Ostseebad Boltenhagen : Foto-Verbot am Strand erhitzt Gemüter

Warnung: Ein Schild informiert in Boltenhagen über die Fotoregeln für Urlauber.

Warnung: Ein Schild informiert in Boltenhagen über die Fotoregeln für Urlauber.

Keine Urlaubsfotos mehr an der Ostsee? Im Badeort Boltenhagen sorgen Kamera-Verbotsschilder am Strand für Aufregung.

svz.de von
20. Juni 2016, 14:52 Uhr

Im Ostseebad Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) sorgen Kamera-Verbotsschilder für Aufregung. Schon am Wochenende hatten kleine Aufkleber mit einem durchgestrichenen Fotoapparat an Schildern an den 20 Strandzugängen des Ortes Diskussionen ausgelöst.

Es gebe aber kein generelles Foto-Verbot, nur Fremde dürften am Strand nicht abgelichtet werden, sagte Kurdirektorin Claudia Hörl am Montag. Sie relativierte damit Medienberichte. Die Hinweise gingen auf einen im Mai von Sozialministerium und Tourismusverband vorgestellten Flyer zurück, der über Gefahren und übliche Verhaltensweisen an Stränden aufkläre, sagte Hörl.

Der Text zum Foto-Aufkleber in deutsch, englisch und arabisch sollte nachträglich angebracht werden, sagte Boltenhagens Marketingchefin Katleen Herr. Bis Montagabend waren die Zusatz-Schildchen dann angeklebt. Die Formulierung „Bitte fotografieren Sie keine fremden Menschen ohne deren Zustimmung“ sei eine Empfehlung, betonte Herr.„Es wäre ja furchtbar, wenn die Seebrücke, die Steilküste und der Zuckersandstrand von Boltenhagen nicht mehr abgebildet würden!“ Auch die eigenen Kinder sollen weiterhin beim Buddeln fotografiert werden, nur eben fremde Besucher nicht.„Wir wollen an die Leute appellieren, auf die Persönlichkeitsrechte der Strandgäste Rücksicht zu nehmen“, sagte die Kurdirektorin.

Boltenhagen liege an der früheren innerdeutschen Grenze. „Es gab hier lange genug Beobachtungstürme. Früher sind die Leute am Strand dauernd überwacht worden.“ Grenztruppen der DDR sollten auf diese Weise Flüchtlinge aufspüren, die über die Lübecker Bucht in den Westen gelangen wollten. Viele Gäste reagierten noch immer sehr sensibel auf Ferngläser und Kameras am Strand, erklärte Hörl.

Mitte Mai hatte Landessozialministerin Birgit Hesse (SPD) den mehrsprachigen Flyer vorgestellt, der sich insbesondere an Asylbewerber richtet. Dort seien Regeln mit aufgenommen worden, die für Einheimische als selbstverständlich gelten sollten, meinte die Ministerin. Als Beispiele nannte sie das Respektieren der Intimsphäre der Badenden. 25 000 dieser Hinweiszettel sollen in Kurverwaltungen, Hotels und an Rettungstürmen an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns ausgelegt werden.

Die Foto-Aufkleberaktion in Boltenhagen sei „unglücklich“ gelaufen, sagte Tobias Woitendorf, Sprecher des Landestourismusverbandes in Rostock. „Es ist nicht optimal, den Anschein zu erwecken, dass Fotografieren generell verboten ist.“ Das Ostseebad tue gut daran, den erklärenden Zusatz anzubringen. Nichts Neues sei es, dass gerade am Badestrand mit seinen vielen leicht bekleideten Leuten die Persönlichkeitsrechte besonders streng zu achten sind. Doch niemand könne ernsthaft wollen, dass Sonnenuntergänge am Meer künftig nur noch auf Archivbildern vorkommen.

Im Nachbarland Schleswig-Holstein verstehen viele den Rummel um die Verbotsschilder nicht. „Wir befinden uns im Abstimmungsprozess, ob so ein Verbot in Schleswig-Holstein überhaupt nötig ist“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Landestourismusverbandes, Frank Behrens. Auch Landesdatenschutzbeauftragte Marit Hansen sieht keinen Anlass für ein Foto-Verbot: „Das wäre auch schwer durchsetzbar und noch schwerer zu überwachen“, sagte sie. Dagegen ist in den Lübecker Hallen- und Freibädern das Fotografieren und Filmen fremder Personen und Gruppen ohne deren Einwilligung nicht gestattet.

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