Grauzone : Forellenteiche spalten Anglerschaft

Ein Petrijünger versucht sein Glück.
Ein Petrijünger versucht sein Glück.

Experten diskutieren Vor- und Nachteile des Angelns in „Gefangenschaft“

svz.de von
22. August 2016, 05:00 Uhr

Bei vielen Anglern haben sie nicht den besten Ruf – Angelteiche, in denen man zumeist leichter als in der freien Wildbahn Fische aus dem Wasser ziehen kann. Der Naturschutzreferent beim Landesanglerverband in Görslow, Mario Voigt, meinte in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur sogar: „Nichts spaltet die Anglerschaft so sehr wie die Forellenteiche.“ 70 bis 80 Prozent der Angler würden sie ablehnen, schätzte Voigt.

Viele Anlagen seien jedoch bei Touristen beliebt, die einmal angeln und ein Erfolgserlebnis haben wollen. Auch für Kinder, die mit dem Angeln beginnen und noch nicht genügend Geduld aufbringen, sei ein Forellenteich eine gute Sache. „Wenn sie einen Fisch fangen, ihn zu Hause zubereiten und essen, ist das ein guter Einstieg ins Angeln“, sagte Voigt. Die nach seiner Einschätzung seit Jahren gleichbleibende Zahl von Angelteichen belege dies. Dagegen halten es die meisten Angler offensichtlich nicht für Sport, eine Forelle, die mit 400 bis 1000 Gramm aus einer Zuchtanlage kommt und vielleicht hungrig in einen Teich gesetzt wurde, nach wenigen Tagen herauszuholen. Etwas ganz anderes sei es, freilebenden Fischen nachzustellen, die sich in ihrem Gewässer auskennen, weil sie dort aufgewachsen sind.

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach Angaben des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock 20 bis 30 Forellenteichanlagen registriert. Wahrscheinlich seien es mehr, weil sich nicht alle Betreiber bei den Veterinärbehörden anmelden, sagte eine Sprecherin.

Die Forellenteiche liegen in einer Grauzone: Sie fallen nicht unter das Fischereirecht und sind keine Aquakultur, da in ihnen keine Produktion stattfindet. Die Fische würden bereits in vermarktungsfähiger Größe eingesetzt. „Es handelt sich um eine etwas andere Form des Verkaufs“, meinte LALLF-Dezernatsleiter Thomas Schaarschmidt.

Nach Tierschutzrecht muss zwischen dem Einsetzen der Fische und dem Herausfangen mindestens eine Frist von vier Wochen liegen. Wer an den Teichen angelt, braucht ebenso einen Fischereischein als Sachkundenachweis wie in öffentlichen Gewässern.

Dass es in Forellenteichen leichter sei, einen Fisch zu fangen, will Reinhard Beitz von der Wiesenquelle in Altentreptow momentan nicht hören. „Zurzeit beißt nichts“, sagt der 65-Jährige, der in den Tollensewiesen von Angeltouristik sowie einer Gaststätte und Pensionszimmern lebt. Das Wasser sei zu warm, er rate Kunden sogar ab, jetzt zu kommen. Dieses Jahr sei in allem das schlechteste bisher, meinte er. In den Teichen leben vor allem Forellen, Schleie, Aale und Karpfen. Wer angeln will, bezahlt drei Euro pro Tag und den Fisch zusätzlich nach Gewicht.

Das geht auch teurer - zum Beispiel im Ferienresort Van der Valk in Linstow. Zwei Stunden Angeln im dortigen Teich schlagen schon mit acht Euro zu Buche, pro Kilo Forelle, Karpfen oder Lachsforelle kommen sieben bis neun Euro hinzu.

In Remplin betreibt Fritz-Peter Flögel die Angeltouristik im Lennépark. Rund um die historische Sternwarte liegen die Teiche für Karpfen, Lachsforellen, Forellen, Aal oder Hecht. Der Eintritt ist frei, bezahlt werde nur der Fang.

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