zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 01:32 Uhr

Formost rettet DDR-Design

vom

svz.de von
erstellt am 09.Mai.2010 | 08:48 Uhr

Schwerin | Plauener Spitzen vor bunten Plastikbottichen, dazu Hotelgeschirr "Rationell" in trauter Einheit mit Jenaer Glas - das junge Schweriner Unternehmen Formost will 20 Jahre nach der Wiedervereinigung mit einem Laden und Internetshop ostdeutsches Design samt seiner Macher dem Vergessen entreißen. "In der deutschen Designgeschichte klafft ein Geschichtsloch von 50 Jahren", ist Inhaber Matthias Kanter überzeugt. Ein Grund sei die kollektive Formgestaltung zu DDR-Zeiten, die Namen einzelner Designer wie Hedwig Bollhagen (1907-2001), Hubert Petras oder Margarete Jahny in der Anonymität habe verblassen lassen.

Ihn treibe keine DDR-Nostalgie um, sagt Kanter. Doch Industrieprodukte von Weltrang, die heute teils noch oder wieder hergestellt würden und vor allem im Ausland gefragt seien, dürften nicht aus deutschen Kunstbüchern verschwinden. Formost habe sich daher auch die tiefgründige Recherche auf die Fahnen geschrieben. Doch die Idee eines ersten Ost-Design-Museums liegt seit Jahren auf Eis. Als "Museumsshop ohne Museum" lobt der Berliner Journalist Günter Höhne die Schweriner Initiative. Höhne war von 1984 bis 1989 Chefredakteur der DDR-Fachzeitschrift "form+zweck" des staatlichen Amtes für industrielle Formgestaltung. Der Buchautor gilt als Ost-Design-Experte. Bester Standort für das Museum wäre Wismar. Seit 2000 studieren dort wieder Produktdesigner in Tradition der früheren Fachschule für angewandte Kunst, die 1949 in der Hansestadt als erste DDR-Design-Schule gegründet worden und ab 1953 in Heiligendamm angesiedelt war. In MV könnte ein "Produktkulturmuseum" als echtes Novum und "Leuchtturm" für deutsches Design entstehen, meint der Experte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen