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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 11:07 Uhr

Förderstopp bringt Bauern in Rage

vom

svz.de von
erstellt am 12.Jan.2012 | 07:32 Uhr

Schwerin | Aufruhr im Stall: Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bringt mit dem von ihm verhängten halbjährigen Förderstopp für neue Stallanlagen die Bauern gegen sich auf. Mit der Entscheidung setze das Land Investitionen in der Landwirtschaft aufs Spiel, kritisierte Bauernpräsident Rainer Tietböhl gestern die Pläne scharf. Durch die Entscheidung haben Landwirte derzeit den Bau von etwa 900 000 Hähnchen-Mastplätzen vorerst auf Eis gelegt. Die Aufträge gingen der regionalen Wirtschaft vorerst verloren. Backhaus hatte Ende Dezember für ein halbes Jahr die Förderung von neuen Ställen ausgesetzt. Damit drängt er auf neue Haltungsformen, durch die der Medikamenteneinsatz reduziert und die Tiergesundheit verbessert werden soll.

Die Bauern sind sauer: Die EU-Förderperiode sei bis 2013 begrenzt. Wer jetzt die Förderung stoppe, setze bares Geld in den Sand, sagte Tietböhl. Es sei zu befürchten, dass Fördermittel nicht ausgeschöpft würden. Investitionen, die im ersten Halbjahr nicht auf den Weg gebracht würden, gingen für dieses Jahr verloren. "Schnellschüsse nützen nichts", meinte Tietböhl. MV brauche weitere Investitionen in neue Tieranlagen. Im Land würden nur halb so viele Tiere gehalten wie im Durchschnitt Deutschlands. MV habe "große Möglichkeiten" die Tierbestände aufzustocken und zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen, meinte Tietböhl.

In der Debatte um den übermäßigen Medikamenteneinsatz im Futtertrog fühlen sich die Landwirte zu Unrecht an den Pranger gestellt: "Wir sind nicht die Sündenböcke und wollen nicht in die Ecke gestellt werden", sagte Tietböhl und kritisierte das auf Billigware ausgerichtete Verbraucherverhalten: Die Landwirte würden sich nicht der Diskussion um neue Haltungsformen verschließen, aber wenn Kunden " für zwei bis drei Euro ein Hähnchen kaufen wollen, bleibt den Bauern nichts anderes übrig, als die Tiere so zu halten". MV könne es sich nicht leisten, Sonderbedingungen zu schaffen, das würde die Tierproduktion ins Ausland vertreiben - wie nach dem Verbot der Käfighaltung für Legehennen. Inzwischen kommen Tietböhl zufolge 60 Prozent der deutschen Eier aus Polen.

In den vergangenen Jahren seien enorme Fortschritte in der Tiergesundheit erreicht worden, erklärte Vize-Präsident Hans-Heinrich Rave. Die Bauern hätten ein eigenes Interesse daran, "möglichst gar keine Medikamente" einzusetzen, betonte Tietböhl. Jede Gabe treibe die Kosten hoch - die Impfung einer Herde koste allein mehrere Tausend Euro. Allerdings sei es kaum anders zu organisieren, als bei Erkrankungen einzelner Tiere den gesamte Bestand zu behandeln. Um den Krankheitsdruck zu reduzieren sollten die Bauern so genannte geschlossene Systeme aufbauen - von der Henne, die das Ei legt, bis zum Masthähnchen alles in einer Hand. Das System habe in der Schweinehaltung bereits dazu geführt, dass der Medikamenteneinsatz verringert werden konnte, so Tietböhl.

Durch den Arzneieinsatz seien in MV aber bisher "keine Nachteile für die menschliche Ernährung entstanden", alle Grenzwerte eingehalten worden, meinte Tietböhl. Den Behörden sei seit Jahren bekannt, wie viele Medikamente in den Ställen eingesetzt würden, sagte Rave. Angesichts dessen jetzt die Förderung zu stoppen sei "scheinheilig" und komme "Aktionismus" gleich. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Tiergesundheit und der Stallgröße. "Backhaus tut so, als wenn es möglich ist, in einem halben Jahr das Problem zu lösen", meinte Rave. "In der Kürze der Zeit ist das aber nicht möglich."


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