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Forstverwaltung in MV : Forstämter bleiben, Personal aber muss gehen

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Entwarnung im Wald: Die Pläne zum Umbau der Forstverwaltung in MV sind vom Tisch. In einem Zukunftskonzept ist vorgesehen, alle vier Standorte bis 2020 zu erhalten, aber die Zahl der 200 Reviere im Land zu verkleinern.

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erstellt am 26.Okt.2012 | 08:06 Uhr

Schwerin | Entwarnung im Wald: Die Pläne zum Umbau der Forstverwaltung in MV sind vom Tisch. Es bleibe bei der Struktur von 29 Forstämtern im Land, kündigte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) im Gespräch mit unserer Zeitung an. Ursprünglich war vorgesehen die Zahl der Ämter weiter zu reduzieren und die Verwaltungen in Ludwigslust und Conow in Westmecklenburg sowie Torgelow und Rothemühl in Vorpommern zusammenzulegen.

In einem neuen bis 2020 fortgeschriebenen Unternehmenskonzept der Landesforstanstalt ist nun vorgesehen, alle vier Standorte zu erhalten, die Zahl der etwa 200 Reviere im Land aber geringfügig zu verkleinern. Zudem wird das bisherige Forstamt Abtshagen/Rügen aufgelöst und wie bereits auf Usedom wieder ein eigenständiges Inselforstamt eingerichtet. Das Konzept soll vom Verwaltungsrat noch im Dezember beschlossen werden. Das bisherige Modellprojekt einer Bürogemeinschaft zwischen den Ämtern in Torgelow und Rothemühl habe gezeigt, dass eine Zusammenlegung nicht die notwendigen Einsparungen bringen würde, sagte Backhaus: "Das ist kein Modell für Mecklenburg-Vorpommern." Zudem kämen auf die Ämter in Ludwigslust und Conow neue Aufgaben zu. So müssten die Forstleute mit dem Bau der Autobahn 14 nach Magdeburg ein "Mammutprojekt begleiten". Conow komme mit der geplanten Übernahme des 6000 Hektar großen Truppenübungsplatzes in Lübtheen und der Erweiterung des angrenzenden Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe "eine wichtige Rolle zu", meinte Backhaus. Nach dem Abzug der Bundeswehr Ende 2013 will das Land das Gelände unter Schutz stellen, die Naturschutzfläche vergrößern und zusätzlichen Landeswald anlegen. Die Forstverwaltung brauche "Stabilität" und müsse "in der Fläche Präsenz zeigen", begründete Backhaus den Strukturerhalt: Unruhe in der Verwaltung helfe nicht. Die wird sich aber nicht vermeiden lassen: In der Forstverwaltung geht der Stellenabbau weiter. Es bleibe dabei, bis 2020, wie in der gesamten Landesverwaltung auch, die Zahl der Beschäftigten um neun Prozent zu reduzieren - "sozial verträglich und ohne Kündigungen", versicherte Backhaus. Nach dem 2020-Konzept sollen die bis 2013 vorgesehenen 1032 Stellen in den kommenden sieben Jahren auf 907 reduziert werden.

"Dann sind wir durch", meinte Backhaus. "Mehr können wir nicht ausschwitzen." Sonst ließen sich die Aufgaben nicht mehr erfüllen. Dem Konzept zufolge wird vor allem die Zahl der Waldarbeiter reduziert - auf landesweit 404 Stellen. Bislang arbeiten noch 1181 Beschäftigte in der Landesforst, davon sind 628 Waldarbeiter.

Weniger Personal, steigende Einnahmen, strikter Sparkurs: Nach der Gründung der Landesforstanstalt 2006 hat sich der Forstbetrieb vom Zuschussgeschäft zum Gewinnbringer entwickelt. Mit einem Umsatz von knapp 58 Millionen Euro habe die Landesforst 2011 das "bisher beste Jahr" hinter sich, meinte Backhaus. Ursprünglichen Plänen zufolge sollten die Zuschüsse für den Forstbetrieb erst 2012 auf Null zurückgefahren werden und die Forstanstalt die Gewinnzone erreichen. Durch die guten Preise am Holzmarkt sei aber bereits 2011 ein Überschuss von 7,6 Millionen Euro eingefahren worden. Zudem habe die Landesforst inzwischen Rücklagen von rund 31 Millionen Euro gebildet, sagte Backhaus: "Wir sparen für schlechte Zeiten."Auch sei der Landeszuschuss für hoheitliche Aufgaben auf 30 Millionen Euro gedrückt worden. Bislang hatte das Land jährlich insgesamt 76 Millionen Euro zugebuttert. Künftig sollen die Finanzhilfen aus der Landeskasse auf 24 Millionen Euro begrenzt werden. Die Forst habe in den 90er-Jahren einen "großen Aderlaß" hinter sich - Personalabbau für mehr Wirtschaftlichkeit. Das neue Unternehmenskonzept sei jetzt auf "angemessene Überschüsse", nicht auf "Gewinnmaximierung" ausgerichtet, sagte Backhaus.

Die Eckpunkte des Wirtschaftsplans: Die Landesforst wird u. a. den Holzverkauf drosseln, statt 920 000 Festmeter in diesem Jahr künftig jährlich 60 000 Festmeter weniger verkaufen und dadurch aber auch etwa zwei Millionen Euro weniger einnehmen. Zudem werde der Maschinenpark deutlich verkleinert. Gleichzeitig sollen aber die Kosten beispielsweise im Waldbau beim Zaunbau und Pflanzarbeiten um 771 000 Euro jährlich gedrückt und neue Einnahmequellen erschlossen werden. Mehr forstliche Dienstleistungen, Ausbau des Jagd- und Saatgutgeschäftes, Verkauf von Natur- und Umweltschutzleistungen - die Landesforst erwartet künftig jährlich rund 5,7 Millionen Euro Zusatzeinnahmen. Mehr als die Hälfte will sie mit neuen Geschäftsfeldern erwirtschaften. So plane die Forstanstalt u. a. den Einstieg in die Öko-Stromproduktion im Wald und den Aufbau eines Windparks mit sieben Windkraftanlagen. Investitionssumme: 21 Millionen Euro. Darüber hinaus wollen sich die Förster an zwei Biomasseheizkraftwerken mit Lieferverträgen beteiligen und das Tourismusgeschäft ausbauen. Dafür sollen in ehemaligen Forstämtern künftig drei Ferienwohnungen angeboten werden. Ein erstes Ferienangebot laufe bereits mit "bestem Erfolg" , sagte Backhaus: Die Forst habe noch "echte Reserven".

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