zur Navigation springen

Prozess im Fall Alt Rehse : Frau stirbt nach Peitschenhieben: Angeklagter schweigt

vom

Ein 51-jähriger Mann soll seine Lebensgefährtin gefesselt und derart misshandelt haben, dass sie starb. Die stark verweste Leiche wird erst viel später in seinem Haus gefunden. Der Mann sah sich vom Bundesnachrichtendienst verfolgt.

svz.de von
erstellt am 25.Jan.2017 | 14:44 Uhr

Gefesselt und gefoltert: Eine 32-jährige Frau, deren Leiche in Alt Rehse bei Neubrandenburg gefunden wurde, hat ein Martyrium erdulden müssen. Das wurde am Mittwoch zu Prozessbeginn gegen ihren Ex-Lebensgefährten am Landgericht Neubrandenburg deutlich.

Der 51-Jährige hatte gegenüber der Polizei von „Folter“ gesprochen, was ein Polizist als Zeuge vor Gericht wiederholte. Der Angeklagte habe die Frau nackt gefesselt, ihre Haare ans Bett gebunden und sie über etwa zwei Stunden mit einer Peitsche geschlagen, erklärte Staatsanwalt Stefan Gandert. Trinken und Essen habe er ihr verweigert.

Dem Computerfachmann wird Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Vor Gericht wollte der Angeklagte auf Anraten seines Verteidigers aber keine Angaben machen. „Ich vertraue meinem Rechtsanwalt diesbezüglich“, sagte er zu Richter Klaus Kabisch.

Der 51-Jährige stammt aus der Nähe von Stuttgart und war vor mehreren Jahren nach Alt Rehse gezogen. Er hatte die Frau, die aus Rheinland-Pfalz stammt, über das Internet kennengelernt, berichtete der Polizeibeamte. Das Opfer war vorher durch eine Sat.1-Kuppelshow im TV und im Internet bekannt geworden. Die Frau wurde bei Amtsgeschäften gerichtlich betreut.   Nachdem sie zu dem Mann nach Alt Rehse gezogen war, habe dieser ihr nach einiger Zeit vorgeworfen, dass der Bundesnachrichtendienst sie auf ihn angesetzt und sie ihn bestohlen habe. Nach den Misshandlungen sei sie bewusstlos gewesen, sagte der Zeuge. Dann habe der Angeklagte sie einmal wiederbelebt, aber kurz danach sei sie gestorben.

Der Angeklagte hatte die Leiche nach eigenen Angaben dann auf eine Sackkarre gelegt, in mehreren Lagen mit Tüten, Vorhängen und anderem Material verpackt und mehrfach an andere Stellen in der ehemaligen Gaststätte gefahren, in der zusammen mit der Frau gelebt hatte.„Die genaue Todesursache war nicht mehr feststellbar“, erklärte Gerichtsmediziner Klaus-Peter Philipp. Der Vorfall soll sich bereits im sommerlich warmen Juni 2016 ereignet haben, die skelettierte Leiche war aber erst durch Zufall im August im Haus des Mannes gefunden worden.

Nachbarn hatten wegen wiederholter Ruhestörung die Polizei gerufen, die einem sonderbaren Geruch nachgingen und die Tote fanden.

Dorfbewohner und das Ordnungsamt hatten die Frau schon länger vermisst. Der Mann wurde im Ort als sonderbar betrachtet, „Ich halte ein Kreislaufversagen für eine mögliche Todesursache“, sagte Philipp. Dazu könnten Atemnot aufgrund der unnatürlichen Haltung wegen der Fesseln und Schwäche aufgrund von Misshandlungen und Flüssigkeitsverlust beigetragen haben.

Der Angeklagte, der im Gericht Fußfesseln trug, blätterte bei den Schilderungen des Rechtsmediziners über den verwesten Zustand der Leiche in seinen Unterlagen, dann starrte er den Gutachter an. Eine Gefühlsregung ließ er nicht erkennen.

Zu Prozessbeginn hatte der Verteidiger den Ausschluss der Öffentlichkeit verlangt. Es könnten Persönlichkeitsrechte des Mandanten und des Opfer verletzt werden. Das lehnte das Gericht ab, da der Angeklagte keine Aussage machen wollte. Im Verfahren begutachtet eine Psychiatrie-Expertin den 51-Jährigen, der sich einem Gespräch mit ihr aber verweigert hatte. Sie soll einschätzen, inwieweit der Mann schuldfähig ist.

Der Prozess wird am 13. Februar mit einem weiteren Polizisten als Zeugen fortgesetzt. Ein Urteil soll frühestens am 1. März fallen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen