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Equal Pay Day : "Frauen sind doch nicht dümmer"

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Satte 23 Prozent beträgt die Lohnlücke zwischen Mann und Frau in Deutschland, auch heute noch. Deshalb findet heute der Tag für gleiche Bezahlung (Equal Pay Day) statt. Im Osten ist der Gehaltsunterschied geringer.

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erstellt am 22.Mär.2012 | 06:59 Uhr

Schwerin | Satte 23 Prozent beträgt die Lohnlücke zwischen Mann und Frau in einem der höchstentwickelten Industrieländer der Erde, nämlich hier in Deutschland, auch heute noch. Der Tag für gleiche Bezahlung (Equal Pay Day), der heute begangen wird, ist der Tag des Jahres, bis zu dem die Frauen arbeiten müssen, um das gleiche Jahresgehalt zu erhalten, wie es Männer bereits am 31. Dezember auf dem Konto hatten.

Im Osten sind es dagegen nur sechs bis acht Prozent Gehaltsunterschied, aber bei einem generell geringeren Gehaltsniveau. 2706 Euro bekommen die Männer in Mecklenburg-Vorpommern, nur 2530 Euro verdienen die Frauen durchschnittlich im Monat. "Wir sind solidarisch mit den Frauen im Westen", sagt Renate Hill vom Landesfrauenrat Mecklenburg-Vorpommern. "Denn auch sechs bis acht Prozent sind ungerecht. Frauen sind doch nicht dümmer."

Die Gründe für die Lohnlücken liegen für sie auf der Hand: Die von Männern dominierten Berufe seien häufig besser bezahlt, so beispielsweise im produzierenden Gewerbe. Wohingegen Frauen oft in finanziell abgewerteten Berufen, zum Beispiel im sozialen Bereich, tätig sind.

Ein weiterer Grund für die ungleichen Gehälter: Die Rollenverteilung. Frauen würden sich auch in MV eher um die Familie kümmern und damit häufiger Teilzeit arbeiten, so Renate Hill. Frauen, die Zuverdiener. "Einen Minijob würde ein Mann nicht annehmen." Dazu käme dann die Benachteiligung durch das Steuersystem. Mit Besorgnis sieht Lisanna Straka von Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) auch die generelle Zunahme der Teilzeitstellen hierzulande. Das Bild der Frau, die im Osten Vollzeit arbeiten geht, stimme heute nicht mehr, sagt sie. Straka warnt: "Das hat so massiv abgenommen, da nähern wir uns dem Westniveau."

Regional gibt es in MV Unterschiede: Eine junge Frau mit Hauptschulabschluss, die im ehemaligen Uecker-Randow-Kreis wohne, habe sicherlich geringere Chancen, voll und zudem in ihrem Wunschberuf arbeiten zu können, so Renate Hill. "Dagegen eine Frau mit Hochschulabschluss in Schwerin - die wird mit Kusshand genommen."

Für Renate Hill ist es wichtig, die Lohngleichheit nicht nur mit Blick auf das aktuelle Entgelt zu fordern. "Die Gehaltsunterschiede wirken sich bis zum Ende aus. Es geht auch um die Renten von morgen", so die promovierte Kulturwissenschaftlerin. Denn durchschnittlich bekämen bundesweit die Frauen zwei Drittel weniger Rente als die Männer. Bei zudem derzeit rückläufigen Rentenbezügen macht diese Entwicklung Renate Hill große Sorgen. Die Weichen sollten deshalb früh gestellt werden. "Vom Alpha-Mädchen zur Beta-Frau, warum", fragt sich Lisanna Staka. Für sie ist nur schwer nachvollziehbar, warum Mädchen, die meist bessere Schulabschlüsse hätten, bei der Suche nach dem Ausbildungsplatz weniger aufs Gehalt schauten. Bei der Berufswahl sollen die Schülerinnen den "Tunnelblick" ablegen und sich nicht nur für zehn der insgesamt 365 Ausbildungsberufe interessieren, fordert sie.

Renate Hill wünscht sich, dass die Frauen selbstbewusst von Anfang an berufstätig sind. "Da haben auch Männer die Pflicht, Familienverantwortung zu übernehmen", rät sie zu neuem Rollenverständnis. Denn heute gebe es - neben karrierebewussten Frauen, die mitunter auch auf Kinder verzichten würden - auch mehr Frauen als früher, "die sich einen reichen Mann suchten und wegen der Familie aus dem Beruf ausschieden", schätzt die Vorsitzende des Landesfrauenrats.

Von der Landesregierung wünscht sie sich, dass die prekären Beschäftigungsverhältnisse eingeschränkt und ein Mindestlohn eingeführt wird. Ein positives Signal sieht Lisanna Straka in den Ministerien des Landes: Mit der neuen Legislaturperiode gebe es nun drei Staatssekretärinnen. Doch: "Auch eine Bundeskanzlerin macht noch keinen Sommer." Allein, dass man die erfolgreichen Frauen aufzählen könne, zeige, dass es Ausnahmen sind. Europaweit belegt Deutschland bei der Lohngleichheit übrigens den viertletzten Platz. Zwischen Griechenland und Tschechien. Deshalb fand der europaweite Equal Pay Day bereits am 2. März statt.

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