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Humboldt-Haus im Schweriner Zoo : Forderung: Behindertengerecht Bauen

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Das nicht behindertenge rechte Humboldt-Haus im Schweriner Zoo sorgt weiter für Diskussionen. Dabei geht es nicht nur um den Neubau in der Südamerika-Anlage, sondern grundsätzlich um Planungen bei städtischen Betrieben.

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erstellt am 18.Nov.2011 | 07:31 Uhr

Ostorf | Das nicht behindertenge rechte Humboldt-Haus im Schweriner Zoo sorgt weiter für Diskussionen. Dabe i geht es nicht nur um den Neubau in der Südamerika-Anlage, sondern grundsätzlich um Planun gen bei städtischen Betrieben. Nachdem die Fraktion der Unabhängigen Bürger (UB) bereits eine Anfrage an Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) wegen des Humboldt-Hauses gestellt hat, bringt sie jetzt eine formale Vorlage in die Stadtvertretung ein. Darin fordert sie die Oberbürgermeisterin auf, sie solle "bei künftigen baulichen Planungen der städtischen Beteiligungen als Vertreterin der Landeshauptstadt Schwerin in den Gesellschafterversammlungen für eine behindertenfreundliche Ausgestaltung ... sorgen".

Im Klartext: Was bei städtischen Bauvorhaben bereits umgesetzt wird, soll auch in den städtischen Betrieben durchgedrückt werden. Während bei Stadtbauten der Behindertenbeirat immer einbezogen wird, haben das die stadteigenen Gesellschaften bisher nicht gemacht. "Es ist erschreckend, dass noch im Jahre 2011 Neubauten der öffentlichen Hand geplant werden, die nicht von vornherein behindertenfreundlich gestaltet sind", so die UB-Fraktion.

Beim Humboldt-Haus, das die Zoo gGmbH mit erheblichen Zuschüssen der Stadt gebaut hatte, wurde aus ökonomischen Gründen auf eine behindertengerechte Ausstattung verzichtet. Die Folge: Rollstuhlfahrer bekommen die schweren Türen nicht allein auf, sie bleiben mit ihren Reifen im Rindenmulch, der den Boden bedeckt, stecken, und die obere Ebene ist für sie gar nicht, weil nur über eine Treppe erreichbar. Das jetzt geprüft werden soll, wie nachträglich für einen behindertengerechten Zugang gesorgt werden kann, halten die Unabhängigen Bürger zwar für notwendig, aber auch für teuer. Das, so die Fraktion, soll in Zukunft vermieden werden. Denn "nachträgliche Umbauten sind immer teurer als die Einbeziehung derartiger Maßnahmen in den Bau schon in der Planungsphase". In ihrem Antrag gehen die Unabhängigen Bürger noch weiter. Ein halbes Jahr nachdem die Vorlage von der Stadtvert retung beschlossen wurde, soll die Oberbürgermeisterin einen Bericht vorlegen. Sie soll auflisten, wie behin dertenfreund lich die öffentlich zugänglichen Ein richtungen der Stadt und ihrer Betriebe sind. "Problembereiche" sollen dargestellt werden und insbesondere auch, was die Stadt zur Beseitigung der Hindernisse zu tun gedenkt.

Ausdrücklich werden diese Forderungen jedoch nur für "öffentlich zugängliche Bereiche" aufgemacht. Dass auch für die städtischen Mitarbeiter ein barrierefreier Zugang zu ihren "nicht öffentlichen" Büros und Arbeitsstätten möglich sein muss, fordern die Unabhängigen Bürger nicht. Dabei beziehen sie sich in ihrem Antrag an die Stadtvertretung auf den Artikel drei des Grundgesetzes, nach dem niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Außerdem wird nur von Behinderten gesprochen. Doch auch Nichtbehinderte können vor für sie unüberwindlichen Hindernissen stehen: Eltern mit Kinderwagen beispielsweise kennen dieses Problem zur Genüge.

Der Antrag der Unabhängigen Bürger wird am Montag in die Stadtvertretung eingebracht. Möglicherweise wird er dann in den Ausschüssen diskutiert. Erst danach könnte er entschieden werden. Wie die Abstimmung ausgehen wird, ist in der Schweriner Stadtvertretung allerdings nicht vorhersagbar.

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