zur Navigation springen

Die DDR und ihre Folgen : Folgen der Zwangsvereinigung und Diktatur weiter zu spüren

vom

Vor mehr als 26 Jahren fiel die Mauer, die DDR-Diktatur endete. Doch es wird noch lange dauern, bis die Folgen dieser Zeit nicht mehr spürbar sein werden.

svz.de von
erstellt am 22.Apr.2016 | 21:00 Uhr

40 Jahre Diktatur in der DDR haben nach Einschätzung von Fachleuten bis heute Spuren bei vielen Ostdeutschen hinterlassen. So gebe es immer noch eine ausgeprägtere Anspruchshaltung, dass der Staat etwas übernehmen müsse, sagte die Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen von Mecklenburg-Vorpommern, Anne Drescher, am Freitag in Rostock vor einer Tagung aller Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Das eigenverantwortliche Handeln in einer Demokratie sei im Osten als Folge der Diktatur noch nicht so ausgeprägt.

Hauptthema der Tagung ist die Zwangsvereinigung von SPD und KPD.

Diese sei den Menschen im Osten völlig anders dargestellt worden als denen im Westen. „In Ostdeutschland ist das quasi als freiwillige Erfolgsgeschichte verkauft worden“, sagte die Landesbeauftragte von Sachsen-Anhalt, Birgit Neumann-Becker. Niemals seien die wahren Hintergründe und Motive der Vereinigung dargestellt worden.

Es gebe eine klare und von den Zahlen her belegbare Affinität der Ostdeutschen zu links- und rechtsextremistischer Gewalt und zu Fremdenfeindlichkeiten, betonte Neumann-Becker. Auch das habe Ursachen in den mehr als 40 Jahren Diktatur. „Das dauert noch ein bisschen, bis die Spuren weniger deutlich werden“, sagte Neumann-Becker.

Es sei weiter wichtig, genau hinzuschauen, was damals passiert ist, betonte Beatrix Bouvier von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Mechanismen, wie eine Diktatur funktioniert, müssten bloß gelegt werden. Denn es gebe eine Anfälligkeit der Menschen für solche Mechanismen.

Eine Kernbotschaft der bis Sonntag dauernden Rostocker sei, dass die Opfer der DDR-Diktatur über das Jahr 2019 hinaus einen Antrag auf Rehabilitierung stellen können. Laut Gesetz endet die Meldefrist für Betroffene in drei Jahren. „Das Bewältigen von Verfolgungsgeschichten lässt sich nicht in Gesetzfristen pressen“, sagte Drescher. Viele Betroffene fänden erst zum Renteneintritt die Zeit, sich mit dem jahrzehntealten Erlebten zu beschäftigen. „Das waren oftmals traumatische Ereignisse. Da ist man nicht auf Knopfdruck bereit, sich damit zu befassen.“

>> Internetseite zum Kongress

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen