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Fünf Jahre Haft im Schweriner Drogenprozess : Frau ahnungslos, Männer reumütig

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Im Schweriner Drogenprozess ist der Haupttäter gestern zu fünf und ein Komplize zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Drei weitere bekamen Bewährungsstrafen. Sie sollen mit mehr als 100 Kilo Marihuana gehandelt haben.

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erstellt am 16.Apr.2012 | 07:58 Uhr

Schwerin | Maskierte Polizisten verfolgten den Prozess vor der Tür und im großen Saal des Schweriner Landgerichts. Jeder Besucher musste gründliche Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen. Nicht, weil es in diesem Drogenprozess um besonders große Fische ging. Zwar sind mehr als 100 Kilogramm Marihuana sowie Kokain und Amphetamine auch kein Pappenstil. Aber in diesem Haus wurden schon schwerere Kaliber verhandelt.

Doch gerade im Drogenmilieu sind Ermittler immer wieder auf Aussagen von Insidern angewiesen. Die können dann mit vergleichsweise milden Strafen rechnen. Dafür müssen sie die Rache aus dem Milieu fürchten. Und weil auch in diesem Prozess ein Beteiligter frühzeitig plauderte und er und seine Familie daraufhin bedroht wurden, steht er nun unter dem besonderen Schutz der Staatsmacht. Der 26-jährige, einschlägig vorbestrafte Mann kam gestern trotzdem nicht ungeschoren davon. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Bei 61 Fällen illegalen Rauschgifthandels - ein früheres Urteil wurde mit einbezogen - ging es für ihn glimpflich aus. Eben auch, weil mit seiner Hilfe weitere Beteiligte dingfest gemacht werden konnten.

Neben ihm auf der Anklagebank saßen eine Frau und drei Männer - alle aus Schwerin und Umgebung. Sie waren in unterschiedlichem Umfang und aus unterschiedlichen Gründen an dem illegalen Geschäft beteiligt. Sie haben laut Gericht die Betäubungsmittel im Raum Meppen nahe der niederländischen Grenze in Empfang genommen, in Mecklenburg unter die Leute gebracht und damit insgesamt einen Betrag von mehr als 100 000 Euro eingenommen.

Der 25-jährige Haupttäter wurde zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Auch er hatte ein Geständnis abgelegt, was seinen eigenen Beitrag angeht. Und bekam, so das Gericht, deshalb "Druck" aus der Szene zu spüren. Er hatte als Zwischenhändler Marihuana für etwa 4300 Euro je Kilo abgenommen und für 5000 Euro weiter verkauft. 21 Fälle konnten dem Schweriner nachgewiesen werden, der aus einer gut situierten Familie stammt. Offenbar aus Liebe zu ihm hat seine Freundin eine Kurierfahrt unternommen - und ist damit gleich mit vor Gericht gelandet. Die 24-jährige junge Mutter erhielt dafür wegen Beihilfe eine Strafe von einem Jahr auf Bewährung. Bei ihrer Fahrt war das Ganze aufgeflogen.

Dem Mann, den die junge Frau chauffiert hatte - ein 56-jähriger Kurier -, hielt das Gericht gestern zugute, dass er aus reiner Geldnot mitmachte. Er wurde ebenfalls auf Bewährung verurteilt. Wie auch ein 24-Jähriger Dealer, der sich frühzeitig aus dem Drogengeschäft zurückzog.

Die Strafen gestern kamen für die Angeklagten nicht überraschend. Das Gericht hatte sie nach Absprache mit Verteidigung und Staatsanwalt vorher in Aussicht gestellt, wenn glaubhafte Geständnisse abgelegt würden. Die Männer taten dies und zeigten Reue. Die Frau hatte erklärt, nichts von den Drogengeschäften gewusst zu haben. "Eine Frau stellt keine Fragen", sagte sie, als die Richter wissen wollten, ob ihr die Auftragsfahrt nach Meppen nicht merkwürdig vorkam.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Demnächst wird es in Schwerin eine weitere Verhandlung in dieser Sache geben. Dann steht ein ehemaliger "Geschäftspartner" des Hauptangeklagten vor Gericht. Er sitzt bereits wegen illegalen Drogenhandels in Haft.

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