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Speziallabor zur Erforschung der Plagegeister : Forscher nehmen Stechmücken ins Visier

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Mit einer Pinzette sortiert Helge Kampen die Mücken in der Petrischale zu kleinen Häufchen. „Culex pipiens und Culiseta annulata - nichts Außergewöhnliches", sagt der Insektenforscher.

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erstellt am 04.Aug.2012 | 01:02 Uhr

Riems | Mit einer Pinzette sortiert Helge Kampen die Mücken in der Petrischale zu kleinen Häufchen. "Culex pipiens und Culiseta annulata - nichts Außergewöhnliches", sagt der Insektenforscher. Das Dutzend Mücken, das der Entomologe des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) unter dem Mikroskop begutachtet, hat ein Hobby-Mückenjäger per Post in der Hoffnung auf einen seltenen Fang an das Bundesforschungsinstitut geschickt. Doch Kampen wird den Mückenjäger enttäuschen müssen - bei den Exemplaren handelt es sich um die gemeine Hausmücke und die Ringelmücke - zwei der häufigsten Mückenarten in Deutschland.

Deutschland ist mit 49 Stechmückenarten im weltweiten Vergleich sicher kein Paradies für die Plagegeister. Doch drei der zwischen Alpen und Ostsee nachgewiesenen Arten wurden erst nach 2007 in Deutschland gefunden, die asiatische Tigermücke, die asiatische Buschmücke und Culiseta longiareolata, die keinen deutschen Namen trägt. Das beunruhigt die Forscher, denn im Gegensatz zur für den Menschen harmlosen Culiseta longiareolata gehört die asiatische Tigermücke zu den Arten, die höchst effizient zahlreiche und für den Menschen hochgefährliche Viren übertragen können, darunter die Erreger des Dengue Fiebers und des Chikungunya-Fiebers. 2007 in Norditalien erkrankten rund 200 Menschen am Chikungunya-Fieber. 2010 kam es in Südeuropa nach Jahrzehnten erstmals wieder zu einzelnen Fällen von Dengue-Fieber.

"Die Globalisierung ist für die Einschleppung dieser Erreger viel bedeutsamer als der Klimawandel", sagt Kampen. Flugzeuge, Frachtschiffe und der Autoverkehr bringen nicht nur die Mücken in kürzester Zeit nach Mitteleuropa, sondern auch Reisende, die in den Tropen mit den exotischen Erregern infiziert wurden.

Weil es viele offene Fragen gibt, planen die FLI-Forscher auf der Insel Riems den Aufbau eines Speziallabors. In dem "Insektarium", einem Labor der Sicherheitsstufe 3, könnten ab Mitte 2013 Versuche durchgeführt werden. Nicht nur an Mücken, die per Mikroinjektion mit den Erregern infiziert werden, kann dort die Vermehrung der Viren beobachtet werden. Auch an infizierten Mäusen und Hamstern, oder an Schafen und Rindern wollen die Experten die Übertragungswege studieren.

Seit Frühjahr bekommen die Entomologen Unterstützung von Hobbyjägern, die mittlerweile in über 400 verwertbaren Einsendungen einige Hundert gut erhaltene Mückenexemplare für den "Mückenatlas" an die Institute gesandt haben.


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