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Serie “Mein Verein“ : Frauen geben Frauen eine Stimme

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Soroptimist International Schwerin setzt sich für die Rechte von Mädchen und Frauen ein – vor Ort und weltweit

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2014 | 16:00 Uhr

1088 Seiten dick, aber so klein, dass es bequem in die Handtasche passt: Bis auf den knallblauen Umschlag ist das kleine Büchlein von Elfi Koujou-Reimann unscheinbar. Und doch hat es für die Hamburgerin mit Zweitwohnsitz in Karft eine große Bedeutung. Denn das Schriftwerk ist das Herzstück der Soroptimist International, kurz SI. Die nach eigenen Angaben größte Service-Organisation berufstätiger Frauen engagiert sich weltweit für die Rechte und die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen. Ihr Name leitet sich aus den lateinischen Worten „sorores optimae“ ab, was übersetzt „beste Schwestern“ bedeutet.

Die Vereinigung von mehr als 81 000 Mitgliedern ist ein international agierendes Netzwerk bestehend aus knapp 3100 Clubs in 117 Ländern. Allein in Deutschland sind 206 Clubs aktiv, in Mecklenburg- Vorpommern gibt es einen Club in Schwerin und einen auf Rügen. Ein dritter soll noch dieses Jahr in Greifswald an den Start gehen, ein weiterer in Rostock-Warnemünde befindet sich in der Gründung. Ihre Wurzeln hat die Organisation in Kalifornien. Hier wurde SI-Club 1921 gegründet.

Koujou-Reimann gehört dem Club in Hamburg an und das blaue Buch ist so etwas wie ihre Clubfibel. Darin sind die Namen, Adressen und Berufe aller SI-Mitglieder aufgelistet. Auch ein Eintrag zu Erika Ewald ist dort zu finden. Die 74-Jährige ist eine von 23 „besten Schwestern“ in Schwerin. Sie war dabei, als der Club vor 19 Jahren in der Landeshauptstadt gegründet wurde. Die Anregungen dazu kam von dem damals bereits bestehenden Club in Schwerins Partnerstadt Wuppertal. „Vier der Wuppertaler Schwestern hatten sich in den Kopf gesetzt, in Schwerin einen neuen Club zu gründen. Sie kamen hierher und warben um Mitglieder. So haben sie auch mich angesprochen“, erinnert sich Ewald.


Mitglieder nach Prinzip der Vielfalt ausgewählt


Eine Clubschwester zu sein, ist ein Privileg. Denn Mitglied kann nur werden, wer dazugebeten wird. „Man muss von einem Mitglied vorgeschlagen werden und sich den anderen vorstellen. In einer geheimen Wahl wird dann entschieden, ob man zu den Schwestern passt. Die Entscheidung muss einstimmig sein“, so Ewald, die 40 Jahre als Sängerin am Staatstheater Schwerin arbeitete und jetzt ihren Ruhestand genießt.

Grundprinzip der Clubs: Jeder Beruf und jede Tätigkeit darf nur durch ein aktives Mitglied vertreten sein. Damit soll eine Vielfalt der Meinungen sichergestellt werden. „Ich kannte ja nur das Theater. Die Chance erfolgreiche Frauen aus anderen Branchen kennenzulernen, war für mich der Beweggrund beizutreten“, erzählt Ewald. „So lernt man, über seinen eigenen Tellerrand zu schauen.“

Gelegenheit zum Austausch von Erfahrungen und Ansichten bieten die monatlichen Treffen der Clubs. Hier erzählen sich die Mitglieder in gemütlicher Runde von Erlebnissen aus ihrer Berufs- und Lebenswelt. Oder sie diskutieren über aktuelle gesellschaftspolitische Themen. „Wir laden uns auch Gäste ein“, sagt Ewald.

Darüber hinaus beraten sich die Schwestern auf den Zusammenkünften auch, wie sie die Stellung der Frau in der Gesellschaft weiter stärken können. Denn das Ziel der Soroptimistinnen ist es, eine weltweite Stimme für Frauen zu sein. So engagiert sich das Netzwerk auf globaler wie lokaler Ebene unter anderem für einen ungehinderten Zugang zu Bildung, Nahrung und bestmöglicher medizinischer Versorgung für Mädchen und Frauen und Projekte im Kampf gegen jegliche Gewalt gegen Frauen.


In der Gemeinschaft Hilfe leisten


Die Schweriner Schwestern riefen vor einigen Jahren beispielsweise einen interkulturellen Pflegedienst ins Leben. Russisch sprechenden Immigrantinnen verhalfen sie zu Ausbildungen als Kranken- und Altenpflegehelferinnen, inklusive Deutschkurs, und unterstützen sie finanziell beim Erwerb der Fahrerlaubnis. Regelmäßig lassen die Clubschwestern der Einrichtung „Frauen im Zentrum“ in Schwerin Sach- und Geldspenden zukommen, ebenso dem pädagogischen Mittagstisch vom Kinderschutzbund.

Finanziert werden die sozialen Projekte mit Mitgliederbeiträgen, Spenden und Einnahmen aus Benefizveranstaltungen. „Erst im April haben unsere Mitglieder Sachen gestiftet und diese dann auf einem Flohmarkt verkauft“, erzählt Ewald.

Die finanzielle Unterstützung sei aber nicht das Hauptaugenmerk der Soroptimistinnen. „Es geht vielmehr darum, durch das persönliche Engagement eines jedes Einzelnen anderen gemeinschaftlich zu helfen“, erklärt Koujou-Reimann. So fördern sie Frauen mit Führungspotenzial, indem sie ihnen vor allem das Know-how ihrer Mitglieder zur Verfügung stellen. Dafür vermitteln sie ihnen passende Mentorinnen, die ihnen mit Erfahrungen aus dem Berufsalltag zur Seite stehen. Gleichzeitig wollen sie die künftigen Chefinnen für Soroptimist International begeistern, um sie eines Tages eventuell als neue Schwestern in ihre Reihen aufzunehmen. Dann werden sie auch Teil des Frauen-Netzwerks sein und ihre Namen in dem kleinen Büchlein mit dem knallblauen Umschlag stehen.


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