeldern oder durch Tarifverhandlungen geschlossen werden kann.

svz.de von
21. März 2013, 08:01 Uhr

Schwerin | Frauen in Mecklenburg-Vorpommern verdienen im Durchschnitt deutlich weniger als die Männer. Im Landtag stritten gestern die Parteien, ob die Lohn-Lücke am besten per Gesetz, mit Fördergeldern oder durch Tarifverhandlungen geschlossen werden kann.

"Eine moderne Gesellschaft kann es sich nicht leisten, die Hälfte der Arbeitenden zu diskriminieren", schimpfte Silke Gajek (Grüne). Und ob es um 22 Prozent Einkommensunterschied pro Jahr geht, wie er bundesweit statistisch besteht, oder "nur" um sieben Prozent wie in Mecklenburg-Vorpommern, sei dann unerheblich, pflichtete ihr Martina Tegtmeier (SPD) bei. Jedenfalls hätten die Frauen von Januar 2012 bis gestern, dem "Equal-Pay-Day" (Gleicher-Lohn-Tag), arbeiten müssen, um genauso viel Geld zu verdienen, wie die Männer im kompletten vergangenen Jahr.

Über die Gründe für die Einkommensunterschiede waren sich die verschiedenen Parteien weitgehend einig. Frauen ziehen kleine Kinder groß und pflegen kranke Angehörige - und nehmen dafür eine Auszeit vom Job oder arbeiten nur Teilzeit. So fehlen ihnen Berufserfahrung und Fortbildungen, was sich auf die Gehälter auswirkt.

Trotz guter Ausbildung wählen viele junge Frauen "typische" Frauenberufe, in denen immer noch wenig bezahlt wird: Bürokauffrau, Verkäuferin und Friseuse führen die Beliebtheitsskala an. Es sei nicht einzusehen, warum eine Altenpflegerin weniger verdiene als ein Bauarbeiter, so Tegtmeier. Es sei "eine Beleidigung", wenn Frauen sich erst "kostenlos" um die Familie kümmern, und dann auch im Beruf weniger bezahlt bekommen.

Außerdem schaffen es Frauen seltener in gut bezahlte Führungspositionen und sie schlagen nicht so viel Geld wie die Männer heraus, wenn sie ihr Gehalt frei verhandeln können.

Über die Mittel gegen die Lohnlücke konnten sich die Parteien nicht einigen. Die Grünen und die Linkspartei wollten ein Landesförderprogramm, um zum Beispiel Mädchen bislang besser bezahlte "männertypische" und naturwissenschaftliche Berufe schmackhaft zu machen. Wie die SPD plädierte die Opposition für einen gesetzlichen Mindestlohn, der vielen schlecht bezahlten Frauen helfen würde. Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) forderte ein Gesetz, das Unternehmen verpflichtet offen zu legen, welcher Mitarbeiter wie viel Gehalt bekommt. So könnten Männer und Frauen vergleichen, ob sie für gleiche Arbeit gleichen Lohn bekommen. Außerdem würden gute Kitas es Frauen ermöglichen, schnell zurück in den Beruf zu kommen. Maika Friemann-Jennert (CDU) wehrte sich gegen Mindestlohn und andere gesetzliche Eingriffe in Lohnverhandlungen. Die Tarifautonomie von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden wolle die CDU nicht anzweifeln.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen