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Revision gegen Urteil eingelegt : Frau stirbt bei Folter: Fall kommt vor Bundesgerichtshof

vom

Das Landgericht Neubrandenburg verurteilt Täter im Fall Alt Rehse zu fünf Jahren Haft. Doch der will das Urteil nicht hinnehmen.

svz.de von
erstellt am 24.Mär.2017 | 08:19 Uhr

Der erschütternde Fall einer Frau in Alt Rehse bei Neubrandenburg, die zu Tode gefoltert wurde, wird den Bundesgerichtshof beschäftigen. Der Anwalt des zu fünf Jahre Haft verurteilten Lebensgefährten des Opfers hat Revision eingelegt, wie der Sprecher des Landgerichtes Neubrandenburg Carl Christian Deutsch am Freitag sagte. Damit werde der Bundesgerichtshof den Prozess gegen den 51-Jährigen auf Gesetzesverletzungen hin prüfen. Das könne wohl mindestens sechs Monate dauern.

Das Gericht hatte den Mann vor einer Woche der Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen. Dem Verurteilten wurde aufgrund seiner psychischen Verfassung eine „verminderte Schuldfähigkeit“ zugestanden, obwohl er sich weigerte, mit der psychiatrischen Gutachterin zu reden. Er hatte seine 32 Jahre alte Lebensgefährtin nach Auffassung des Gerichtes im Juni 2016 in seinem Haus nackt gefesselt, mit einer Peitsche misshandelt und sie dann sterben lassen. Die stark verweste Leiche war erst zwei Monate später bei einem Einsatz wegen Ruhestörung in dem Haus gefunden worden.

Der Verteidiger hatte moniert, dass Aussagen von Polizisten in dem Prozess verwendet wurden, die den 51-Jährigen ohne anwaltlichen Beistand verhört hatten. In der Vernehmung im August 2016 hatte der Mann die Tat gestanden. Er gab an, seine Lebensgefährtin gefoltert zu haben, weil sie „vom Bundesnachrichtendienst und den Dorfbewohnern auf mich angesetzt war“.

Vor Gericht wollte der Verurteilte auf Anraten des Verteidigers zu der Tat eigentlich nichts sagen. Allerdings ging er in seinem letzten Wort vor dem Urteil doch auf die Frau ein, die aus Rheinland-Pfalz zu ihm gezogen war: „Ihr Tod kam für mich mehr als überraschend, und ich kann mir nicht erklären, warum ich nicht den Notarzt geholt habe.“ Er habe wohl schon vorher jegliches Vertrauen in den Rechtsstaat verloren.  Das Paar hatte sich über das Internet kennengelernt.

Das Gericht war mit dem Urteil weitgehend der Staatsanwaltschaft gefolgt, die sechseinhalb Jahre Freiheitsstrafe verlangt hatte. Der Verteidiger hatte Freispruch gefordert, da seinem Mandanten die Tat nicht nachzuweisen sei. Ziel der Verteidigung war es außerdem, zu verhindern, dass der 51-Jährige wegen Gefährlichkeit dauerhaft in einer Gefängnispsychiatrie untergebracht wird. Der Anwalt der Nebenklage, der den Vater des Opfers vertrat, sah den Fall als „Totschlag mit Mordmerkmalen“ und hatte elf Jahre Haft gefordert.

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