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Parchim/Kleesten : Forst legt Frost-Sonderschicht ein

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Ein Rudel Damwild tankt in aller Ruhe Sonne auf der Wiese am See, kaum einen Steinwurf entfernt vom Forsthof und den drei Wohngrundstücken des Dörfchens Kleesten mitten im Naturpark Nossentiner-Schwinzer Heide.

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erstellt am 06.Feb.2012 | 11:18 Uhr

Parchim/Kleesten | Ein Rudel Damwild tankt in aller Ruhe Sonne auf der Wiese am See, kaum einen Steinwurf entfernt vom Forsthof und den drei Wohngrundstücken des Dörfchens Kleesten mitten im Naturpark Nossentiner-Schwinzer Heide. Das Wild lässt sich vom Lärm der Kettensägen und Rücketraktoren überhaupt nicht stören. Revierförster Jürgen Lembke und seine Mannen legen an diesem Februarsamstag nämlich eine Sonderschicht ein, denn es herrscht Hochzeit in der Holzernte - "seit 2. Januar von Null auf Hundert".

Dass die Forstleute des staatlichen Forstamts Sandhof sogar an diesem Samstag rackern, hängt mit dem enormen Bedarf zusammen und mit den "Dunkelstunden", welche sich seit November auf dem Arbeitszeitkonto sammelten, weil eben wegen der Dunkelheit regulärer Dienst zwischen 7 und 16 Uhr zeitweise nicht möglich war. "Eine Vereinbarung mit unserem Personalrat gestattet diese Flexibilität", erläutert der Revierleiter und freut sich. "Die aufgelaufenen Dunkelstunden kommen uns jetzt prima zupass, zumal auch das Wetter für die anstehenden Arbeiten geradezu ideal ist."

Ein Blick auf den tief gefroren Waldboden enthüllt, was der Fachmann damit meint. Selbst der tonnenschwer mit Baumstämmen beladene "Forwarder" hinterlässt kaum Spuren in dem sensiblen Untergrund, welcher sich sonst unweigerlich verdichten und damit auf lange Sicht Schaden nehmen würde. Die fabrikneue Spezialmaschine eines privaten Forstdienstleisters holt gerade jene Stämme aus dem Wald, welche ein so genannter Harvester in den vorangegangenen 12 Tagen geerntet hat. Auch letzterer ist neu im Bestand der landeseigenen Forstverwaltung MV und bewährt sich genau wie die Investition des regionalen Unternehmers zum aller ersten Mal im Revier Kleesten östlich von Dobbertin.

Was sich inzwischen mehrere Meter hoch beiderseits des Hauptweges für den Abtransport zur industriellen Weiterverarbeitung stapelt, ist u.a. das Resultat einer planvollen Durchforstung im 95-jährigen Kiefernbestand. Förster Lembke veranschaulicht vor Ort, warum hier kein Kahlschlag erfolgte: Wenn alle gefällten Stämme heraus gerückt und das verbliebene Kronenholz an Ort und Stelle zu Hackschnitzeln verarbeit worden sei, käme im Frühjahr in die Zwischenräume der verbliebenen Kiefern eine Douglasienpflanzung sowie auf sieben Hektar erstmals eine Buchensaat.

Unter dem schützenden Schirm der Altbäume hätten die heranwachsenden bessere Chancen, sich in die Höhe zu strecken, weiß der Forstfachmann auch von der hier inzwischen gut bewährten Naturverjüngung, wie beispielsweise an anderer Stelle seines Reviers - am wildromantischen Steilufer des Woseriner Sees, das im Übrigen Teil eines wirklich empfehlenswertern überregionalen Wanderweges ist.

Aus diesem Bestand 140-jähriger Prachtbuchen in eiszeitlich geprägter Endmoränenlandschaft schlagen Rüdiger Barkowski und Bodo Regul gerade Starkholz ein. Das heißt, sie fällen per Hand ausgesuchte Bäume für die Möbel industrie.

Um das frisch geschlagene Qualitätsholz bis zum Sägegatter vor Spannungsrissen zu schützen, schlagen die erfahrenen Forstwirte in die Schnittflächen so genannte S-Haken aus Federstahl ein. Das ist eine altbewährte Methode.

Doch an diesem Sonnabend probieren sie erstmals Haken aus Kunststoff - die im Sägewerk weniger Probleme bereiten sollen. "Du brauchst uns künftig nur noch die Neuen besorgen", sagen die Waldarbeiter ihrem Chef voller Begeisterung. Bis halb drei wollen sie das herrliche Winterwetter noch für die schwere und gefährliche Arbeit nutzen und dann ins verdiente Wochenende gehen. Insgesamt 13 Buchen haben sie dann bei diesem "Subbotnik" geschafft. 32 weitere warten hier noch in der kommenden Woche auf ihre Sägen. Revierleiter Jürgen Lembke ist wie seine engagierten Mitarbeiter und Auftragnehmer sehr zufrieden mit dieser Sonderschicht und zieht auch für das gesamte vergangene Jahr eine überraschend positive Bilanz. "Die reichlichen Niederschläge haben dem Wald ausgesprochen gut getan und Reserven aufgefüllt, von denen er in Zukunft zehren kann." Während die Pflanzen in der aktuellen Frostperiode Ruhe halten, ist das Wild ebenfalls bestens versorgt, da wieder eine Vollmast von Bucheckern unter nur dünner Schneedecke den Futtertisch reichlich gedeckt hat.

Waldbesucher aber sollten bitte auf den Wegen bleiben und das Wild - wenn es sich ihnen schon am helllichten Tag zeigt - nicht stören, damit es seine wichtigen Energiereserven nicht für Flucht und Stress vergeudet, wünscht sich Förster Lembke.


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