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Schwerin : Förderung der Ganztagsschulen schlecht benotet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Länder wie Hamburg und das Saarland kommen in einer Studie deutlich besser weg

Trotz zusätzlicher Landesmittel für den Ausbau der Ganztagsschulen bekommt Mecklenburg-Vorpommern in einer jetzt veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung schlechte Noten. Kaum ein anderes Bundesland stellt demnach weniger Zusatzstunden und Personal zur Verfügung, damit Schülern über den Unterricht hinaus Angebote gemacht werden können.

„4,3 Stunden für die Regionalschulen, das ist schon unteres Niveau“, stellte Dirk Zorn als einer der Autoren fest. Neben Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gehöre Mecklenburg-Vorpommern damit zu den Schlusslichtern.

Hessen hingegen gewährt laut Studie 16, Hamburg 13 Extrastunden je Woche für Zusatzangebote an Ganztagsschulen.

Wie aus der Studie weiter hervorgeht, stellen immer mehr Schulen in Deutschland auf Ganztagsbetrieb um. Innerhalb von 15 Jahren habe sich der Anteil der Schulen mit ganztägiger Bildung von knapp 20 auf rund 60 Prozent erhöht. Einer von der Kultusministerkonferenz veröffentlichten Tabelle zufolge liegt Mecklenburg-Vorpommern mit 42 Prozent auf dem drittletzten Platz unter den Bundesländern. Die Spitzenreiter Hamburg, Saarland und Sachsen erreichten 2014 bereits mehr als 90 Prozent.

Als Grund für diese Unterschiede und auch die sehr differenzierten Bedingungen an gebundenen Ganztagsschulen benennen die Autoren der Studie die unterschiedlichen Vorgaben der Länder. In Mecklenburg-Vorpommern seien Zusatzangebote an mindestens drei Tagen vorgeschrieben, in vielen anderen Bundesländern aber an allen fünf Schultagen. Das habe auch Auswirkungen auf die Ausstattung mit zusätzlichen Fachkräften, die laut Zorn nicht nur Lehrer sein müssen. „Für sehr bedenkenswert halte ich das Hamburger Modell mit 40 Prozent Lehrern, 40 Prozent Sozialpädagogen und 20 Prozent Honorarkräften.“

Der Studie zufolge stellen die Länder im Bereich der Sekundarstufe I pro Klasse durchschnittlich 15 000 Euro zusätzlich für Lehrkräfte bereit. Die Spannweite reicht dabei von 1300 Euro in Sachsen bis knapp 37 000 Euro in Rheinland-Pfalz. Bei den Untersuchungen habe sich gezeigt, dass zusätzliche Lernzeit und Personalausstattung in vielen Bundesländern nicht aufeinander abgestimmt seien, hieß es. „Bundesweite Mindeststandards für Ganztagsschulen sind notwendig, um gleichwertige Lernchancen zu ermöglichen“, betonte Jörg Dräger vom Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Mecklenburg-Vorpommern baut nach Angaben von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) sein Ganztagsschulangebot aus und stellt dafür in diesem Schuljahr eine Million Euro zusätzlich bereit. Die Ausgaben würden sich damit auf 26 Millionen Euro pro Jahr erhöhen. Im Schuljahr 2010/11 seien es noch 16 Millionen Euro gewesen. Laut Ministerium sind die Hälfte der Grundschulen und drei Viertel der öffentlichen weiterführenden Schulen im Land bereits Ganztagsschulen. Allerdings zählen dazu auch Schulen mit offenen Angeboten.

In der Studie waren gebundene Ganztagsschulen mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht untersucht worden. Diese Schulform stößt bei Jugendlichen und Jugendorganisationen im Land allerdings auch auf Ablehnung.

Frank Pfaff

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