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Gemeinsames Lernen : Förderschulen für Lernschwache werden aufgelöst

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der gemeinsame Schulbesuch behinderter und nichtbehinderter Kinder soll in Mecklenburg-Vorpommern künftig flächendeckend möglich sein.

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2016 | 07:00 Uhr

Sie sind körperlich beeinträchtigt, verhaltensauffällig oder haben Probleme mit dem Lernen: Elf Prozent der Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern benötigen besondere Förderung. Dennoch besuchen immer mehr dieser Mädchen und Jungen Regelschulen. Ihr Anteil lag im Schuljahr 2014/15 bei 37,9 Prozent, wie Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) gestern in Schwerin erklärte. Damit liegt das Land über dem Bundesdurchschnitt von 34,1 Prozent.

Trotzdem gibt es in MV in puncto Inklusion – so der Fachbegriff für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen – noch einiges zu tun, betont der Minister. Die Regierungsparteien und die oppositionelle Linke hätten sich deshalb auf eine gemeinsame Inklusionsstrategie verständigt. Sie soll noch in dieser Legislatur in den Landtag eingebracht werden und den „Fahrplan“ für die nächsten Jahre umreißen, bekräftigte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Simone Oldenburg.

Ein Schwerpunkt ist die Auflösung von Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen. Minister Brodkorb zufolge sind mehr als 40 der insgesamt 80 Förderschulen im Land entsprechend ausgerichtet. An ihre Stelle sollen künftig „flexible Bildungsgänge“ an etwa 20 Regionalen und Gesamtschulen im Land treten, denn nach gängiger wissenschaftlicher Meinung gelten gerade Kinder mit Lernproblemen als eher leicht in den gemeinsamen Unterricht eingliederbar. Derzeit besuchten hier im Land aber nur 18,8 Prozent der Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen Regelschulen – im Bundesdurchschnitt seien es 39,5 Prozent, so Brodkorb.

Genau entgegengesetzt ist es bei verhaltensauffälligen Kindern: Bundesweit besuchen 50,2 Prozent der Mädchen und Jungen mit dem Förderschwerpunkt „emotionale und soziale Entwicklung“ Regelschulen, hier im Land sind es 87,7 Prozent. Das führe zu einer Überforderung sowohl der Lehrkräfte als auch der anderen Schüler, weiß Simone Oldenburg. Bildungsminister Brodkorb kündigte deshalb an: „Wir wollen wieder eine flächendeckende Struktur zur Beschulung verhaltensauffälliger Kinder aufbauen.“ Gemeint seien „besonders ausgestattete kleine Klassen an Regelschulen“, aus denen die Kinder so bald wie möglich wieder in die Regelbeschulung wechseln sollen.

28 Schulen im Land sollen schließlich mit „spezifischen Kompetenzen“ ausgestattet werden, um Kinder mit anderen Beeinträchtigungen – Seh-, Hör- oder schwer körperlich Behinderte – möglichst wohnortnah zu beschulen. Spezialeinrichtungen für diese Kinder sollen fortbestehen, Eltern künftig aber mehr Wahlmöglichkeiten bekommen, so Brodkorb. Entsprechende Umbauten an Regelschulen lässt sich das Land jährlich drei Millionen Euro kosten, 237 zusätzliche Lehrerstellen werden geschaffen.

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